Basler Lektion
Editorial Oliver Classen über den gerechten Lohn für mutige Zeitungsreformen.
Oliver Classen über den gerechten Lohn für mutige Zeitungsreformen.Es ist noch nicht lange her, da wurde in
Zürcher Fachkreisen gerne über die fortschreitende Versteppung Basels
gewitzelt. Anlass dafür war für einmal nicht der Neid auf die drei
jährlichen Sonnentage mehr am Rheinknie, sondern die nach Bewässerung
schreienden Bleiwüsten, welche die Basler Zeitung täglich produzierte.
Vor einem Jahr nun hat Verleger Matthias Hagemann den familiären
(Geld-)Hahn endlich aufgedreht und seinem vermeintlichen Mauerblümchen
damit zu neuer Blüte verholfen. Über optische Details des radikalen
Relaunchs lässt sich wohl trefflich streiten; inhaltlich jedoch hat die
baz durch ihre Konzentration aufs Regionalgeschehen, das – allmählich
auch vom Basler Bildungsbürgertum akzeptierte – Kulturtabloid sowie
grössere Interaktivität fraglos gewonnen.
Im verlegerisch vergleichsweise zögerlichen «Downtown Switzerland»
beobachtet man so viel Reformeifer freilich mit Skepsis. Scheinbar
bestätigt wurde diese Haltung durch die neusten Reichweiten-Werte, wo
die Zeitung der Nordwestschweiz etwa gleich viel Federn liess wie das
St. Galler Tagblatt oder die Berner Zeitung. Umso wichtiger ist das
diese Woche publizierte, trotz Umsatzrückgang positive
Unternehmensergebnis der Basler Zeitung Medien, das fürs Stammhaus
einen stabilen Betriebsertrag ausweist – und zwar bei voller
Abschreibung aller Relaunchkosten.
Auf dem Hintergrund jüngster Spekulationen um Tamedia-Sondierungen am
Rheinknie dürfen Hagemann & Co. auf dieses Resultat besonders stolz
sein. Kein Wunder, erklärt der Verleger zum ersten Jahr neue baz «die
langfristige Sicherung der Familienmehrheit» und «die lokale
Verwurzelung unseres Aktionariats» zur Top-Priorität. Dass es sich
dabei weniger um Heimat- als um «Innovationsschutz» handelt, erkennt
jeder, der baz und Tages-Anzeiger nebeneinander legt. Einziger Trost
aus Zürcher Sicht: Diesen entscheidenden Unterschied kennt auch Rolf
Bollmann, der beim Badener Tagblatt als Heimatschützer, bei 20 Minuten
hingegen als Innovator wirkte und nun den Tagi zurück auf
Innovationskurs bringen soll.
Zürcher Fachkreisen gerne über die fortschreitende Versteppung Basels
gewitzelt. Anlass dafür war für einmal nicht der Neid auf die drei
jährlichen Sonnentage mehr am Rheinknie, sondern die nach Bewässerung
schreienden Bleiwüsten, welche die Basler Zeitung täglich produzierte.
Vor einem Jahr nun hat Verleger Matthias Hagemann den familiären
(Geld-)Hahn endlich aufgedreht und seinem vermeintlichen Mauerblümchen
damit zu neuer Blüte verholfen. Über optische Details des radikalen
Relaunchs lässt sich wohl trefflich streiten; inhaltlich jedoch hat die
baz durch ihre Konzentration aufs Regionalgeschehen, das – allmählich
auch vom Basler Bildungsbürgertum akzeptierte – Kulturtabloid sowie
grössere Interaktivität fraglos gewonnen.
Im verlegerisch vergleichsweise zögerlichen «Downtown Switzerland»
beobachtet man so viel Reformeifer freilich mit Skepsis. Scheinbar
bestätigt wurde diese Haltung durch die neusten Reichweiten-Werte, wo
die Zeitung der Nordwestschweiz etwa gleich viel Federn liess wie das
St. Galler Tagblatt oder die Berner Zeitung. Umso wichtiger ist das
diese Woche publizierte, trotz Umsatzrückgang positive
Unternehmensergebnis der Basler Zeitung Medien, das fürs Stammhaus
einen stabilen Betriebsertrag ausweist – und zwar bei voller
Abschreibung aller Relaunchkosten.
Auf dem Hintergrund jüngster Spekulationen um Tamedia-Sondierungen am
Rheinknie dürfen Hagemann & Co. auf dieses Resultat besonders stolz
sein. Kein Wunder, erklärt der Verleger zum ersten Jahr neue baz «die
langfristige Sicherung der Familienmehrheit» und «die lokale
Verwurzelung unseres Aktionariats» zur Top-Priorität. Dass es sich
dabei weniger um Heimat- als um «Innovationsschutz» handelt, erkennt
jeder, der baz und Tages-Anzeiger nebeneinander legt. Einziger Trost
aus Zürcher Sicht: Diesen entscheidenden Unterschied kennt auch Rolf
Bollmann, der beim Badener Tagblatt als Heimatschützer, bei 20 Minuten
hingegen als Innovator wirkte und nun den Tagi zurück auf
Innovationskurs bringen soll.
> Oliver Classen, Redaktor
