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Marketing Ikea gehört zu den stärksten Marken weltweit. Und das, obwohl das Möbelhaus im Vergleich zu Coca-Cola, McDonald’s und Nike wenig für Werbung ausgibt. Ronald Jungbluth erklärt, warum.
Marketing Ikea gehört zu den stärksten Marken weltweit. Und das, obwohl das Möbelhaus im Vergleich zu Coca-Cola, McDonald’s und Nike wenig für Werbung ausgibt. Ronald Jungbluth erklärt, warum.Wohnst du noch oder lebst du schon? Immer mehr Menschen beantworten diese Frage mit einem lauten «ich lebe!» Im Geschäftsjahr 2005/ 2006, das Ende Juli zu Ende ging, pilgerten 454 Millionen Ikea-Jünger in eine der 221 blau-gelben Kathedralen und huldigten dort den bunt lackierten Spanplatten und hellen Massivholzmöbeln. Ikea ist, nach McDonald’s, das weltweit erfolgreichste Franchise-Modell. Der Umsatz steigt Jahr für Jahr gegen den Branchentrend auf inzwischen knapp 24 Milliarden Franken. Angefangen hat alles ganz bescheiden vor 63 Jahren.Schwedens Dagobert Duck1943. Weil der elterliche Hof so abgelegen lag, baute der 17-jährige Schüler Ingvar Kamprad auf Elmtaryd in der Nähe von Agunnaryd einen Versandhandel auf. Ein Onkel musste den Firmeneintrag für ihn unterschreiben, weil Ingvar noch minderjährig war. Ikea war zuerst ein Gemischtwarenladen: Kamprad versandte alles, vom Füllfederhalter bis zur Brieftasche. Doch als das erste Möbel, ein Sessel, eine rege Nachfrage auslöste, bewies er seinen Geschäftssinn, baute das Geschäft zügig aus und beschränkte sich auf Möbel. Mit Erfolg.
Dieser Erfolg ist Kamprad nie zu Kopf gestiegen. Obwohl gemäss Forbes nur fünf Menschen reicher sind als er, benimmt er sich nicht so. Im Gegenteil: Er gilt als bescheiden, sparsam, ja geizig. Darüber hat sich auch schon der Bürgermeister von Epalinges im Waadtland geärgert, wo Kamprad seit vielen Jahren wohnt. Seine kleinbäuerische Kindheit, die irgendwie an Astrid Lindgrens Bullerbü-Idylle erinnert, prägte den heute 80-jährigen Milliardär. Das ist für Rüdiger Jungbluth einer der Gründe, warum Kamprad mit Ikea so erfolgreich war und ist.
Analyse statt BiografieRüdiger Jungbluth hat mehr als nur eine weitere Biografie von Ingvar Kamprad geschrieben. In «Die 11 Geheimnisse des Ikea-Erfolgs» versucht er zu analysieren, warum Ikea nicht nur ein ausserordentliches, sondern vor allem ein ausserordentlich erfolgreiches Möbelhaus ist. Das gelingt ihm, weil er als Wirtschaftsjournalist sowohl mit Worten als auch mit Zahlen umgehen kann und etwas von Marketing versteht. Trotzdem lüftet er in seinem Buch keine wirklichen Geheimnisse – nicht, weil er es nicht kann, nein, weil es keine gibt.
Die Faktoren, die zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen, Marken oder Firmen entscheiden, sind immer dieselben.
Und doch ist bei dem verrückten Möbelhaus aus Schweden etwas anders: Weltweit ist keine Marke dermassen stark mit dem Menschen dahinter verknüpft. Ikea ist Ingvar Kamprad, Ingvar Kamprad ist Ikea. Das ist, was andere von Kamprad lernen können. Der Mann ist glaubwürdig, obwohl – oder gerade weil – er so widersprüchlich ist. Jungbluth beschreibt ihn als Kapitalisten mit sozialdemokratischen Idealen.
Roger Hausmann
> Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs von Rüdiger Jungbluth; Campus Verlag, Frankfurt, 2006, 288 Seiten, 43.70 Franken.
Dieser Erfolg ist Kamprad nie zu Kopf gestiegen. Obwohl gemäss Forbes nur fünf Menschen reicher sind als er, benimmt er sich nicht so. Im Gegenteil: Er gilt als bescheiden, sparsam, ja geizig. Darüber hat sich auch schon der Bürgermeister von Epalinges im Waadtland geärgert, wo Kamprad seit vielen Jahren wohnt. Seine kleinbäuerische Kindheit, die irgendwie an Astrid Lindgrens Bullerbü-Idylle erinnert, prägte den heute 80-jährigen Milliardär. Das ist für Rüdiger Jungbluth einer der Gründe, warum Kamprad mit Ikea so erfolgreich war und ist.
Analyse statt BiografieRüdiger Jungbluth hat mehr als nur eine weitere Biografie von Ingvar Kamprad geschrieben. In «Die 11 Geheimnisse des Ikea-Erfolgs» versucht er zu analysieren, warum Ikea nicht nur ein ausserordentliches, sondern vor allem ein ausserordentlich erfolgreiches Möbelhaus ist. Das gelingt ihm, weil er als Wirtschaftsjournalist sowohl mit Worten als auch mit Zahlen umgehen kann und etwas von Marketing versteht. Trotzdem lüftet er in seinem Buch keine wirklichen Geheimnisse – nicht, weil er es nicht kann, nein, weil es keine gibt.
Die Faktoren, die zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen, Marken oder Firmen entscheiden, sind immer dieselben.
Und doch ist bei dem verrückten Möbelhaus aus Schweden etwas anders: Weltweit ist keine Marke dermassen stark mit dem Menschen dahinter verknüpft. Ikea ist Ingvar Kamprad, Ingvar Kamprad ist Ikea. Das ist, was andere von Kamprad lernen können. Der Mann ist glaubwürdig, obwohl – oder gerade weil – er so widersprüchlich ist. Jungbluth beschreibt ihn als Kapitalisten mit sozialdemokratischen Idealen.
Roger Hausmann
> Die 11 Geheimnisse des IKEA-Erfolgs von Rüdiger Jungbluth; Campus Verlag, Frankfurt, 2006, 288 Seiten, 43.70 Franken.
