Die fantastischen Vier

Normalerweise werden in dieser Rubrik gestandene Werber und Kommunikatoren «geköpft» – wie wir in der Redaktion augenzwinkernd sagen. Heute richten wir die Kamera auf den Nachwuchs und machen Sie mit den vier jungen Kreativen bekannt, die die Schweiz beim Kreativwettbewerb Best Yet 2010 in Leuven vertreten haben.

«Neugierig sein und in allem eine Chance sehen»
Manuel Rohrer, 26, Grafiker bei Contexta in Bern
Manuel Rohrer ist in Bremgarten (AG) geboren. Nach seiner Grafikerlehre bei DDB Bern arbeitete er bei Denon Publizistik in Rapperswil (SG) und Euro RSCG Zürich, bevor er vor zwei Jahren zu Contexta wechselte. Mit seinem Augmented-Reality-Inserat, das aktuell in rund 100 Schweizer Medien geschaltet ist, gewann Rohrer Anfang des Jahres den Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» des Verbandes Schweizer Presse. Einen Geschäftsleitungsparkplatz hat ihm sein Sieg zwar noch nicht eingebracht, dafür aber die Teilnahme beim Best YET 2010 in Leuven. «Zeichnen ist nicht meine Stärke», gibt Rohrer zu.
«Um es zu trainieren, habe ich ein paar Wochen vor dem Wettbewerb immer Bleistift und Skizzenbuch mit mir rumgetragen.» Zwar konnten er und sein Teamkollege Samuel Huber mit ihrer kreativen Stiftführung in Leuven nicht reüssieren – aber da Rohrer in allem eine Chance sieht und fest davon überzeugt ist, dass man immer etwas lernen kann, ist er nicht mit leeren Händen in die Schweiz zurückgekehrt.
Rohrer und Huber kennen sich schon lange. «Neben der Leidenschaft für gute Werbung verbindet uns vor allem die Freude an Bier und Tischfussball», sagt Rohrer. Mit ihrer Liebe zum Gerstensaft waren die beiden in der Brauerstadt Leuven gut aufgehoben. «Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man nie Gefahr läuft, dem Alltagstrott zu verfallen. Ärgerlich finde ich allerdings, wenn man es mit einer Kampagne allen recht machen muss und sie damit austauschbar und langweilig wird», skizziert Rohrer das Wohl und Wehe des Grafikerdaseins. Rohrer ist liiert und hat einen knapp eineinhalbjährigen Sohn. Louis ist seine liebste Freizeitbeschäftigung. Zumindest das Spielen mit ihm. Als kleiner Bub wollte Rohrer gleichzeitig Profifussballer und Rennfahrer werden. Konsequent, wie er ist, träumt er auch heute noch von einem Rennen in einem Formel-eins-Wagen.
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«Wo man auch hingeht – dort ist man»
Filip Wolfensberger, 27, Grafiker bei Maxomedia in Bern
Filip Wolfensberger versprach sich von seiner Teilnahme am Best YET 2010 «ein paar Sorten belgisches Bier und eine Trophäe». Seine Hoffnung auf diverse Biersorten hat sich erfüllt, der Plan, die begehrten Karten für Cannes heimzubringen, leider nicht. Doch immerhin schaffte es die Kampagnenidee von Wolfensberger und seinem Teamkollegen Dominic Zach auf die Shortlist der internationalen Jury.
Wolfensberger ist in Basel geboren. Als kleiner Junge wollte er erst Schauspieler, dann Polizist werden und schliesslich noch Bahnhofsvorsteher. Denn er fand die Mütze und die rote Kelle so toll. Heute ist Wolfens-
berger ausgebildeter Gestalter sowie Zeichen- und Werklehrer: 2000 bis 2004 absolvierte er den Vorkurs und den Lehrgang Gestalter an der Schule für Gestaltung Basel. Danach studierte er Lehrberufe für Gestaltung und Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste. «Während dieser Zeit habe ich an diversen Kunstprojekten mitgearbeitet und an etlichen Konzertveranstaltungen musiziert», erzählt der leidenschaftliche Drummer.
Seit zwei Jahren arbeitet Wolfensberger als Grafiker bei Maxomedia. Und ohne Musik geht bei ihm gar nichts. Was ihn mit seinem Teamkollegen Dominic Zach verbindet? «Spass am Kreieren und eine gesunde Portion Selbstironie», sagt Wolfensberger.
Am meisten Spass macht ihm sein Beruf, wenn er genug Entscheidungsfreiheit hat und das Team und das Umfeld stimmen – wie beim Best YET in Leuven. Bei seiner Arbeit schwört Wolfensberger auf Innovation, Austausch und Reduktion. Denn: «Wenn bei Projekten zu viele Ideen unter einen Hut gebracht werden sollen, können sie nicht als treffende Botschaft bestechen.»

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«Wenn ich unten bin, ist unten oben»
Samuel Huber, 27, Student an der Miami Ad School Europe in Hamburg
Sich selbst das Staunen zu bewahren – das ist Samuel Hubers grösster Traum. Dafür braucht er vor allem Durchhaltewillen, Begeisterungsfähigkeit und das Talent zu denken, was andere nicht denken. Noch bis Mitte Juni lernt Huber an der Hamburger Miami Ad School Europe die Kunst des Ideenmachens. Danach erwartet er gespannt, was die Zukunft ihm bringen wird. Denn Hubers liebste (Freizeit-)Beschäftigung ist, «das Leben in seiner Vielseitigkeit zu entdecken».
Huber ist in München geboren und in Bern aufgewachsen. Nach der Schulzeit versuchte er sich an der Handelsschule. Aber: «Schon nach wenigen Wochen war mir klar, dass Buchhaltung und Kopiermaschine nicht zu meinen Tagträumereien passten. Ich wollte Grafiker werden.» Huber jobbte als Pizzakurier, bis 2002 in Basel der Vorkurs begann. Seine Grafikerlehre absolvierte er bei Erdmannpeisker in Biel, danach arbeitete er anderthalb Jahre bei Euro RSCG Zürich. Seit Sommer 2008 studiert Huber Art Direction an der Miami Ad School: «Als Teil meiner Ausbildung hatte ich die letzten neun Monate die Möglichkeit, Städte zu bereisen und diverse Agenturen kennen zu lernen», erzählt er. «Ich war bei Ogilvy in Paris, bei Lowe in New York und bei Saatchi & Saatchi in Stockholm.» Und jetzt noch in Leuven. Beim Best YET 2010 dabei gewesen zu sein bedeutet Huber viel: «Die Schweiz ist ein Stück Heimat für mich. Sie hat mir viele Chancen geboten und manche Sünden verziehen. Ich habe sie gerne vertreten.» Huber reiste gut vorbereitet nach Belgien: «Seit zwei Jahren schlage ich mich intensiv mit Konzepten und Ideen herum. Vorbereitung genug, um zum gegebenen Augenblick intuitiv das Richtige zu machen.»
An seinem Beruf liebt Huber das Spielerische. Und er hasst es, wenn er zwanghaft kreativ sein muss. Das heisst aber nicht, dass er sich nicht gerne durchbeisst: «Am meisten Spass macht es mir, Konzepte zu erstellen und Ideen zu suchen, mich immer weiter zu pushen, um einzigartige Resultate zu erlangen.» Das passt zu Hubers Lebensmotto: Er ist immer oben. Und wenn er unten ist, ist unten oben. Manchmal schadet es nicht, die Welt von der anderen Seite zu sehen.

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«Ich hasse Kompromisse»
Dominic Zach, 27, Vorbereitung auf die Selbstständigkeit
Shaolin Kung-Fu ist Dominic Zachs liebstes Hobby. Auch im Beruf geht Zach gern geradeaus: «Jeder Kompromiss, der die Vision so verwässert, dass das Endprodukt noch höchstens mittelmässig und langweilig ist, ist ein Misserfolg», sagt er. «Ich hasse diese elenden Kompromisse.» Schon als Bub träumte Zach davon, Assistent von Michael Knight oder Ninja-Kämpfer zu werden. Die kämpferische Natur hat er sich bis heute erhalten.
Von der Teilnahme beim Best YET versprach Zach sich schlicht: «Den Sieg.» Dafür hat es leider nicht gereicht. Doch da es Zach vor allem am Herzen liegt, in seinem Beruf Spass zu haben, hat sich sein Besuch in Leuven allemal gelohnt: «Ich geniesse es immer, wenn ich die Möglichkeit habe, die Leute zu unterhalten und eigene Ideen einzubringen.»
Zach ist in Wengi bei Büren geboren. An der Universität Fribourg studierte er Medienwissenschaften und schlitterte dann durch einen Wettbewerb um ein Praktikum bei Maxomedia in die Werbebranche. Von Februar 2008 bis April 2010 arbeitete Zach in der Berner Agentur als Konzepter, Producer und Digitaler Berater. Nun plant er, sich im Online-Bereich selbstständig zu machen.
In Leuven trat Zach zusammen mit Filip Wolfensberger an. «Filip und ich haben Seite an Seite bei Maxomedia gedient und verschiedene werberische Feldzüge geplant und durchgeführt», erzählt Zach. Das schweisst zusammen.
Zachs Vorbild ist eine Mischung aus Spongebob, Super Mario, Jerry Seinfeld und Gary Larson. Was die Frage aufwirft, was ein abenteuerlustiger Schwamm, ein italienischer Klempner aus einem Videospiel, ein Schauspieler und Comedian und ein Cartoonist gemeinsam haben. Im Mindesten das Talent, die Welt nicht allzu ernst zu nehmen und ihr mit einer Prise Ironie zu begegnen. Humor und ein entspannter Umgang mit den Serpentinen des Lebens haben sich noch immer als gute Berater bewährt.

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Anne-Friederike Wilhelm

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