Zu guter Letzt: Wenn der Papst und RTL in die vermeintlich gleiche Richtung ziehen
Seit Ende Januar strahlt der deutsche Privatsender RTL eine neue Staffel der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar», kurz DSDS, aus. Zum fünften Mal kanzelt die Jury um Fiesling Dieter Bohlen dort blutjunge, nach Aufmerksamkeit und Prominentenstatus lechzende Jugendliche mit knallharten, pointierten Urteilen ab.
Seit Ende Januar strahlt der deutsche Privatsender RTL eine neue Staffel der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar», kurz DSDS, aus. Zum fünften Mal kanzelt die Jury um Fiesling Dieter Bohlen dort blutjunge, nach Aufmerksamkeit und Prominentenstatus lechzende Jugendliche mit knallharten, pointierten Urteilen ab. Im letzten Jahr leitete die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) deshalb ein Prüfverfahren wegen «möglicher sozialethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen» ein. Unter Berücksichtigung der Anhörungsergebnisse entschied die KJM dann, dass RTL in bestimmten Nachmittags-Sendungen im Januar 2007 gegen die Jugendschutzbestimmungen verstossen habe. Beleidigende Kommentare der Jury sowie die redaktionelle Aufbereitung und Inszenierung der Auftritte einiger Kandidaten seien geeignet, die Entwicklung von Kindern unter zwölf Jahren zu beeinträchtigen. Es werde dort vorgeführt, wie Menschen herabgesetzt, verspottet und lächerlich gemacht werden.Nun bittet RTL selbst die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) darum, die neue Staffel unter die Lupe zu nehmen. Ab Donnerstag werde über jede einzelne Folge ein Gutachten erstellt, sagte der Jugendschutzbeauftragte des Kölner Senders, Dieter Cjaza, gegenüber der Bild am Sonntag. Scheint fast so, als schwenke RTL damit auf die Linie von Papst Benedikt XVI. ein, der vor kurzem zur Vorsicht beim Medienkonsum aufrief. Hat es die RTL-Verantwortlichen etwa kürzlich in den Kölner Dom verschlagen? – Nein, ganz und gar nicht. Der Vorstand des FSF setzt sich nämlich aus Vertretern der deutschen Privatsender zusammen und an dessen Spitze sitzt niemand anderes als Dieter Czaja selbst. RTL füllt die Werbetrommel also nur mit etwas vordergründigem Verantwortungsbewusstsein und einem Spritzer Weihwasser. Der Quote schadet das sicher nicht.
