Internetblase?

René Worni über die schöne neue Medienwelt.

René Worni über die schöne neue Medienwelt.Was ist von der digitalen Revolution zu halten? Wo führt der Trend zur Individualisierung der Mediennutzung hin? Was bewirkt die allumfassende Dominanz des Internets, was die wachsende Medienkonvergenz? Wie wird sich der Medienkonsum dadurch verändern? Wie schnell wird die technologische Entwicklung voranschreiten? Wie lässt sie sich kommerziell nutzen? Die Frage, wie sich Medien in den nächsten zwei, fünf oder zehn Jahren entwickeln werden, ist mit einem Berg von Fragezeichen versehen. Die Antworten liegen ausschliesslich in der Zukunft. Man spricht höchstens von Entwicklungstendenzen, die für beschränkte und immer kürzer werdende Zeiträume gelten. Keiner weiss, wies kommt.
Zur schönen neuen Medienwelt gehört, dass die Branche ihre tiefe Verunsicherung im eigenen Scheinwerferlicht locker zu überspielen weiss und auf die Unschärfe von Prognosen, Einschätzungen und Bewertungen erstaunlich biegsam zu reagieren gelernt hat. Sie gab sich jüngst in München an den zwanzigsten Medientagen – uniform in Schwarz gekleidet – ein Stelldichein.
Ein paar Fakten formen sich dennoch zu einem unstabilen Gerüst im Durcheinander der Silhouetten vor den überall flimmernden Flachbildschirmen. So soll der Medienkonsum in den kommenden zehn Jahren durch das Aufkommen neuer Medien – praktisch ausschliesslich auf Bildschirmen – auf täglich acht Stunden anwachsen.
Die digitalen Medien haben dann einen Marktanteil von 40 Prozent, und Fernsehen, das gelobte Medium der Zukunft, wird noch 50 Prozent halten. Den Rest teilen sich Radio und die Printmedien, die den Rückgang am einschneidendsten verspüren.
Der Inhalt – in den letzten drei Jahren noch die dominierende Kraft – soll sich mehr und mehr dem Verlauf der  technologischen Entwicklung anpassen, die rasant an Bedeutung gewinnt. Es ist nicht einmal nötig, dass die Medien dies verstehen, denn die brauchen sich bloss noch in die Netze einzukaufen.
Doch was wird, wenn die Konsumenten nicht als breite Masse auf den fahrenden Zug aufspringen wollen? Er habe noch nie Radio gehört am PC, meinte Verleger Hubert Burda skeptisch. Vieles erinnert heute mehr und mehr an einen bereits einmal geplatzten Traum, der sich nicht finanzieren liess.
René Worni, Redaktor

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