Zu guter Letzt: Mafiaboss als neuer Held der Jugend?

Eine TV-Serie spaltet Italien. Und dies aus gutem Grunde: Denn sie handelt nicht von Liebe, Freundschaft oder von Guten und von Schlechten Zeiten – nein, sie erzählt das Leben des Mafia-Boss Toto Riina.

 Eine TV-Serie spaltet Italien. Und dies aus gutem Grunde: Denn sie handelt nicht von Liebe, Freundschaft oder von Guten und von Schlechten Zeiten – nein, sie erzählt das Leben des Toto Riina. Für diejenigen, die diesen Mann nicht kennen sollten: Toto Riina ist die langjährige Nummer Eins der italienischen Mafia und wurde 1993 zu mehrmals lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt. «Il Capo dei Capi», also der Boss der Bosse, wie die auf Canale 5 ausgestrahlte Serie liebevoll genannt wird, mache aus dem Mafioso einen Helden, was sehr schädlich für die Gesellschaft sei, meint der Anti-Mafia-Staatsanwalt von Palermo, Antonio Ingroia. Und er scheint damit gar nicht mal so unrecht zu haben: Glaubt man seinen Worten, hat eine ganze Schulklasse auf die Frage, welche Person ihnen in der Sendung am sympathischsten sei, einstimmig den Mafiaboss genannt. Und auch Italiens Justizminister Clemente Mastella ist ob der Mafia-Romantik am Bildschirm alles andere als begeistert. Er fordert laut SDA die Suspendierung der Serie. Die Berlusconi-Mediengesellschaft Mediaset hingegen, deren Sender das Gemetzel ausstrahlt, lobt die hohe Qualität und die Sorgfalt, mit deren die Fakten erzählt werden. Und auch der Produzent, Pietro Valsecchi, verteidigt sein Werk: Der Film sei mit grösster geschichtlicher Genauigkeit gedreht worden. Der Justizminister solle sich besser um Prozesse als um TV-Serien kümmern. Hoffentlich muss er sich nicht bald um sehr viel mehr Prozesse kümmern, wenn er Valsecchis Rat befolgt und die Schüler weiterhin den Capo als sympathischen Helden feiern lässt.

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