Zu guter Letzt: Telekom hängt den Hörer auf

Die diesjährige «Spritztour de France» war nach ARD und ZDF jetzt offenbar auch dem Sponsor der Deutschen Radrennmannschaft, der Deutschen Telekom, zuviel: Sie hat am Dienstagnachmittag das Sponsoring des T-Mobile Männer- und Frauenteams mit sofortiger Wirkung beendet.

 
Die diesjährige «Spritztour de France» war nach ARD und ZDF jetzt offenbar auch dem Sponsor der Deutschen Radrennmannschaft, der Deutschen Telekom, zuviel: Sie hat am Dienstagnachmittag das Sponsoring des T-Mobile Männer- und Frauenteams mit sofortiger Wirkung beendet. «Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen», so der Telekom-Vorstand Hamid Akhavan, «um uns und die Marke T-Mobile von den jüngsten Doping-Erkenntnissen im Sport und speziell im Radsport zu distanzieren. Angesichts unserer langjährigen Unterstützung für den Profiradsport und der Fortschritte, die das Management um Bob Stapleton zuletzt machte, ist uns dies nicht leicht gefallen.» Die Anstrengungen im Anti-Dopingkampf will das Unternehmen gemäss eigenen Angaben jedoch fortführen (Stapleton spricht, etwas überdreht, von der «Führungsrolle der Mannschaft im Anti-Doping-Kampf»).Für den Deutschen Radrennsport ist das der GAU, für die Telekom vielleicht eine vernünftige Lösung. Das unsportliche Verhalten mehrerer Sportler im deutschen Radteam wurde für den Namen Telekom zur Belastung, noch mehr nachdem die Öffentlich-Rechtlichen ARD und ZDF als moralische Instanzen die Live-Berichterstattung der Tour de France nach dem Fall Sinkewitz einstellten. Man ist geneigt zu glauben, der Abschied der Telekom sei unausweichlich gewesen. Orientiert man sich dabei an der moraltriefenden Presse, liegt man wohl richtig. Orientiert man sich aber an Umfragen, sieht’s etwas anders aus. So hofften gemäss einer Umfrage des Beratungsunternehmens Sport+Markt
61 Prozent der Befragten (von insgesamt 1000), dass die bisherigen Geldgeber auch in Krisenzeiten zum Team halten würden. Nur jeder Fünfte lehnte dies ab. Und das war nach der Spritztour de France. In keinem Sponsoringvertrag steht etwas von Nibelungentreue, doch nachdem die Telekom jahrelang von der von der Popularität des Radsports profitiert hatte, bleibt diesem Abgang ein etwas schaler Beigeschmack. Auch mit Blick auf obige Umfragewerte hätte sich ein weiteres Engagement der Telekom durchaus lohnen können.

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