Zu guter Letzt: Durch die Blume gesagt
Wenn man etwas buchstäblich durch die Blume an die Öffentlichkeit gelangen lassen will, muss man sich in Geduld üben. Nicht nur, weil das Grünzeug zuerst einmal wachsen muss, sondern weil das geliebte Vaterland an akuter Bewusstseinsspaltung leidet.
Wenn man etwas buchstäblich durch die Blume an die Öffentlichkeit gelangen lassen will, muss man sich in Geduld üben. Nicht nur, weil das Grünzeug zuerst einmal wachsen muss, sondern weil das geliebte Vaterland an akuter Bewusstseinsspaltung leidet.Ja! – Nein! – Ich bestehe darauf! – Niemals! Und so geht’s weiter im Kampf um die Bewilligung für Musik nach 22h, zur Schau gestellten Tangas, das Streichen der eigenen Hauswand oder eben die Entfaltung von Knospen zu einem duftenden Werbesujet. Denn, entspringt dem helvetischen Boden ein bisschen Vegetation, greift man zur schweren demokratischen Artillerie: Klagen, Entscheide, Einsprachen, Verfügungen, Aufhebungen, Berufungen… Das Beste daran? Jeder Kanton – und wenn man Glück hat, jede Gemeinde – ist anderer Meinung und kämpft mit Leib und Seele (auch ein Kanton kann personifiziert werden, da er doch bekanntlich einen Geist hat) für seine Lösung, die naturgemäss ganz anders und viel klüger ist als diejenige der Fremden von nebenan.
Uns Schweizer geht’s nun einmal nicht um die Länge. So richtig vergnüglich ist es nur dann, wenn man sich an möglichst vielen Instanzen gerieben hat, zu jedem Mist Stellung genommen hat und das grosse Finale eine halbe Ewigkeit hinausgezögert hat. Das musste auch die Agro-Firma Agrola auf eigene Kosten lernen. Vor fast zwei Jahren besäte sie den Berner Grauholz, woraufhin eine originelle Reklame aus Gras, Getreide, Raps und Blumen aus dem Boden spross. Vor einem Jahr und nach gehörig vielen administrativen Zwischenstufen musste der 320 Meter lange Schriftzug auf einen gerichtlichen Entscheid hin gemäht werden. Nun verlangt SVP-Politiker Rudolf Joder Joder laut der Berner Zeitung eine generelle Zulassung von Feldwerbung. Bei dem von Papiertigern verseuchten verwaltungsrechtlichen Dschungel gedeiht eine nationale Lösung wohl nicht so schnell…
Natalie Favre
Uns Schweizer geht’s nun einmal nicht um die Länge. So richtig vergnüglich ist es nur dann, wenn man sich an möglichst vielen Instanzen gerieben hat, zu jedem Mist Stellung genommen hat und das grosse Finale eine halbe Ewigkeit hinausgezögert hat. Das musste auch die Agro-Firma Agrola auf eigene Kosten lernen. Vor fast zwei Jahren besäte sie den Berner Grauholz, woraufhin eine originelle Reklame aus Gras, Getreide, Raps und Blumen aus dem Boden spross. Vor einem Jahr und nach gehörig vielen administrativen Zwischenstufen musste der 320 Meter lange Schriftzug auf einen gerichtlichen Entscheid hin gemäht werden. Nun verlangt SVP-Politiker Rudolf Joder Joder laut der Berner Zeitung eine generelle Zulassung von Feldwerbung. Bei dem von Papiertigern verseuchten verwaltungsrechtlichen Dschungel gedeiht eine nationale Lösung wohl nicht so schnell…
Natalie Favre
