20 Jahre Schillingreport: Mehr Frauen in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten

Seit zwei Jahrzehnten analysiert der Schillingreport die Zusammensetzung der Führungsgremien der grössten Schweizer Unternehmen. Der aktuelle Bericht zeigt: Der Frauenanteil hat sich deutlich erhöht, bleibt aber im internationalen Vergleich tief.

(Grafiken: zVg.)

Die Führungsetagen der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber sind heute diverser als vor 20 Jahren. Während 2006 noch keine Geschäftsleitung einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent hatte, ist das mittlerweile bei 31 Unternehmen der Fall. Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen stieg von 4 Prozent im Jahr 2006 auf aktuell 22 Prozent. In den Verwaltungsräten erhöhte er sich seit 2010 von 10 auf 33 Prozent. «Wir sind auf gutem Weg», sagt Herausgeber Guido Schilling, «dennoch gehören wir im Vergleich mit der EU noch immer zu den Schlusslichtern.»

Verwaltungsräte: Mehr Frauen, veränderte Kompetenzprofile

Die Verteilung der Verwaltungsratssitze veränderte sich in den letzten Jahren stetig. Unternehmen besetzten zwischen 37 und 48 Prozent der vakanten Sitze mit Frauen, was zu einer höheren Durchmischung führte. Heute verfügen 62 Prozent der Unternehmen über einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent im Verwaltungsrat – 2010 waren es nur 2 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Unternehmen ohne Frauen im Verwaltungsrat von 44 auf 3 Prozent.

Auch das Anforderungsprofil für Verwaltungsratspräsident:innen hat sich verändert. Der Anteil an Personen mit einem Hintergrund in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) stieg in den letzten zehn Jahren von 22 auf 34 Prozent. Die Zahl der juristisch ausgebildeten Präsident:innen sank von 27 auf 15 Prozent, während der Anteil an Ökonom:innen von 33 auf 41 Prozent anstieg. Die Unternehmen setzen stärker auf wirtschaftliches und technologisches Know-how, um Herausforderungen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz besser zu bewältigen.

Geschäftsleitungen: Langsame Entwicklung mit Katalysatoreffekt

Der Wandel in den Geschäftsleitungen verlief langsamer. Erst 2023 wurde mit 20 Prozent der vom Aktienrecht vorgegebene Geschlechterrichtwert erreicht, heute liegt der Frauenanteil bei 22 Prozent. «Die Sensibilisierung dauerte 15 Jahre», sagt Schilling, «ein echter Katalysatoreffekt stellte sich erst ein, als Unternehmen zwei oder mehr Frauen in der Geschäftsleitung hatten.»

Auch in Schlüsselfunktionen zeigt sich eine Veränderung: 2006 gab es nur zwei weibliche CEOs und zwei weibliche CFOs, heute sind es zwölf beziehungsweise 16. Schilling geht davon aus, dass Unternehmen mit einer höheren Frauenquote langfristig im «War for Talents» besser positioniert sein werden.

Frauenanteil steigt auch unterhalb der Geschäftsleitung

Seit 2016 erfasst der Schillingreport den Frauenanteil unterhalb der Geschäftsleitungsebene. Die Daten zeigen, ob genügend weibliches Führungspotenzial für Geschäftsleitungspositionen vorhanden ist. In den letzten zehn Jahren stieg der Frauenanteil im Middle Management von 22 auf 28 Prozent, im Topmanagement von 14 auf 21 Prozent. «Diese Verbreiterung der Gender-Diversity-Pipeline ist entscheidend für eine nachhaltige Durchmischung auf allen Führungsebenen», so Schilling.

Internationalisierung und öffentlicher Sektor als Treiber

Parallel zur Geschlechterentwicklung wurde die Geschäftsleitung internationaler. Der Anteil an Mitgliedern ohne Schweizer Pass liegt heute bei 49 Prozent, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Besonders nach der Corona-Krise habe sich die Attraktivität der Schweiz für ausländische Führungskräfte erhöht. 63 Prozent der neu ernannten Geschäftsleitungsmitglieder haben keinen Schweizer Pass.

Auch der öffentliche Sektor verzeichnet Fortschritte: In der Bundesverwaltung stieg der Frauenanteil im Topkader von 17 Prozent im Jahr 2016 auf heute 42 Prozent. Laut Schilling zeigt der Bund, dass vorgegebene Quoten nicht nur festgelegt, sondern auch erfolgreich umgesetzt werden können.

SMI-Unternehmen als Vorreiter

Die Unternehmen im Swiss Market Index (SMI) erreichten bereits 2022 den Geschlechterrichtwert von 30 Prozent im Verwaltungsrat und 20 Prozent in der Geschäftsleitung. Heute liegt der Frauenanteil in den SMI-Geschäftsleitungen bei 28 Prozent – deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 22 Prozent. Während der deutsche DAX-Index 2016 mit einem Frauenanteil von 9 Prozent noch vor dem SMI (6 Prozent) lag, hat der SMI mittlerweile mit 28 gegenüber 25 Prozent die Führung übernommen.


Der vollständige Schillingreport 2025 erscheint im Mai und ist in Deutsch, Französisch und Englisch unter Schillingreport.ch abrufbar.

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