Zu guter Letzt: Ryser trifft Ausnahmekicker Ergic

Ein ausserordentlich gutes Sportlerinterview hat für einmal hier Erwähnung verdient. Ein Interview, das so viel ergiebiger war, als alle das-Spiel-ist-vorbei- und-der-Sportler-erschöpft-aber-wir- brauchen-ein-Statement-Befragungen, die uns üblicher Weise vorgesetzt werden.

 
Selten, sehr selten ergibt sich an diesem Ort die Gelegenheit ein paar Worte über Sport zu verlieren. Wenn überhaupt, dann geschieht das in letzter Zeit nur in Zusammenhang mit der unter dem absurd strikten Diktat der Uefa durchgeführten Europameisterschaft und ihren Sponsoren. Heute soll auch von Fussball und Journalismus die Rede sein, jedoch aus anderem Anlass. Ein ausserordentlich gutes Sportlerinterview hat für einmal hier Erwähnung verdient. Ein Interview, das so viel ergiebiger war, als alle das-Spiel-ist-vorbei-und-der-Sportler-erschöpft-aber-wir- brauchen-ein-Statement-Befragungen, die uns üblicherweise vorgesetzt werden. Vielleicht liegt das auch an dem Fussballer selbst: Er heisst Ivan Ergic, ist Captain des FC Basel und einer der talentiertesten Mittelfeldspieler Europas. Und er stand kurz vor dem grossen Durchbruch, vor dem Wechsel in die italienische Serie A zu Juventus Turin. Doch dann erlitt er einen Nervenzusammenbruch, kam mit seinem Leben nicht mehr klar. Statt dem glorreichen Wechsel nach Italien folgte ein mehrmonatiger Aufenthalt in einer psychiaterischen Klinik, und schliesslich der mühselige Weg zurück in die erste Mannschaft des FC Basel. Seit einiger Zeit tut er dort wieder mit, vollstens unterstützt von Trainer Christian Gross und mit einer für einen Profifussballer völlig ungewöhnlichen Einstellung. Im Gespräch mit Daniel Ryser von der Woz übt er Kapitalismuskritik, nennt Karl Marx als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen und kultiviert den Fairplay-Gedanken. «Ein faires Spiel ist mir wichtiger als der Erfolg. Das ist mein persönlicher revolutionärer Gedanke, mit dem ich nicht brechen möchte», sagt der 27-jährige serbisch-australische Doppelbürger da zum Beispiel. Letzte Woche wurde dieses hervorragende – ursprünglich im Mai letzten Jahres in der Woz erschienen – mit dem Zürcher Journalistenpreis 2008 in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet. 
 
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