Drei Rogers, drei Vorbilder
Gastkommentar Schawinski, de Weck, Köppel: Urs Gossweiler meint, der Roger gehört an den Verlegertisch.
Gastkommentar Schawinski, de Weck, Köppel: Urs Gossweiler meint, der Roger gehört an den Verlegertisch.
Die Jahrestagung 2006 der Schweizer Presse in St. Moritz gehört der Vergangenheit an. Hanspeter Danuser, der grossartige Gastgeber, hat Recht: Es herrscht tatsächlich Champagnerklima im nobelsten Bergdorf der Welt. Stars an dieser Tagung waren jedoch nicht die Schaumweine Frankreichs, sondern drei Rogers aus der Schweiz, die in Deutschland tätig sind. Einer dieser drei Musketiere ist Roger Schawinski, der über seine Tätigkeit bei Sat1, der zweitgrössten Privatfernsehstation im zweitgrössten Fernsehmarkt der Welt ein erstes Fazit zog. Er tat dies mit soviel inhaltlicher Substanz, dass man nur noch staunen konnte. Auf Wunsch des Moderators Norbert Neininger analysierte Schawinski das Wirken eines weiteren Rogers in Deutschland, jenes von Roger de Weck. Dieser habe bei der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit die Voraussetzung für den jetzigen Erfolg von Giovanni di Lorenzo geschaffen.
Erstaunlich an dieser Aussage sind zwei Dinge: Erstens die Tatsache, dass ein Schweizer Medienschaffender einen anderen Schweizer Medienschaffenden positiv würdigt. Zweitens die grosse Unabhängigkeit von Schawinski. Es gibt nicht viele in Deutschland, die den Mut hätten, Holtzbrincks Starpublizist di Lorenzo (Die Zeit, Der Tagesspiegel) als Nutzniesser seines Vorgängers zu bezeichnen.
Roger Schawinski hätte in der Schweiz und insbesondere in der Medienstadt Zürich schon lange ein Denkmal verdient. Er brach das SRG-Monopol bei Radio und Fernsehen (beides wird heute mit dem neuen RTVG eher wieder rückgängig gemacht) und half Tamedia, zum Multimediaplayer im Grossraum Zürich zu werden. Und dann waren alle überzeugt, dass er in Berlin scheitern würde. Der Zürcher überrascht jedoch alle, indem er seinen neuen Job nicht nur gut, sondern hervorragend erledigt. Trotzdem reicht es immer noch nicht, beim Galadinner an den Präsidententisch geladen zu werden.
Podiumsteilnehmer Roger Köppel schliesslich gehört bald zu den ganz wenigen Chefredaktoren, die gleichzeitig Mehrheitseigner sind. Hoffe sehr, dass er mit seiner Weltwoche Mitglied des Verbandes Schweizer Presse wird. Lebrument, der als Präsident wegen seiner liberalen Haltung bei der indirekten Presseförderung von den Zürcher Verlegerkollegen zurückgepfiffen wurde, sollte Köppel so schnell als möglich ins Präsidium holen und ihn dort als seinen Nachfolger aufbauen. Damit könnte die notwendige Wende weg vom Service public (sprich Subventionsbezug) hin zum freien Wettbewerb gelingen.
Urs Gossweiler ist Verleger der Jungfrauzeitung und Erfinder des Mikrokosmos
Die Jahrestagung 2006 der Schweizer Presse in St. Moritz gehört der Vergangenheit an. Hanspeter Danuser, der grossartige Gastgeber, hat Recht: Es herrscht tatsächlich Champagnerklima im nobelsten Bergdorf der Welt. Stars an dieser Tagung waren jedoch nicht die Schaumweine Frankreichs, sondern drei Rogers aus der Schweiz, die in Deutschland tätig sind. Einer dieser drei Musketiere ist Roger Schawinski, der über seine Tätigkeit bei Sat1, der zweitgrössten Privatfernsehstation im zweitgrössten Fernsehmarkt der Welt ein erstes Fazit zog. Er tat dies mit soviel inhaltlicher Substanz, dass man nur noch staunen konnte. Auf Wunsch des Moderators Norbert Neininger analysierte Schawinski das Wirken eines weiteren Rogers in Deutschland, jenes von Roger de Weck. Dieser habe bei der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit die Voraussetzung für den jetzigen Erfolg von Giovanni di Lorenzo geschaffen.
Erstaunlich an dieser Aussage sind zwei Dinge: Erstens die Tatsache, dass ein Schweizer Medienschaffender einen anderen Schweizer Medienschaffenden positiv würdigt. Zweitens die grosse Unabhängigkeit von Schawinski. Es gibt nicht viele in Deutschland, die den Mut hätten, Holtzbrincks Starpublizist di Lorenzo (Die Zeit, Der Tagesspiegel) als Nutzniesser seines Vorgängers zu bezeichnen.
Roger Schawinski hätte in der Schweiz und insbesondere in der Medienstadt Zürich schon lange ein Denkmal verdient. Er brach das SRG-Monopol bei Radio und Fernsehen (beides wird heute mit dem neuen RTVG eher wieder rückgängig gemacht) und half Tamedia, zum Multimediaplayer im Grossraum Zürich zu werden. Und dann waren alle überzeugt, dass er in Berlin scheitern würde. Der Zürcher überrascht jedoch alle, indem er seinen neuen Job nicht nur gut, sondern hervorragend erledigt. Trotzdem reicht es immer noch nicht, beim Galadinner an den Präsidententisch geladen zu werden.
Podiumsteilnehmer Roger Köppel schliesslich gehört bald zu den ganz wenigen Chefredaktoren, die gleichzeitig Mehrheitseigner sind. Hoffe sehr, dass er mit seiner Weltwoche Mitglied des Verbandes Schweizer Presse wird. Lebrument, der als Präsident wegen seiner liberalen Haltung bei der indirekten Presseförderung von den Zürcher Verlegerkollegen zurückgepfiffen wurde, sollte Köppel so schnell als möglich ins Präsidium holen und ihn dort als seinen Nachfolger aufbauen. Damit könnte die notwendige Wende weg vom Service public (sprich Subventionsbezug) hin zum freien Wettbewerb gelingen.
Urs Gossweiler ist Verleger der Jungfrauzeitung und Erfinder des Mikrokosmos
