Destabilisierung

René Worni über verlegerischen Einfluss.

Einmal mehr sorgte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument am Verlegerkongress für Furor. Er feuerte eine Breitseite gegen die «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» ab. Es gehe nicht an, dass Journalisten nicht auch ihren Arbeitgebern verpflichtet seien, beschwor der Präsident die konsternierte Audience und kündigte an, jetzt, wo die Verleger auch im Presserat sässen, wolle er die Erklärung umbauen. Ihnen, die bei der Niederschrift des Papiers in den frühen 80er-Jahren ohnehin übergangen worden seien, sollten mehr Rechte eingeräumt werden. Wohl kaum jemand im Saal hat recht verstanden, worum es dem Präsidenten im Grunde ging.
Die schweisstreibende Sentenz liest sich bereits in der Präambel der Erklärung: «Die Verantwortlichkeit der Journalistinnen und Journalisten gegenüber der Öffentlichkeit hat den Vorrang vor jeder anderen, insbesondere vor ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihren Arbeitgebern und gegenüber staatlichen Organen.» Klar, dass dem Unternehmer Lebrument solche Unabhängigkeit nicht gefällt. Und Zornesröte treibt es ihm (und manchen Verlegerkollegen) ins Gesicht, wenn er feststellen muss, dass gerade der teure Printjournalismus mit Qualitätsanspruch, auf den die Erklärung vor allem gemünzt ist, sich je länger, je weniger verkaufen lässt.
Radio, Fernsehen, Internet und auch die Gratispresse sind entspannter unterwegs und scheinen sich weniger durch ethische Bedenken zu blockieren. Irgendwie nachvollziehbar, dass da einer in schierer Verzweiflung über die sinkenden Reichweiten der abonnierten Tagespresse seinen unternehmerischen Einfluss durchsetzen möchte, damit sich Journalismus wieder besser absetzen lässt. Doch spätestens dann, wenn Redaktion und Verlag (sprich Verkauf) am runden Tisch gemeinsam Beiträge planen, dann ist journalistisches Denken soweit destabilisiert, dass sich niemand mehr für solche Inhalte interessieren, geschweige dafür bezahlen wird.

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