Zu guter Letzt: Die Bürger-Reklamewehr von Kopenhagen
Vor rund zwei Jahren gab es in Zürich eine Aktion gegen Aussenwerbung, und vor sieben Monaten wurde in Berlin-Kreuzberg eine Gruppe von Leuten gegen Plakate aktiv. Nun haben die «Bürger für eine reklamefreie Innenstadt» in Kopenhagen in einer Nacht- und Nebelaktion nachgedoppelt und Kleber mit der Aufschrift «bitte keine Werbung» an die Plakate geheftet.
Vor rund zwei Jahren gab es in Zürich eine Aktion gegen Aussenwerbung. Und vor sieben Monaten zog in Berlin-Kreuzberg eine Gruppe von Leuten durch die Strassen, die «Spam»-Kleber an Werbeplakate heftete, um damit der «Belästigung» (O-Ton) durch Aussenwerbung etwas entgegenzusetzen (siehe: ). Nun sind in Kopenhagen Mitglieder des Anti-Reklamebündnisses «Bürger für eine reklamefreie Innenstadt» in einer Nachtaktion aktiv geworden. Sie haben 250 Werbeplakate in der Innenstadt mit überdimensionierten Klebern versehen, die in Dänemark normalerweise an den Briefkästen haften. Die Botschaft: «Ingen reklamer tak» (bitte keine Reklame). Der Organisation ist die inflationäre Ausbreitung von Werbung in Kopenhagen ein Dorn im Auge, wie es im Tagesspiegel heisst. Die erbosten Bürger wehren sich insbesondere gegen die Tatsache, dass die Werbung im öffentlichen Raum nicht «abbestellt» werden kann. «Daheim kann man bezüglich Briefkastenreklame: Werbung, nein danke! sagen, indem man einen Aufkleber mit diesen Worten an den Briefkasten klebt. Um an dieses Recht zu erinnern, haben wir überall in der Stadt ähnliche Aufkleber an Werbeplakate geklebt», sagte ein anonymer Teilnehmer gegenüber dem Tagesspiegel.
Die dänische Werbebranche war von der Aktion natürlich «not convinced», um hier den ehemaligen Deutschen Aussenminister Fischer zu zitieren. Es sei ein wesentlicher Bestandteil des freien Marktes, dass Unternehmen bei der herrschenden Konkurrenzsituation über ihre Produkte informieren könnten, heisst es im Tagesspiegel. Auch neuere Anbieter hätten gegenüber den etablierten keine Chance, wenn sie die Verbraucher nicht einmal über ihre Existenz unterrichten könnten. Auf die Frage des Anti-Reklamebündnisses, wieso diese Kommunikation ausgerechnet im öffentlichen Raum stattfinden soll, wo es doch so viele andere Kanäle gebe, wurde allerdings nicht eingegangen.
Die Bürger-Reklamewehr in Kopenhagen scheint von jeder Kritik grundsätzlich unbeeindruckt zu sein. Denn die Gruppenmitglieder nehmen einiges an Ungemach in Kauf, wenn sie erwischt werden: In Dänemark sind für die Beschädigung von Aussenwerbung gehörige Geldstrafen fällig. Die Truppe sieht sich im Gegenteil im Recht, hält die eigenen Taten nicht für Straftaten, sondern für zivilen Ungehorsam. Schliesslich habe die Stadtverwaltung einfach Aussenflächen in der Stadt an Werbekunden verkauft, ohne die Bürger nach ihrer Meinung zu fragen. Was man der Gruppe nicht absprechen kann, ist ein Gespür für demokratische Mitbestimmung.
