Zu guter Letzt: Schönheit liegt in der Hand der Telefonierenden  

Auch eine Woche nach der Wahl ist die Causa Miss Schweiz noch nicht ganz beigelegt. Die NZZ am Sonntag zog nun eine Studie zur Klärung herbei, weshalb die «Falsche» gewählt wurde.  Schon am Tag der Wahl stand für vi...

Auch eine Woche nach der Wahl ist die Causa Miss Schweiz noch nicht ganz beigelegt. Die NZZ am Sonntag zog nun eine Studie zur Klärung herbei, weshalb die «Falsche» gewählt wurde.
 
Schon am Tag der Wahl stand für viele fest: Nicht die nette Christa Rigozzi mit der grossen Nase hätte gewinnen sollen, sondern impulsive Xenia Tchoumitcheva mit den dicken Lippen. Seit jenem schicksalhaften Wahlsamstagabend rätselt und debattiert man in den Spalten und auf Kanälen des Landes, wie denn dies zu erklären sei. Die NZZ am Sonntag griff bei ihrem Erklärungsansatz auf eine Studie des Institutes für Demoskopie Allenbach zurück. Deren Erhebungen zeigen nämlich, dass vor allem ältere und bildungsniederige Frauen zum Telefon greifen, wenn es darum geht, per Televoting den Wettkönig oder eben die Schönste im Land zu küren. Das war bei den 167’000 Menschen, die an der Wahl zur Miss Schweiz telefonisch abgestimmt haben wohl nicht anders.
 
Nun sind aber entgegen anders lautenden Gerüchten nicht nur Männer, sondern auch Frauen manchmal sehr einfache Wesen. Tchoumitcheva verkörpert alles, was Männer wollen und deshalb auch alles, was Frauen an Frauen hassen: Sie ist jung, prall, single und mit einem fast unverschämten Sexappeal ausgestattet. Die Durchschnittsfrau wittert da sofort Gefahr, nein, eine solch offensiv sexy Frau darf einfach nicht gewinnen. Und so ist die Misswahl unversehends zum Geschlechterkampf mutiert. Dass die Miss-Schweiz-Organisation die Zweitplatzierte ebenfalls unter Vertrag nahm, trug nicht zur Beruhigung der Situation bei – in den Diskussionsforen türmen sich die Fragen: «Will man eine Miss für die Frauen? Und eine für die Männer? Droht gar ein Schisma?» Antworten gibt es erst nächstes Jahr.

More articles on the topic