Zu guter Letzt: Der Knasti, unser Medienstar

Die Medienszene scheint eine neue Bevölkerungsgruppe zu entdecken: Nach der klassischen Zielgruppe der unter 50-Jährigen, nach den Best Agers und nach den Kindern kommen nun Knastinsassen dran.

 Die Medienszene scheint eine neue Bevölkerungsgruppe zu entdecken: Nach der klassischen Zielgruppe der unter 50-Jährigen, nach den Best Agers und nach den Kindern kommen nun Knastinsassen dran. Das Schweizer Fernsehen zeigt ab November eine Doku-Soap mit dem klingenden Titel «Chor auf Bewährung». Darin werden 15 Insassen des Jugendheims Aarburg begleitet, die zusammen mit 15 Schülern der Kanti Zofingen einen Chor bilden. Zeitgleich mit der Ankündigung des SF-Formats erreicht uns ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der ausführlich die rund 70 Knastzeitungen beschreibt, die in Deutschland hinter Gitterstäben produziert werden. Die grösste darunter ist mit einer Auflage von 5’500 Stück ein Blatt namens Lichtblick aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Grösste Resonanz darin finden zwar anscheinend nicht die redaktionellen Inhalte, sondern die Partnerschaftsanzeigen, die beispielsweise so lauten: «33-jähriger Löwe, derzeit im Käfig, sucht wilde Katze zum gemeinsamen Brüllen.» Dennoch werden die Zeitungen von manchen Gefängnisdirektoren als Bedrohung angeschaut, während andere sie als Mittel zur Reintegration schätzen. Auf Resonanz scheint die bis anhin unterschätzte Pressegattung auf jeden Fall zu stossen.
Eine offene Frage bleibt nun, ob jene Politiker mit harter Hand davon profitieren, wenn die Menschen hinter schwedischen Gardinen vermehrt in Presse, Funk und Fernsehen auftauchen. Schliesslich wollen die Zuschauer bestimmt verhindern, dass es mal weniger ihrer Glotzobjekte geben wird – da könnte es ja eine Strategie sein, jene Parteien zu wählen, die jeden Brotdieb ins Gefängnis stecken…

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