Zu guter Letzt: Gratisblätter sorgen für Wirbel

Wer noch immer nicht glaubt, dass sich die Presselandschaft der Schweiz in den letzten Jahren nachhaltig verändert hat, muss wie ein Einsiedler leben. Seit 20 Minuten zur auflagestärksten Zeitung der Schweiz avanciert ist und seine Gewinne und Leserzahlen kontinuierlich steigern konnte, kann sich niemand mehr vor dem Thema drücken.

 Wer noch immer nicht glaubt, dass sich die Presselandschaft der Schweiz in den letzten Jahren nachhaltig verändert hat, muss wie ein Einsiedler leben. Seit 20 Minuten zur auflagenstärksten Zeitung der Schweiz avanciert ist und seine Gewinne und Leserzahlen kontinuierlich steigern konnte, kann sich niemand mehr vor dem Thema drücken. Im Vorfeld der Lancierung der neuen Gratiszeitung .ch ist der Umbruch ganz deutlich zu beobachten: Wie Tamedia, Espace Media und Basler Zeitung am Freitag vor grossem Medienaufgebot verkündeten, wollen die auch die drei grossen Verlagshäuser jetzt plötzlich noch dieses Jahr in aller Windeseile gemeinsam ein neues kostenloses Qualitätsblatt namens News auf den Markt bringen. Trotz aller Offensichtlichkeit, streiten die Verantwortlichen jedoch jede Verbindung zu .ch ab. Ausserdem wird ständig in allen Medien über die Vorbereitungen des neuen Titels um Initiator Sacha Wigdorovits berichtet. Zuletzt meldete der Sonntagsblick unter dem Titel «.chaos», dass die Verteilung der Zeitung in liegenschaftsnahen Ständern – es sollen je nach Quelle zwischen 25’000 und 35’000 sein – erheblich gefährdet sei und auf grossen Widerstand auf Seiten der Immobilienverwaltungen stosse. Anhand eines Falls in Basel, bei dem sich die Immobilienverwaltung der Stadt Basel ohne konkrete Anfrage ausdrücklich gegen das Aufstellen von Ständern aussprach, wurde dort das Vertriebskonzept quasi bereits zum Scheitern verurteilt. «Zitieren Sie mich so: Der Vertriebschef hat so viel zu tun, dass er im Moment keine Interviews geben kann», bittet Logistikleiter Peter Kümmerli und verweist an Verwaltungsrat Wigdorovits. Und der sagt: «Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht! Vieles war ungenau oder übertrieben in dem Artikel. In dem konkreten Fall in Basel ist die Verwaltung aber tatsächlich nicht avisiert worden. Die Angaben haben in unserer Datenbank gefehlt.»
Dass sich, wie dem Artikel zu entnehmen war, über 150 Immobilienbesitzer bei ihm gemeldet haben, um ihm das Aufstellen von Ständern zu untersagen, bestätigte Wigdorovits. Dies sei allerdings in Relation zu den 8500 Liegenschaftsverwaltungen zu sehen, die angegangen worden seien und daher eine sehr geringe Zahl, erklärte er weiter. Mehr war auch dem grossen Mann im Hintergrund nicht zu entlocken. Er verwies auf die auf Dienstag angesetzte Pressekonferenz zur ersten Ausgabe. Die Frage, ob er seine Vertriebsstrategie schon bereut, bleibt daher noch ein Weilchen unbeantwortet.

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