Amtl. sankt. TV
René Worni über unabhängiges Privatfernsehen.
René Worni über unabhängiges Privatfernsehen.Lieber unabhängig bleiben und nach bestem publizistischem Wissen und Gewissen handeln, als sich vom Staat mit Gebührengeldern abspeisen und gängeln lassen. Doch wenn schon Gebühren verteilt werden, dann, bitteschön, möchte jeder etwas davon abhaben. Das alte Lied über die Dualität von hehren Anliegen und ökonomischen Zwängen, ein steter Eiertanz. Diesen tanzte, man erinnere sich, Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument vor etwas mehr als einem Jahr an der Dreikönigstagung der versammelten Branche vor, indem er für publizistische und unternehmerische Unabhängigkeit brandredete. Doch allen war klar: Der kämpft genauso schonungslos wie die anwesenden Kollegen der multimedialen Schweizer Verlagshäuser um seinen Anteil am Gebührentopf. Und die Branche lebt längst komfortabel mit diesem Unbehagen zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Doch jetzt, anderthalb Jahre später, gibts mindestens für die Kollegen an der Werdstrasse und für ihr Tele Züri einen Lichtstreifen am Horizont. Denn Kantone und Gemeinden wollen mehrheitlich, dass nicht der alteingesessene Tamedia-Sender, sondern Günter Heubergers vergleichsweise schmalbrüstiges Tele Top eine Konzession für die Region Zürich/Nordostschweiz und damit Gebühren bekommt. Tele Züri dagegen sei aus eigener Kraft in der Lage, weiter zu senden. Damit bekäme qua staatlicher Sanktion Tele Züri die einmalige Chance, seinen Brand als einziger staatlich unabhängiger Deutschschweizer Privatsender zu lancieren.
Denn Marke ist alles. Dass sich der Konkurrenz da eine veritable Chance öffnet, hat wohl auch Günter Heuberger gemerkt. Er hat für Tele Top kein Studio in der Stadt Zürich vorgesehen. Das Programm würde einerseits allein durch den Standort des Studios zu urban, zu boulevardig und VIP-lastig, ist er überzeugt. Und Heuberger böte andererseits Tele-Züri-Programmleiter Markus Gilli und seinen Leuten jede Gelegenheit, ihn als Landei zu verunglimpfen, das (hier ein denkbares Argumentationsbeispiel) mit seinem «staatlich sanktionierten Chronistensender am Publikum vorbeizielt». Und abgesehen davon: Ohne Konzession bleibt Tele Züri den Regionen im Sinne der Medienvielfalt erhalten, weil sich der Sender nicht gross um Sendegebiete scheren muss. Das Bakom will vor den Sommerferien entscheiden, dann wissen wir mehr.
René Worni, Redaktor
