SRG und Kabelnetzbetreiber sind die grossen Abräumer

Medien Herr und Frau Schweizer geben jedes Jahr im Durchschnitt gut 3000 Franken für Medien aus – ein 10-Milliarden-Geschäft.

Medien Herr und Frau Schweizer geben jedes Jahr im Durchschnitt gut 3000 Franken für Medien aus – ein 10-Milliarden-Geschäft.Man lasse sich die Zahl auf der Zunge zergehen: 9,4 Milliarden Franken investieren die privaten Haushalte in der Schweiz in Zeitungen, Magazine, Internet, Kabelnetze, Radio- und Fernsehgebühren, TV-Geräte, Computer, Kino und in Bücher – jedes Jahr. «Jetzt wird endlich die volkswirtschaftliche Bedeutung der Medien klar. Medien sind keine Quantité négligeable», sagt Hanspeter Lebrument, der Präsident des Verbandes Schweizer Presse. Von den durchschnittlich 3000 Franken pro Haushalt geben die Medienkonsumenten aber nur rund 20 Prozent oder 600 Franken für Printmedien aus. Das geht aus einer erstmals erhobenen Studie «medienbudget.ch» hervor, welche eine Projektgruppe um die Kommunikationsberaterin Thérèse Ruedin im Auftrag des Verbandes Schweizer Presse durchgeführt hat. Die Ausgaben der privaten Haushalte verteilen sich zu 24,7 Prozent auf PC und Internet und zu 22,5 Prozent auf das Fernsehen (Konzessionen, Kabelgebühren, PayTV und Hardware). Für die Printmedien fallen lediglich 20,2 Prozent ab. Die restlichen Prozente verteilen sich auf Unterhaltungselektronik (15,5 Prozent), Bücher (9,4 Prozent), Radio (5 Prozent) und Kino (2,7 Prozent).
Die zeitliche Entwicklung zeigt einen steten Anstieg der Medienausgaben. 2004 stiegen sie um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei betrifft das Wachstum jedoch fast ausschliesslich elektronische Medien. Allein für Konzessionen und Kabelnetze mit staatlich vorgegebenen Preisen geben die Schweizerinnen und Schweizer rund ein Fünftel mehr aus als für sämtliche Druckmedien zusammen.
Die Studie ist in ihrer Art europaweit einmalig und ergibt erstmals einen Eindruck davon, wie viel die Mediennutzung den Leuten wert ist. Lebrument vermerkt mit Genugtuung die Vergleichsmöglichkeit zwischen den Einkünften der gebührenabhängigen staatlichen Medien und dem freien Markt, das lasse in Zukunft vermehrt auf politische Entscheide zu Gunsten der Privaten hoffen. Zusammen mit den an den Kiosken verfügbaren ausländischen Printtiteln sind in der Schweiz permanent rund 3500 Zeitungen und Zeitschriften verfügbar. Dennoch gibt man hier zu Lande nur 600 Franken im Schnitt für Presseerzeugnisse aus, davon knapp zwei Drittel für Abonnemente und den Rest im Einzelverkauf. Im letzten Jahr belief sich das Wachstum auf gerade mal 0,6 Prozent, der Einzelverkauf ging sogar um 1,9 Prozent zurück. Die stärksten Verkäufe betreffen die Tages-, die regionale Wochen- und die Sonntagspresse (+1 Prozent), während die Publikums-, Finanz- und Wirtschaftspresse einbrach (–3 Prozent). Dennoch ist die Stabilität hoch bei breitem Angebot.
Stabile Umsätze ortet die Studie «medienbudget.ch» auch bei den Büchern, die mit 900 Millionen Franken Jahresumsatz seit 2002 unverändert bleiben. Aufwind verspürt die Kinobranche (+5,5 Prozent gegenüber 2003). Multiplexkinos verfügen über einen Marktanteil von 23 Prozent, Film-Openairs dagegen verzeichnen einen Anteil von lediglich 2,8 Prozent.
Die SRG verschlingt am meistenDie grossen Abräumer sind dagegen die Kabelnetzbetreiber und die SRG SSR idée suisse. Die Studie beweist, dass allen voran die gebührenprivilegierte SRG den Löwenanteil an den Medienausgaben der privaten Schweizer Haushalte verschlingt. Allein die Konzessionsgebühren erreichten 2004 fast zwei Drittel des Betrages, der gesamthaft für Printtitel ausgegeben wurde. Zählt man die Ausgaben für PayTV-Abos sowie Gebühren für das Kabelnetz dazu – 90 Prozent der Haushalte sind verkabelt – dann erreichen die Ausgaben etwa Gleichstand. Rechnet man noch die jährlichen Aufwendungen für Neugeräte hinzu, übersteigen die Ausgaben jene für Zeitungen und Zeitschriften um 36 Prozent.
Weiter ziehen Tonträger, DVDs, PC- und Videospiele inklusive Abspielgeräte sowie Video-, HiFi-Anlagen und Car-Electronics 1,5 Milliarden Franken jährlich ab. Das Geschäft mit bespielten Tonträgern brach durch die illegalen Musik-Downloads um ein Viertel auf 231 Millionen Franken seit dem Jahr 2000 ein. Dagegen schossen mit 25 Prozent in einem einzigen Jahr die DVD-Verkäufe mit total 249 Millionen Franken in die Höhe. Dies ist eine eigentliche Erfolgsgeschichte, obwohl erst 45 Prozent aller privaten Haushalte über DVD-fähige Abspielgeräte verfügen. Für 147 Millionen Franken kauften Schweizerinnen und Schweizer PC- und Videogames, 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Dieser Einbruch sei auf Preis- und Margenzerfall sowie auf Lieferengpässe zurückzuführen, heisst es in der Studie.
Für Computer und Internet gaben die privaten Internetuser in der Schweiz im letzten Jahr rund 2,3 Milliarden Franken aus. Damit stieg das Segment um 12,2 Prozent. 1,5 Milliarden Franken entfielen dabei auf Hard- und Basissoftware, 444 Millionen auf Breitband-Verbindungen (+53,6 Prozent) und 385 Millionen auf Internet-Downloads. Ein explosives Wachstum verzeichnen die Breitband-Verbindungen, über welche schon 770000 Internet-surferinnen und -surfer in der Schweiz verfügen. Für die Jahre 2005 und 2006 werden besonders im Bereich PC-Installationen und Hardware nach einem Umsatzeinbruch von 2003 und einem Anstieg im 2004 (+4,3 Prozent) weiter steigende Umsätze erwartet.
Die Kioske kooperiertenDie Studie konnte sich bei ihrer sekundärstatistischen Datenerhebung auf die Daten von rund 17 Unternehmen, Institutionen und Verbänden aus dem öffentlichen und privaten Bereich stützen. «Erstmals haben die Kioske sich bereit erklärt, uns ihre Verkaufsdaten zur Verfügung zu stellen», erklärt Projektleiterin Thérèse Ruedin.
Bei den grossen Telecomanbietern dagegen habe man auf Granit gebissen und diese hätten den Einblick in ihr Zahlenmaterial standhaft verweigert. Ruedin vermutet, dass sich die Grossen nicht in die Karten blicken lassen wollen, da es sich wohl um riesige Geschäftsvolumina handle. Die Studie «medienbudget.ch» soll künftig alljährlich erscheinen.
René Worni

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