Der Versuch der Pfründesicherung
Gastkommentar Der Verlegerverband lässt sich für Mitgliederinteressen einspannen, sagt Günter Heuberger.
Presse, sich die eigenen Pfründen zu sichern und gleichzeitig das
einzige unabhängige Regionalfernsehen abzuschaffen, ist der bisher dreisteste. Das vorgestellte Papier würde
die regionalen Vormachtstellungen der Multimedia-Verleger zementieren,
und die Politik soll dies auch noch mit Gebührengeldern finanzieren.
Weil die Monopolverleger ahnen, dass dies nicht so einfach durchgehen
wird, wollen sie gleich einen Sockelbeitrag von 50 Prozent der Gebühren
für jeden Veranstalter. Der Service public hätte gerade noch einen
Anteil von 10 bis 20 Prozent (!). Ich frage mich, ob die Exponenten des
Verbands Schweizer Presse die Beratungen im Parlament zur Kenntnis
genommen haben. In mehreren Voten war das Unbehagen gegen die
Ausschüttung von Gebührengeldern an marktmächtige Verleger ein Thema.
Und bei den Versorgungsgebieten wurden die von den St. Gallern und
Schaffhausern bestellten Einzelanträge für kantonale Versorgungsgebiete
abgelehnt. Geradezu unappetitlich war, dass ein einst bei den
Schaffhauser Nachrichten arbeitender Ständerat den ominösen
Einzelantrag einbringen musste.
Das Papier des Verbands Schweizer Presse will durch die Neuaufteilung
der Versorgungsgebiete in der Ostschweiz das unabhängige Tele- Top zum
Verschwinden bringen, nachdem dies durch gewaltige Marketingmassnahmen
in den letzten Jahren nicht gelungen ist. Eine wissenschaftliche
Untersuchung hatte im Jahr 2001 unter anderem festgestellt, dass im St.
Galler Tagblatt für die eigenen elektronischen Medien Radio Aktuell und
TeleOstschweiz ein Werbedruck von 1,67 Mio. Franken erzeugt wurde. Eine
Zahl, die direkt hinter den beiden Grossverteilern Coop und Migros,
aber noch vor der Swisscom lag.
Bis heute haben TeleTop und Radio Top ihre Position ausbauen können.
Immer wieder gibt es aber Rückschläge, wenn Veranstalter mit unseren
Medien zusammenarbeiten wollen. Das St. Galler Tagblatt droht jeweils
direkt, dass man in diesem Fall eine andere Zeitung in der Region
suchen solle. Das neueste Papier der Schweizer Presse wirkt wenig
durchdacht. Ob es zum gewünschten Verschwinden des einzigen
verlagsunabhängigen Regionalfernsehens der Schweiz führen wird, ist
offen. Die Art und Weise, wie sich der Zeitungsverlegerverband in die
Teilinteressen einzelner Mitglieder einspannen lässt, wirft aber ein schales Licht auf
den Zustand einer Branche und deren Repräsentanten, die ja eigentlich
genug künftige gesamtstrategische Herausforderungen zu lösen hätten.
Günter Heuberger ist Geschäftsführer TeleTop und Radio Top.
