«Junge Menschen wollen Nachrichten – aber anders»

Radio Big FM und Radio4TNG zeigen auf dem Swiss Radio Day 2024, wie Nachrichten für die junge Generation aufbereitet werden müssen, um relevant zu bleiben. Ihre Ansätze: Mehr Authentizität, mehr Interaktion und der Mut, neue Wege zu gehen.

Engagiert auf der Bühne im Kaufleuten am Swiss Radio Day 2024: Till Simoleit, Chef von Radio Big FM, Phoebe Lüscher, Co-Programmleiterin von Radio4TNG und Sarah Kailuweit, Programmleiterin bei Radio Big FM. (Bilder: Swiss Radio Day, Beat Hürlimann)

Der Swiss Radio Day 2024, das größte Branchentreffen der Schweizer Radioindustrie, bot eine Plattform für die Radiomacher von heute und morgen, um über die Zukunft des Mediums zu diskutieren. Besonders im Rampenlicht standen Till Simoleit und Sarah Kailuweit von Radio Big FM sowie Phoebe Lüscher von Radio4TNG. Sie sprachen über ihre Ansätze, wie Nachrichten so aufbereitet werden können, dass sie für junge Menschen wieder relevant werden.

Big FM: Nachrichten für die Generation Social Media

Till Simoleit, Programmleiter bei Radio Big FM, sprach über die Herausforderungen, junge Zielgruppen mit Nachrichten zu erreichen. «Die junge Generation wacht heute nicht mehr mit einem Radiogerät auf, sondern mit ihrem Smartphone. Sie bekommen ihre Nachrichten auf Social Media, oft fragmentiert und unzuverlässig,» erklärt Simoleit. Für Big FM bedeutet das, dass Nachrichten anders gedacht werden müssen.

Till Simoleit, Programmleiterbei Radio Big FM (Bild: Swiss Radio Day)

Sarah Kailuweit, News-Chefin bei Big FM, hat deshalb ein neues Konzept entwickelt: «Wir starten jede Stunde mit einem Trendausblick aus den sozialen Medien. Kurze, prägnante Infos, die in 8 bis 10 Sekunden erklärt und eingeordnet werden.» Diese neuen Formate sollen zeigen, dass das, was in den sozialen Medien trendet, auch in den Nachrichten einen Platz haben kann.

Kailuweit nennt zwei Beispiele: «Derzeit trendet auf TikTok der Hashtag #AllGirlAesthetics – Clips voller Cosy Content, Rollsocken, Lieblingstee und Wohlfühlserien. Das scheint belanglos, aber es reflektiert die Lebensrealität vieler junger Menschen.» Sie erklärt weiter: «Das zweite Beispiel zeigt, dass selbst politisch aufgeladene Inhalte schnell kursieren. Online verbreitete sich ein manipuliertes Foto, das US-Politikerin Kamala Harris in einem falschen Kontext zeigte. Solche Meldungen greifen wir auf, um unser junges Publikum über die Entstehung und Verbreitung von Fake News aufzuklären und zu zeigen, dass wir mit ihnen auf derselben Augenhöhe sind.»

Nach den Social-Trends folgen kurze Weltnachrichten und ein thematischer Abschluss, der sich auf aktuelle Cluster-Themen wie Klima, Musik oder Tech News fokussiert. «Das Ziel ist, Nachrichten so zu gestalten, dass sie für junge Menschen relevant und leicht zugänglich sind,» sagt Kailuweit. Die neue Nachrichtenstruktur wurde im Team anfangs kritisch gesehen, doch inzwischen sind alle überzeugt: «Wir erreichen unsere Zielgruppe, weil wir mit ihnen und nicht über sie sprechen,» ergänzt Simoleit.

Radio4TNG: Authentizität vor Perfektion

Phoebe Lüscher von Radio4TNG, einem nicht-kommerziellen Jugendradio aus der Schweiz, vertritt einen ähnlichen Ansatz, setzt aber besonders auf Authentizität. «Wir müssen so sprechen, wie wir es im Alltag tun. Wenn mal ein ‚Scheisse‘ rausrückt, dann ist es eben so,» erklärt Lüscher im Interview. Für sie ist es wichtig, dass Radiomacher nah an der Lebenswelt ihrer jungen Hörerinnen und Hörer bleiben. Themen wie Sex, Drogen oder mentale Gesundheit dürfen nicht ausgeklammert werden, denn sie sind Teil der Realität der Zielgruppe. Sehen und hören Sie im Interview, was Phoebe Lüscher sonst noch zu sagen hat.

Phoebe Lüscher ist Co-Programmleiterin von Radio4TNG (Bild: Swiss Radio Day)

Lüscher betont, dass Radio4TNG es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Stimme der jungen Generation zu sein. «Wir sprechen über alles, was die Jugend bewegt, ohne Tabus und auf Augenhöhe,» sagt sie. Ihr Ziel ist es, den jungen Leuten eine Plattform zu bieten, auf der sie sich wiederfinden können – und das ohne den Druck, perfekt sein zu müssen. «Wir senden Inhalte, die die Jugendlichen interessieren, und tun das in einem authentischen Stil, der ihrer Sprache entspricht,» so Lüscher.

Fazit: Die Radiobranche muss mutiger werden

Die Auftritte von Sarah Kailuweit, Till Simoleit und Phoebe Lüscher auf dem Swiss Radio Day zeigen, dass die Zukunft des Radios in neuen Ansätzen liegt. Es geht darum, mutig zu sein, Formate zu überdenken und die Lebenswelten der jungen Generation zu verstehen. Big FM und Radio4TNG zeigen, dass es möglich ist, junge Menschen mit Nachrichten zu erreichen – wenn man bereit ist, sich den veränderten Hörgewohnheiten anzupassen.

 

 

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