Radio-Wildwest

René Worni über absente Konkurrenz im Radiomarkt.

René Worni über absente Konkurrenz im Radiomarkt.Wenn es um die Platzierung von Werbung in den Medien geht, wird es mitunter kompliziert. Es fängt schon damit an, dass der Werbewillige genannt Kunde bzw. Werbeauftraggeber nicht einfach in den Laden geht und an der Kasse den aufgedruckten Preis bezahlt. Als Auftraggeber wird er mit komplizierten Berechnungen seiner Vorteile überhäuft. Er hat die Qual der Wahl. Ein hübsches Online-Filmchen? Den Radiospot zur Primetime? Etwas Print und noch ein bisschen Fernsehen dazu? Die Rechenmaschine auf dem Schreibtisch des Vermittlers bzw. des Agenten rotiert und spuckt langfädige Additionen aus – Rabatte, Kommissionen, Fristen, Sonderkonditionen. Im Dschungel der Vergünstigungen finden sich nur die Eingeweihten zurecht. Und unablässig kursieren Gerüchte in der Branche, Kunden würden mit unlauteren Mitteln geködert, man stecke ihnen allerlei unter dem Tisch zu, um sie bei der Stange zu halten. Doch auspacken und Fakten auf den Tisch legen konnte bzw. wollte bis jetzt niemand.
Diesmal geht es um die Radiobranche. Vordergründig geht es dieser gar nicht so schlecht. Doch der Wettbewerb stockt. Die mächtige Vermittlerin IP Multimedia hält den Radiomarkt fest im Griff. Hinter vorgehaltener Hand munkeln Insider, die Preispolitik der IP erodiere den Markt. Klar ist aber: Eine gesunde Konkurrenz fehlt. Radiotele, die einstige Nummer eins unter den Radiovermarktern, ist praktisch inexistent, und das neue Konstrukt Mediasense kommt nicht vom Fleck. Dabei bräuchte es einen gesunden Wettbewerb. Denn als sich vor einem Jahr 15 Radios und die SRG-Tochter Publisuisse im Konstrukt Mediasense fanden, um gemeinsam den Swiss Radio Pool zu vermarkten, galt als Ziel, den Radiomarkt zu vergrössern und zu stärken. Gegenwärtig passiert aber genau das Gegenteil. Der IP – klar auf Seiten der privaten Medien positioniert – gilt Mediasense mit deren Mehrheitseignerin SRG als Dauerärgernis. Sie macht dem Neuling nach bester Wildwest-Manier die Kunden streitig. Jetzt will Mediasense über die Bücher und sich neu aufstellen. Doch dafür müsste die SRG wohl aussteigen und Mediasense ganz den Privaten überlassen. So könnte vielleicht eine marktbelebende und ernst zu nehmende Gegenkraft entstehen.
René Worni, Redaktor

More articles on the topic