Das Sprachrohr
Manu Wüst will mit der Agentur manu wüst pro motion alte Kontakte in neuen Konstellationen für überraschende Ideen in Bewegung setzen.
Manu Wüst will mit der Agentur manu wüst pro motion alte Kontakte in neuen Konstellationen für überraschende Ideen in Bewegung setzen.
Ihr Geschäftspapier zeigt als Logo einen Trichter. Das Sprachrohr aus der Kreation von WHS wurde 1997 mit einem ADC-Würfel in Bronze ausgezeichnet. Das war im Stil kein schlechter Start. Und bildlich auch ein passender für eine frühere Radiofrau, die sich vor zehn Jahren mit einer «Agentur für Kommunikation» erstmals selbstständig machte.
Seither haben sich viele spannende Arbeiten, Wendungen und Entwicklungen ergeben. Eine davon ist jetzt ein neues Büro an der Zürcher Bederstrasse. Damit ist noch einmal eine grosse Bewegung Richtung «Durchstarten» in die Idee von pro motion gekommen. Zu sehen sind die Arbeiten dieser jüngsten Phase zurzeit quer durch die ganze Stadt. Ein diese Woche vom Stapel gelassenes Jubiläumstram 125 Jahre VBZ sowie die damit verbundene Plakataktion mit VBZ-Passagieren, die von Starfotograf Alberto Venzago porträtiert worden sind, zeigen aber nur das Schlussfeuerwerk einer Jubiläumsfeier, die manu wüst pro motion über mehrere Monate beschäftigt hat. Doch blenden wir zurück.
Manu Wüst, 13 Jahre beim Radio in den verschiedensten Funktionen und davon 6 als Chefin von DRS 3, war eine der ersten Kaderfrauen der SRG. Mit 43 Jahren fand sie sich für diesen Sender zu alt. Aber gleichzeitig fühlte sie sich noch viel zu jung für die Beförderung in einen dieser verdienten Posten auf der Etage «Planung und Koordination». Für Manu Wüst war 1997 die beste Zeit, wo sie noch einmal etwas ganz Neues und Eigenes probieren wollte. Das Sponsoring wurde immer populärer. Und bei solchen Kooperationen und dem Zusammenführen der unterschiedlichsten Partner sah die frisch gebackene Jungunternehmerin auch vielversprechende Möglichkeiten für ihre eigene Firma.
Schon als Chefin von DRS 3 hat Wüst als erste bei einem SRG-Radio viele Konzertrechte aus der Sparte Pop, Jazz und Rock eingekauft. Wie der private Vorreiter Radio 24 in diesem Markt hat sie bei DRS 3 solche Live-Übertragungen ebenfalls mit Sponsoring finanzieren müssen. Dadurch haben sich wertvolle Erfahrungen und spannende Kontakte in den verschiedensten Bereichen angesammelt, die Wüst schliesslich auch mit ihrer neuen Firma nutzen wollte. «Das Radio hat mir eine gute Starthilfe ermöglicht.»
So durfte ihre eigene Firma für DRS 3 auf Mandatsbasis weiterhin Sponsoren akquirieren. In Kooperation mit dem Magazin Facts von Tamedia hat Wüst auf DRS 3 das morgendliche Quiz «Tango» lanciert. Mehrere Jahre lang hat ihre Agentur die Schweizer Familie mit Verlagsleiter Roland Wahrenberger als Sponsor für die Hitparade gewinnen können. In Kooperation mit dem Heft hat sie auch die erste CD-Compilation mit Schweizer Hits produziert sowie verschiedene externe Partys rund um die Institution der Schweizer Hitparade realisiert. «Hinaus zu den Leuten und einen direkten Kontakt mit dem Publikum suchen war schon damals ein wichtiges Ziel für mich», beschreibt Wüst einen heute noch gültigen Schwerpunkt für ihre Kommunikationsarbeit: Stichwort Kundenbindung.
Nahe zu den Leuten wollte sie auch schon früher mit einem Sondertram für die Fachstelle Naturschutz. Zwei Jahre lang hat pro motion damit der Zürcher Bevölkerung gezeigt, was die Fachstelle eigentlich leistet. Im Tram wurden in wechselnden Installationen verschiedene Themen abgehandelt. Dazu gab es alle drei Monate eine Medienkonferenz, bei der auch betroffene Politiker mit einbezogen wurden. Wüst hat für dieses Sondertram nicht nur die Ideen geliefert, sondern auch die Sponsoren vermittelt und die ganze Medienarbeit betreut. «Meine Verbindungen zu verschiedensten Medienleuten aus den vielen Jahren beim Radio machte es schon damals einfacher, auch engagierte Themen in den Medien platzieren zu können.»
Eingestiegen in die Welt der Kommunikation ist Manu Wüst bei der Condorfilms. Nach einem – «typisch Journi» – abgebrochenen Lehrerseminar und Dolmetscherschule ohne Diplom konnte sie sich beim Film bis zur Aufnahmeleiterin entwickeln, bevor es endlich mit ihrem Wunschtraum als Stagiaire beim Radio klappte. In zwei Jahren beim kurz vorher gegründeten DRS 3 lernte sie den Job von der Pike auf. Während den folgenden insgesamt 13 Jahren bei DRS 3 und später auch DRS 1 realisierte Wüst grosse Hintergrundsendungen, arbeitete politisch für das Regionaljournal und wurde schliesslich Produzentin für Begleit-, Alters-, Kinder- und Jugendsendungen, bevor sie 1991 zur Programmleiterin von DRS 3 gewählt wurde.
Nach sieben Jahren Selbstständigkeit mit ihrer Agentur hat sich Manu Wüst später noch einmal anstellen lassen. In der Kommunikationsabteilung von Unicef Schweiz hat sie 2003 die Zürcher Unicef-Night organisiert und neben «Kinderstimmen aus aller Welt» viele Promis von Moritz Leuenberger bis «Star Wars»-Legende Christopher Lee für die Zürcher Gala begeistert.
Nach 18 Monaten wechselte Wüst als Leiterin der Unternehmenskommunikation zur VBZ, dann 2005 erstmals in den Printjournalismus in die Redaktion des Tages-Anzeigers. Beim Pilotprojekt für die Regionalausgaben wirkte sie «wieder einmal als ganz gewöhnliche Journalistin» in der Redaktion für das linke Seeufer. Dann schien in diesem Frühling – zehn Jahre nach dem ersten Schritt in die Selbstständigkeit – die Zeit noch einmal reif für manu wüst pro motion. «Ich spürte, dass ich wieder etwas mehr Abwechslung haben muss.»
Ihre Neuauflage von manu wüst pro motion soll nun weder ein PR-Büro noch eine Eventagentur sein. Manu Wüst bezeichnet sich als «extrem vielseitig». Mit ihrer Arbeit will sie verschiedenste Facetten ihres Könnens und ihrer Interessen verbinden. «Ideen aushecken, Konzepte erarbeiten, Projekte leiten, Leute verbinden, Medien kontaktieren.» Dabei organisiert sie auch gerne – und zwar «am liebsten», was sie auch selber ausgedacht hat.
Zu den anstehenden Aufgaben gehört ein Mandat für den Zoo Zürich. Diesen soll manu wüst pro motion auch für die erwarteten Touristen während der kommenden Fussball-Euro bekannt machen. Mit dem neuen Beobachter-Verlagsleiter Roland Wahrenberger ist sie im Gespräch für verschiedene Projekte. Möglich ist auch, dass Manu Wüst in Zukunft ebenfalls bei Aufgaben zwischen der Schweiz und Berlin vermittelt. In der Metropole in Deutschland hat sie vor kurzem zusammen mit ihrem Mann eine Wohnung gekauft. Dieser, Stabschef von Stadträtin Kathrin Martelli, absolvierte einen Teil seines MBA in Berlin und war von dieser Stadt auf Anhieb begeistert. Manu Wüst, die ihn dort besuchte, teilte seine Liebe zur deutschen Hauptstadt und gemeinsam beschlossen sie, diese zur zweiten Heimat zu machen.
Andreas Panzeri
