Medienslalom

René Worni über Elefanten im Porzellanladen.

 
René Worni über Elefanten im Porzellanladen. 
Medien gehen in ihren angestammten Regionen eherne Beziehungen mit Behörden und mit der Zivilbevölkerung ein. Es ist ein Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, bis sich die richtige Tonalität eingependelt hat, bis die Grenzen abgesteckt sind. Das kann dauern. Richtig warm werden beide Seiten nie miteinander. Das liegt in der Natur der Sache. Neulinge bekommen das sofort zu spüren. Wer als Journalist zum ersten Mal in einer Region einen politischen Bericht verfasst, eine Sendung aus dem Rat bestreitet oder nur schon über einen Parteianlass berichtet, wird fast zwangsläufig jemandem auf die Füsse treten und sich als Elefant im Porzellanladen mehr oder weniger wohl fühlen. So lässt sich auch erklären, weshalb der Aargauer Regierungsrat mit seiner Stellungnahme in der Vernehmlassung zu den Radio- und Fernsehkonzessionen derart Mühe bekundet hat. Zuerst sprach er sich gegen das neue Radio AG aus, weil den Exekutivmitgliedern offenbar Roger Schawinskis Projekt ein zu grosses Risiko bedeutete, das sie nicht abschliessend zu beurteilen vermochten. Übersetzt bedeutet dies, dass der Exekutive mit der Vorstellung nicht so recht behaglich ist, sich auf ein neues Medium einzulassen, das sich womöglich als Elefant im Porzellanladen benehmen könnte. So entschied man sich für Radio Argovia, um diesen Entscheid gleich mit einer versteckten Medienschelte an den über Jahre bestens eingeführten Sender zu koppeln. Es sollen mehr Qualitätsstandards für Lokalsender eingeführt und diese laufend überprüft werden. Bei Nichteinhaltung droht der Regierungsrat sogar mit Konzessionsentzug. Starker Tobak und für die Macherinnen und Macher von Argovia, trotz geouvernementalem Segen, gleichzeitig eine Ohrfeige.
Kein Wunder, sieht man bei Argovia Klärungsbedarf mit der Regierung. Nur drei Tage später geht der Regierungsrat noch weiter und stürzt sich auf die AZ-Medien, zu denen Argovia gehört. Die Medienkonzentration im Hause Wanner stelle ein «gewisses Risiko» für die Meinungsvielfalt im Kanton dar. Die Attacke der Aargauer Regierung demonstriert das alte Spiel um Nähe und Distanz zwischen Staatsgewalt und den Medien. In Wahrheit will sich die Regierung nicht anmerken lassen, dass sie mit den bisherigen Verhältnissen und ohne Elefanten immer noch am besten gefahren ist. Das wird in den meisten anderen Kantonen nicht anders sein.
René Worni, Redaktor

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