Bündelung der Kräfte
Kolumne Die Schweizer Zeitungsbranche kämpft gegen Feinde aus den eigenen Reihen und neue Konkurrenten. Ein Blick ins Ausland zeigt Alternativen.
Kolumne Die Schweizer Zeitungsbranche kämpft gegen Feinde aus den eigenen Reihen und neue Konkurrenten. Ein Blick ins Ausland zeigt Alternativen. Wer in der Schweiz auf dem Laufenden darüber sein will, wer mit wem gegen wen zusammenspannt, darf sich nicht zurücklehnen. In den Häusern entwickeln sich ständig neue Initiativen in neuen Konstellationen. Territorien werden verteidigt oder erobert, feindliche Angreifer abgewehrt oder strategisch eingebunden. Für die Branchenbeobachter ist es ein durchaus vergnügliches Schauspiel mit gut getimeten dramaturgischen Wendungen und spannenden Abenteuern.Trotzdem lohnt sich hie und da der Blick auf eine andere Bühne.
BusinessWeek rückt William Dean Singleton ins Rampenlicht. Der als rücksichtslos bekannte Chef der MediaNews Group, dem viertgrössten Medienhaus der USA, tritt in Kalifornien als integrativer Vermittler auf. Er brachte 18 Medienunternehmen dazu, gemeinsam eine Offensive im Web zu starten. Sie bildeten eine Allianz untereinander und handelten mit Yahoo einen Deal aus, der sowohl die redaktionelle wie auch die werberische Zusammenarbeit regelt.
Damit ist es für Singleton jedoch nicht getan. Innerhalb seines eigenen Unternehmens und in Kooperation mit anderen Anbietern versucht er Cluster zu bilden, um Ressourcen optimal zu nutzen und neue Geschäftsfelder aufzubauen. Sein nächstes Projekt ist der Aufbau eines nationalen Online-Marktplatzes, auf dem gemeinsam Inhalte und Werbung präsentiert werden. «Wir müssen jetzt zusammenarbeiten», ist Singleton überzeugt: «Keines der Zeitungsunternehmen schafft es allein zum anderen Ufer des Flusses.»
Zusammenarbeit im selben Konzern ist bei Axel Springer in Berlin gross geschrieben. Seit einem Jahr bündelt der Verlag die redaktionellen Kräfte in einem integrierten Newsroom. Von dort aus werden so unterschiedliche Zeitungen wie Die Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt und die Berliner Morgenpost sowie diverse elektronische Medien wie Internet, Mobile, Videos und Podcasts produziert. Im Newsroom gibt es 55 Arbeitsplätze, an einem Chefredaktorenbalken sitzen die Verantwortlichen für die verschiedenen Publikationen. Mehr als 400 Journalistinnen und Journalisten arbeiten im Redaktionspool. Sie sind nicht mehr auf die verschiedenen Produkte aufgeteilt, sondern arbeiten in thematischen Gruppen. Grundsätzlich gilt die Vorgabe: Online first. Trotzdem dürfen sich die Journalisten gegebenenfalls auch auf die Arbeit an einem Zeitungstext konzentrieren.
Das Konzept hat sich nach den Aussagen der redaktionell Verantwortlichen bewährt. Auch die Abstimmung auf die jeweiligen publizistischen Profile sei kein Problem. Und da es wenige Doppelnutzer gebe, störten sich die Leserinnen und Leser nicht an den Mehrfachverwertungen. Die Journalistenteams planen die thematische Aufbereitung von Ereignissen gemeinsam. Margaret Heckel, Ressortleiterin Politik, erklärte bei einem kürzlichen Besuch in Berlin, damit würde die publizistische Leistung insgesamt gestärkt. Das journalistische Potenzial der Themen werde besser ausgeschöpft. Davon profitierten alle Titel.
Das am 29. Oktober lancierte Webportal Derwesten.de der Verlagsgruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) kann noch nicht auf Erfahrungen zurückgreifen. Es vereinigt die Internetauftritte von fünf Zeitungstiteln und enthält Nachrichten aus 140 Städten. Chefredaktorin ist Katharina Borchert, die sich als Bloggerin Lyssa einen Namen gemacht hat. Ihr 22-köpfiges Redaktionsteam kann auf Lokal- und Regionalnachrichten von rund 800 Redaktorinnen und Redaktoren zurückgreifen. Rund 900 wurden auf das neue Redaktionssystem umgeschult, welches sich technisch an den Eingabemasken der Blogs orientiert. Der Westen bündelt alle Artikel zu einem Thema unabhängig von den jeweiligen Zeitungstiteln.
Das Prinzip Online First gilt hier nicht. Über die Platzierung der Nachrichten entscheidet das Redaktionsteam nach Absprache eigenständig. Journalismus wird hier gezielt mit allen Möglichkeiten des Web 2.0 ergänzt. Zudem wird das Geotagging eingesetzt, das die Inhalte mit der Navigation über Landkarten verknüpft. Gemeinsam wird Stärke demonstriert. Der Verlag vermeldet stolz: «Der Westen ist das umfangreichste regionale Online-Portal in Deutschland.»
Gemeinsam sind wir stark, lautet also allerorten die Lösung. In der Schweiz ist das Gemeinschaftsgefühl in den Häusern und unter den Häusern erst am Wachsen und meist noch labil. So können wir uns noch auf weitere interessante Wendungen freuen. Bei der Frage, wer zu den Alliierten und wer zu den Konkurrenten gehört, wird so mancher Gentleman weitere Überraschungen erleben.
> Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts
BusinessWeek rückt William Dean Singleton ins Rampenlicht. Der als rücksichtslos bekannte Chef der MediaNews Group, dem viertgrössten Medienhaus der USA, tritt in Kalifornien als integrativer Vermittler auf. Er brachte 18 Medienunternehmen dazu, gemeinsam eine Offensive im Web zu starten. Sie bildeten eine Allianz untereinander und handelten mit Yahoo einen Deal aus, der sowohl die redaktionelle wie auch die werberische Zusammenarbeit regelt.
Damit ist es für Singleton jedoch nicht getan. Innerhalb seines eigenen Unternehmens und in Kooperation mit anderen Anbietern versucht er Cluster zu bilden, um Ressourcen optimal zu nutzen und neue Geschäftsfelder aufzubauen. Sein nächstes Projekt ist der Aufbau eines nationalen Online-Marktplatzes, auf dem gemeinsam Inhalte und Werbung präsentiert werden. «Wir müssen jetzt zusammenarbeiten», ist Singleton überzeugt: «Keines der Zeitungsunternehmen schafft es allein zum anderen Ufer des Flusses.»
Zusammenarbeit im selben Konzern ist bei Axel Springer in Berlin gross geschrieben. Seit einem Jahr bündelt der Verlag die redaktionellen Kräfte in einem integrierten Newsroom. Von dort aus werden so unterschiedliche Zeitungen wie Die Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt und die Berliner Morgenpost sowie diverse elektronische Medien wie Internet, Mobile, Videos und Podcasts produziert. Im Newsroom gibt es 55 Arbeitsplätze, an einem Chefredaktorenbalken sitzen die Verantwortlichen für die verschiedenen Publikationen. Mehr als 400 Journalistinnen und Journalisten arbeiten im Redaktionspool. Sie sind nicht mehr auf die verschiedenen Produkte aufgeteilt, sondern arbeiten in thematischen Gruppen. Grundsätzlich gilt die Vorgabe: Online first. Trotzdem dürfen sich die Journalisten gegebenenfalls auch auf die Arbeit an einem Zeitungstext konzentrieren.
Das Konzept hat sich nach den Aussagen der redaktionell Verantwortlichen bewährt. Auch die Abstimmung auf die jeweiligen publizistischen Profile sei kein Problem. Und da es wenige Doppelnutzer gebe, störten sich die Leserinnen und Leser nicht an den Mehrfachverwertungen. Die Journalistenteams planen die thematische Aufbereitung von Ereignissen gemeinsam. Margaret Heckel, Ressortleiterin Politik, erklärte bei einem kürzlichen Besuch in Berlin, damit würde die publizistische Leistung insgesamt gestärkt. Das journalistische Potenzial der Themen werde besser ausgeschöpft. Davon profitierten alle Titel.
Das am 29. Oktober lancierte Webportal Derwesten.de der Verlagsgruppe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) kann noch nicht auf Erfahrungen zurückgreifen. Es vereinigt die Internetauftritte von fünf Zeitungstiteln und enthält Nachrichten aus 140 Städten. Chefredaktorin ist Katharina Borchert, die sich als Bloggerin Lyssa einen Namen gemacht hat. Ihr 22-köpfiges Redaktionsteam kann auf Lokal- und Regionalnachrichten von rund 800 Redaktorinnen und Redaktoren zurückgreifen. Rund 900 wurden auf das neue Redaktionssystem umgeschult, welches sich technisch an den Eingabemasken der Blogs orientiert. Der Westen bündelt alle Artikel zu einem Thema unabhängig von den jeweiligen Zeitungstiteln.
Das Prinzip Online First gilt hier nicht. Über die Platzierung der Nachrichten entscheidet das Redaktionsteam nach Absprache eigenständig. Journalismus wird hier gezielt mit allen Möglichkeiten des Web 2.0 ergänzt. Zudem wird das Geotagging eingesetzt, das die Inhalte mit der Navigation über Landkarten verknüpft. Gemeinsam wird Stärke demonstriert. Der Verlag vermeldet stolz: «Der Westen ist das umfangreichste regionale Online-Portal in Deutschland.»
Gemeinsam sind wir stark, lautet also allerorten die Lösung. In der Schweiz ist das Gemeinschaftsgefühl in den Häusern und unter den Häusern erst am Wachsen und meist noch labil. So können wir uns noch auf weitere interessante Wendungen freuen. Bei der Frage, wer zu den Alliierten und wer zu den Konkurrenten gehört, wird so mancher Gentleman weitere Überraschungen erleben.
> Josefa Haas ist Leiterin des Medieninstituts
