Zu guter Letzt: Bescheiden gebildete Journalisten sind Schafe, die Wirtschaft der Hirt

Beim Privatrundfunk würden hauptsächlich ausbildungstechnisch und finanziell minderbemittelte Journalisten wüten - von Qualitätssicherung keine Spur. Aus wichtigen Zusammenhängen herausgerissen lösen die Ergebnisse zweier Studien einen Sturm in der Schweizer Medienlandschaft aus.

Beim Privatrundfunk würden hauptsächlich ausbildungstechnisch und finanziell minderbemittelte Journalisten wüten – von Qualitätssicherung keine Spur. Aus wichtigen Zusammenhängen herausgerissen lösen die Ergebnisse zweier Studien einen Sturm in der Schweizer Medienlandschaft aus.
Die Ergebnisse zweier vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) verordneten Studien sind niederschmetternd. Seit Herbst 2006 wurden Medienschaffende und Qualitätssicherung in Privatradios und Privatfernsehen unter die Lupe genommen. Laut einer Mitteilung des BAKOM kommt einerseits die Uni Zürich zum Schluss, Privatrundfunk-Journalisten seien jung, beruflich unerfahren und schlecht entlöhnt, sie würden ein verhältnismässig tiefes Bildungsniveau vorweisen und seien berufsspezifisch schlecht ausgebildet. Andererseits behauptet die Winterthurer Fachhochschule, Qualitätssicherungs-Instrumente seien zwar vorhanden, würden aber nicht gross angewendet. Zudem sei eine geringe Sensibilität für die Möglichkeit der Profilierung über Qualität auszumachen und eine starke Orientierung an betriebswirtschaftlichen Anliegen und Empfängerinteresse sorge für einen diffusen Qualitätsbegriff.
Das BAKOM will sich auf die Ergebnisse stützen, um die Leistungsaufträge für die Neuverteilung der Privatrundfunk-Konzessionen umzuformulieren. Die Reaktionen seitens der Medien lassen nicht auf sich warten. Gemäss dem Verband Schweizer Privatradios (VSP) sei die Datenerhebung methodisch fragwürdig und die Ergebnisse wenig aussagekräftig. Ausserdem macht die Gazette in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass nur die Produktionsstruktur und die Arbeitsbedingungen untersucht wurden. Das eigentliche Programm der Rundfunksender sei absolut nicht erfasst worden.
Tatsache ist: Seit eh und je bilden Regionalsender junge Journalisten aus, welche «grössere» Ziele haben. Die wenigsten begnügen sich mit einer Karriere beim Hinterwäldler-Stadtblatt. Die Mehrheit ist aber froh, wenn ein regionaler Sender den Einstieg ermöglicht. Medien können nicht aus dem wirtschaftlichen Zusammenhang betrachtet werden und müssen wie bei klassischen Unternehmen auf billigere, unerfahrene aber doch gescheite und lernwillige Arbeitskräfte setzen. Das Resultat lässt sich sehen, denn die Medienvielfalt, wie wir sie kennen, wäre ohne unvoreingenommene, kreative Einsteiger nicht denkbar. Generation Praktikum, ahoi!

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