AGF Jahresbilanz: Das deutsche Fernsehjahr in Zahlen

Zum Jahresbeginn zieht die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung Bilanz zum TV-Jahr 2024 in Deutschland. Und stellt fest: Das klassische lineare TV punktet immer noch mit hohen Nutzungsanteilen und Reichweiten.

Bild: Erik Mclean; Unsplash.

Das Jahr 2024 setzte einen neuen Maßstab in der Bewertung der linearen TV-Nutzung in Deutschland. Mit der Einführung des Marktstandards Bewegtbild zum 01.01.2024 wurden erstmals die Nutzungsdaten des klassischen Fernsehens und des 24/7-Livestreams der Streaming-Plattformen mit 1:1-Entsprechung zum linearen Broadcast in einem gemeinsamen Standard zusammengeführt. Dieser neue TV-Standard spiegelt die sich wandelnden Sehgewohnheiten der Zuschauer wider und ermöglicht eine umfassendere Analyse des TV-Konsums, auch über die unter AGF-Messung stehenden Streaming-Plattformen. Im Gegensatz des bis zum Ende 2023 geltenden Marktstandard TV basiert der Bewegtbildstandard auf einer erweiterten Grundgesamtheit und integriert auch diejenigen Haushalte, die kein TV-Gerät besitzen, dafür aber ein Endgerät, das die Videonutzung ermöglicht.

171 Minuten täglich

Aufgrund der unterschiedlichen Grundgesamtheitsdefinitionen und Leistungszurechnungen sind direkte Vorjahresvergleiche der beiden Standards nicht zielführend und bedürfen einer Überleitung. Im führenden Marktstandard Bewegtbild haben im Jahr 2024 täglich 58,9 Prozent der Zuschauenden ab 3 Jahre, bzw. 46,086 Mio. für unterschiedlichste Formate der Programmanbieter eingeschaltet. Betrachtet man nur die Personen in TV-Haushalten (Marktstandard TV), liegt dieser Wert für das Jahr 2024 bei 61,4 Prozent, so dass bei der Wahl der gleichen Grundgesamtheit für das Jahr 2024 gegenüber 2023 (61,5%) nur ein minimaler Rückgang um 0,1 Prozentpunkte festzustellen ist.

Die tägliche TV-Nutzung lag 2024 bei den Personen ab 3 Jahren im Bewegtbildstandard bei durchschnittlich 171 Minuten, im Marktstandard TV bei 176 Minuten, so dass sich gegenüber dem Vorjahr (182 Min.) auf gleicher Basis ein Rückgang von 6 Minuten für das Gesamtpublikum ergibt. Bei den 14- bis 49-Jährigen zeigt sich im Marktstandard Bewegtbild eine durchschnittliche Sehdauer von 79 Minuten, für den Marktstandard TV lassen sich 83 Minuten ermitteln (2023: 87 Min.). Die Werte liegen damit zwar jeweils niedriger als im Vorjahr, aber die Wahl der Grundgesamtheit zeigt einen deutlichen methodischen Effekt, der nicht mit einem Markteffekt gleichzusetzen ist.

«Der Bewegtbildmarkt hat sich auch 2024 sehr dynamisch weiterentwickelt und eine Vielzahl neuer Angebote hervorgebracht. Trotz des medialen Überangebots und der weiter voranschreitenden Fragmentierung können für klassisch lineares TV immer noch stattliche Nutzungsanteile und Reichweiten erzielt werden. Das Jahr 2024 war ein fulminantes Sportjahr, das daneben von politischen Veränderungen und wirtschaftlichen Herausforderungen im In- und Ausland geprägt war. Die Relevanz dieser Ereignisse spiegelt sich deutlich im
Zuschauerinteresse wider,» erläutert Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsforschung der AGF Videoforschung.

Aufwärtstrend beim Streaming

Das Jahr 2024 bestätigte im Allgemeinen auch den kontinuierlichen Aufwärtstrend der unter AGF-Messung stehenden Streaming-Angebote. Während lineares Fernsehen trotz leicht abnehmender Nutzung weiterhin eine starke Rolle in der Medienlandschaft behält, zeigt sich die wachsende Bedeutung von Streaming-Angeboten in den veränderten Nutzungsgewohnheiten der Zuschauenden. Im vergangenen Jahr hatten insgesamt 67,727 Mio. Zuschauer mindestens einmal Kontakt mit einem Streaming-Angebot der unter aktiver AGF-Messung stehenden Publisher. Dies entspricht einen Anteil von 86,5 Prozent und bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 5,2 Prozent. Auch die durchschnittliche Sehdauer stieg um 36,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lag 2024 bei durchschnittlich 7 Minuten pro Tag (2023: 5 Minuten). Bei den 14- bis 49-Jährigen konnte sich die durchschnittliche Sehdauer von 5 auf 8 Minuten steigern, was einem Anstieg von 51,6 Prozent entspricht.

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