Was bedeutet eigentlich… «trennscharf»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Was bedeutet eigentlich...?» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal teilt er seine Gedanken zum Begriff «trennscharf».

Mir nichts, dir nichts ist nicht mehr alles ganz trennscharf geworden in der Branche. Wieso eigentlich? Der Begriff stammt ursprünglich aus der Rundfunktechnik. Aber Roger Schawinski dafür verantwortlich zu machen, dass dieses Wort gerade hoch im Kurs ist, wäre vermessen. Auch wenn dank seiner Bemühungen gegen die UKW-Abschaltung innert kürzester Zeit die 60’000 Unterschriften für eine Petition zustande kamen, was Nostalgiker in der Branche an die guten alten 80er-Jahre erinnert. Damals konnten unlimitierte Budgets ohne Trennschärfe zu den daraus resultierenden Ergebnissen verprasst werden. Vielmehr erlebt das Wort seinen Hype wegen der aufstrebenden Wichtigkeit der Statistik und deren Sprachregelungen innerhalb des Marketings und der Kommunikation.

«Trennscharf» bedeutet in der Statistik nämlich «sich exakt unterscheidend, abgrenzend zu anderen Ergebnissen». Dies wiederum hat in unserer Branche, in der Ideen für #MeToo-Kampagnen, -Bildwelten und -Media-Strategien Alltag sind, sehr wohl seine Berechtigung.

Mutlos statt innovativ

Was den gemeinen Konsumenten der verschiedenen Kanäle an gleichförmigem Werbe- und Kommunikations-Brei zugemutet wird, grenzt nahezu an Folter. Egal ob Grossverteiler, Banken, Versicherer oder Consumer-Produkte – innerhalb der jeweiligen Branchen und zwischen den aufwändig produzierten Kampagnen der einzelnen Konkurrenten sind jeweils für die Zielgruppen kaum Unterschiede erkennbar. Welcher Brand war das jetzt schon wieder? Egal. Oder eben nicht. Da nützt es leider wenig, wenn in Meetings zwischen Auftraggeber und Macher immer mehr davon geredet wird, dass man das nicht trennscharf betrachten könne, was hier vorliegt, und damit eigentlich meint, dass man mutlos statt innovativ ist. Da war das in den 80er-Jahren hierfür verwendete Wort «Wischiwaschi» doch schon trennschärfer zwischen Gutem und Schlechtem.


* Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

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