Die Hersteller setzen sich mehr und mehr unter Druck
Digitaldruck Neben etablierten Anbietern wenden sich zunehmend grosse Player dem Digi-Biz zu.
Laserdrucksysteme, von denen hier die Rede ist, zählen zu den
Seitendruckern. Bislang sind von diesen Herstellern hauptsächlich im
Schwarzweissbereich für viele dieser Drucker auch integrierte
Produktionsstrassen verfügbar. Neben dem Zusammenführen/Ergänzen oder
auch Lochen von vorgedruckten oder separat gedruckten Blättern können
diese um Finishing-Geräte ergänzten Systeme auch Broschüren inline (in
einem Durchgang) zusammentragen, verschiedenartig binden oder heften.
Nachfolgend werden neue Produkte, Lösungen und auch Strategien einiger
führender Anbieter vorgestellt. Dabei fällt rasch auf, dass sich neben
den etablierten Anbietern auch zunehmend grosse Konzerne wie Canon, HP
und Kodak dem Digitaldruck-Business zuwenden, und zwar mit grosser Lust
und viel Engagement.
Canon platziert erstes ImageRunner-Produktionssystem
Der japanische Konzern Canon, der in den Geschäftsbereichen Business
Solutions, Professional Printing Solutions und in den Bereichen
Fotografie/Imaging sowohl Technologien als auch Lösungen für den
Business- wie auch den Home- und Office-Bereich anbietet, will auch im
Digitaldruck-Segment wachsen. Um diese Zielsetzung zu erreichen, hat
das Unternehmen weltweit – so auch in der Schweiz – Mitarbeitende
rekrutiert.
Im Rahmen dieser neuen Strategie hat Canon das Angebot im Bereich der
professionellen Drucksysteme erweitert und Canon Europa mit den
digitalen Produktionssystemen iR125VP (125 Seiten*) und iR150VP (150
Seiten) bereits Drucker für hohe Produktionsvolumen auf den Markt
gebracht. Beide Modelle wurden für das Drucken bedarfsgerechter
Auflagen entwickelt, dies für «Print(ing) on demand»-Umgebungen (z.B.
für Hausdruckereien, zum Drucken von Banktransaktionen oder anderen
Auszügen) und für traditionelle Offsetdruckereien. Die beiden
ImageRunner-Modelle eignen sich zudem speziell für das
One-to-one-Marketing.
Mit der Installation einer ersten digitalen
Schwarzweiss-Produktionsstrasse in der Schweiz hat Canon (Schweiz) AG
für den hiesigen Markt nun einen wichtigen Grundstein gelegt. Für das
in Interlaken ansässige Unternehmen Schlaefli
& Maurer AG ist das schnelle Schwarzweiss-Produktionssystem iR125VP
inkl. der Software PrintShop Mail (für variablen Datendruck) und
Balance (für die Datenaufbereitung) der Einstieg in ein neues
Marktsegment.
Siegfried Alder, Product Marketing Manager Professional Printing
Solutions, kommentiert das Unterfangen: «Für Canon Schweiz war die
Installation des iR125VP bei Schlaefli & Maurer der erste Schritt
in den professionellen Markt. Dass dieser gemeinsam mit einem weit über
die Region hinaus bekannten, innovativen Partner realisiert werden
konnte, zeigt, dass Canon konkurrenzfähige Produkte für den
professionellen Markt anbietet. Die Kunden von Schlaefli & Maurer
können dabei von einem breiteren Dienstleistungsangebot als bis anhin
profitieren, auf deren Wünsche kann das Unternehmen insgesamt flexibler
reagieren.»
Die Einführung der Systeme iR125VP/iR150VP ist für Canon der Einstieg
in den professionellen Markt. Der logische und konsequente nächste
Schritt soll im nächsten Jahr an der im Frühjahr 2006 in Birmingham
stattfindenden Fachmesse Ipex mit der Lancierung eines revolutionären
Produktions-Farbsystems unternommen werden.
HP wächst im Digitaldruck-Segment durch Übernahmen
Bei Hewlett-Packard (HP) fällt ein zunehmendes Interesse am
Digitaldruck auf. Der Computerhersteller und ursprünglich reine
Anbieter von Office- und Large-Format-Druckern und Proof-Systemen hat
sich mit dem Zukauf von Indigo (neu: HP Indigo) im Herbst 2001 auf
einen Schlag zur Technologie auch eine im Digitaldruck sehr bekannte
Marke einverleibt. Besonders interessant ist eine Nachricht von Mitte
August, wonach HP mit der Übernahme des im Grossformatdruck führenden
Anbieters Scitex Vision sein Produktportfolio massiv ausweiten will.
Die Large-Format-Drucker dieses israelischen Herstellers werden vor
allem von Unternehmen eingesetzt, die im Display-, Beschriftungs- und
Verpackungsmarkt tätig sind.
Doch im Zentrum des HP-Digitaldrucksortiments stehen die
HP-Indigo-Maschinen: Technisch betrachtet sind diese den
Laserdrucksystemen zuzuordnen, denn auch sie übertragen die
Bildinformation auf einen Zwischenträger (Druckform). Der Unterschied
der HP-Indigo-Systeme zu anderen Digitaldrucksystemen liegt bei der
eingesetzten feuchten beziehungsweise flüssigen Tinte (ElectroInk).
«Die ElectroInk kommt dem immer zum Vergleich herangezogenen
Offsetdruck beim ‹look & feel» am nächsten», erklärt Bruno
Brechbühl, Abteilungsleiter Digitaldruck bei der Chromos AG, welche die
HP-Indigo-Drucksysteme in der Schweiz vertreibt.
Von HP-Indigo gibt es vier Bogensysteme (HP Indigo press s2000, 1050,
3050 und 5000) und drei Rollendrucksysteme (ws2000, w3200 sowie
ws4050). Das jüngste Produkt, die HP Indigo Press 5000, bezeichnet HP
auch als die «Digitaldruckmaschine für den Drucker». Sie druckt 4000
A4-Seiten in Vollfarbe pro Stunde und verarbeitet ein breites Spektrum
von gestrichenen und ungestrichenen Bedruckstoffen, Etiketten, Folien
und anderen Materialien. Diese Maschine wurde auf der Fachmesse drupa
im Mai 2004 vorgestellt und steht seit den erfolgreich durchgeführten
Betatests seit Anfang 2005 zur Verfügung.
Océ bringt Platinum-Versionen mit neuer Tonertechnologie
Ganz im Trend liegen kleinere Multifunktionssysteme. Dies sind Drucker,
die um die 30 Seiten schaffen und durch Zusatzfunktionen (scannen,
kopieren, faxen) die Bedürfnisse von kleinen Arbeitsgruppen abdecken.
Ende Juni hat die holländische Océ mit den Modellen Océ CS230 und CS181
für diesen mittleren bis hochvolumigen Farbmarkt zwei 35 Seiten
druckende Systeme eingeführt. Beide können auch für den
Schwarzweissbereich eingesetzt werden – das Modell CS230 druckt dann
bis zu 45 Seiten, beim kleineren Modell ist auch hier die Leistung auf
35 Seiten begrenzt. Daneben gibt es mit dem Modell CS520 noch ein
Multifunktionsgerät für den Druck von 51 Seiten – in Farbe oder
Schwarzweiss.
Mit CPS800 (Kopierer und Drucker) und CPS900 (reiner Drucker) wurden
von Océ unlängst neue Drucksysteme für den Einsatz in grafischen
Unternehmen und Hausdruckereien vorgestellt; sie lösen das
Vorgängermodell CPS700 ab. Beide Modelle sind seit einiger Zeit zudem
als «Platinum»-Modelle erhältlich – diese verwenden einen neuen Toner
und sind bei der Verarbeitung der Bedruckstoffe (Papierformate und
Papierqualitäten) flexibler.
Urs Maute, Product Manager Farbe bei Océ Schweiz, erklärt: «Die
Platinum-Drucker CPS800 und CPS900 ermöglichen unter anderem durch den
neuen Toner die Wiedergabe feinerer Raster. Im Gegensatz zu den
Multifunktionsgeräten, mit denen sich idealerweise nur normale
Kopierpapiere bedrucken lassen, können mit dem Platinum-System Papiere
zwischen 80 und 300 g/m2 in voller Geschwindigkeit bedruckt werden.»
Ihre Ambitionen für den anspruchsvolleren grafischen Markt hat Océ
kürzlich an der Fachmesse X’05 dokumentiert. Am Stand von Sihl + Eika
wurde anhand des Farbdrucksystems CPS900 live demonstriert, dass sich
auch Kreativpapiere im Digitaldruck bedrucken lassen.
Epson rollt das Office-Segment von unten auf
Anbieter wie Epson machen mit ihren Produkten deutlich, dass der
klassische Digitaldruck wohl langsam unter (Markt)Druck kommt. Das
jüngste Beispiel aus dem japanischen Konzern ist der AcuLaser C4200.
Dieser Drucker schafft in seinem Segment eine beachtliche Leistung: Bis
zu 35 Seiten in Schwarzweiss und bis zu 25 Seiten in Farbe landen pro
Minute in der Auslage. Selbst im Duplexdruck (serienmässig) schafft der
Neue von Epson noch bis zu 20 Seiten. Gemäss Epson schafft man mit dem
brandneuen Modell bis zu 90000 Seiten im Monat.
Schon im Mai hat Epson mit dem AcuLaser 2600 einen neuen
Monochrome-Laserdrucker vorgestellt, der durch den Zukauf und das
Einsetzen von Farbtonerkassetten schnell in einen Farbdrucker
verwandelt werden kann. Damit können Unternehmen kostengünstig in den
Schwarzweissbereich einsteigen und bei Bedarf auf Farbe aufrüsten. Wer
will, kann das Gerät auch als Farbdrucker (AcuLaser C2600) ordern.
Epson weist bei seinen AcuLaser-Druckern besonders auf die niedrigen
Anschaffungs- und Betriebskosten, ihre Netzwerkfähigkeit, die hohe
Flexibilität in der Anwendung sowie eine brillante Druckqualität hin.
Damit sind die Drucker auch ideal für Einzelarbeitsplätze oder kleine
Arbeitsgruppen.
Kodak baut das Segment Produktionsdruck aus
Nachdem HP dick ins Digitaldruckgeschäft eingestiegen ist, hat nun auch
die aus dem Fotogeschäft kommende Eastman Kodak Company (Kodak) den
Einstieg in den Digitaldruck gewagt. Neben der Übernahme von
Encad (Grossformatdrucker) und Scitex digital printing (hochvolumiger
Inkjet-Digitaldruck) hat Kodak letztes Jahr zu seinen 50 Prozent auch
die 50-prozentige Heidelberg-Beteiligung am
Joint-Venture-Unternehmen Nexpress übernommen. Innert kürzester Zeit
ist damit aus dem Filmhersteller ein im Digitaldruck führendes
Unternehmen entstanden, das mit der digitalen Farbdruckmaschine Kodak
NexPress 2100 und dem optionalen fünften Druckwerk samt neuen
Anwendungslösungen Druckdienstleistern neue, innovative
Dienstleistungen für ihre Kunden ermöglicht: Kodak NexPress intelligent
color für die präzise Reproduktion von Sonderfarben und eine
Farbraumerweiterung, intelligent coating für das Aufbringen einer
Schutzschicht oder den Druck von Wasserzeichen und anderen Schutz- und
Schmuckmerkmalen sowie intelligent glossing für die Veredelung durch
Hochglanz-Finish im Zusammenhang mit den Kodak NexGlosser
Hochglanz-Finisher. Bei den Digimaster-Schwarzweissdrucksystemen gab es
letzten Herbst Umstellungen im Portfolio. Leistungsfähigstes
Drucksystem ist neu die 150-Seitenmaschine Digimaster E150.
Xerox erweitert Portfolio
Der europäische Unternehmensbereich der Xerox Corporation, die in
Kloten ansässige Xerox Schweiz, hat neue Produkte vorgestellt. Weitere
Informationen dazu auf Seite 23.
Jürgen Franck
