«Um beim Edi. zu gewinnen braucht es gute Ideen, gute Geschichten und gutes Handwerk»

Peter Beck, Präsident der Swissfilm Association, spricht mit m&k über die am Montag veröffentlichte Edi.20-Shortlist und die Kunst der dezentralen Awardverleihung.

Edi
Peter Beck, Präsident von Swissfilm Association.

m&k: Peter Beck, zum ersten Mal in der 21-jährigen Geschichte des Edi. wurden die Einreichungen von zwei verschiedenen Juryteams bewertet. Weshalb diese Änderung?

Peter Beck: Als wir im Juli die Ausschreibung zum Wettbewerb machten, war nicht abschätzbar, ob wir im September eine Live-Jurierung durchführen können oder nicht. Deswegen haben wir uns einige Überlegungen zu Alternativen gemacht. Gerade die Vergabe der Auszeichnungen erwies sich digital als fast nicht lösbar, da es die Diskussion und die Abstimmung zwischen den Jurymitgliedern braucht. Alle Berechnungsmodelle, die wir geprüft haben, zeigten auf, dass die Auswahl der Shortlist digital interessante Lösungen zulässt, während die Preisvergabe digital nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte.

 

Wieso hat die Shortlist-Jury mehr Mitglieder als in den vergangenen Jahren?

Schon seit einigen Jahren gibt es die Idee, eine grössere Jury im Stil einer Filmakademie zu formen. In einer Live-Jurierung wäre dies schwierig umzusetzen, online wollten wir das bis anhin nicht machen. Jetzt war aber die Gelegenheit, dies einmal zu versuchen. Vom Prinzip her blieben die Bezugsgruppen in der Jury-Zusammensatzung gleich wie immer: Vertreter der Auftraggeber, von Agenturen und Filmschaffende. Neu haben wir bei der Shortlist die Gruppe der Auftragsfilm-Produzenten dazugenommen.

 

Die Gewinner werden von einer zweiten Jury ermittelt, dies live und nicht online. Warum?

Die Aufteilung der Jury hat verschiedene Gründe. Einerseits spricht viel dafür, eine breit abgestützte Shortlist zu haben, andererseits ist gerade die Bestimmung der Auszeichnungen mit einem demokratischen Rechenmodell nicht wirklich empfehlenswert.
Oder wie bewertet man einen Film, der von den Juroren sieben Mal Silber und einmal Bronze bekommt, gegenüber einem Film, der nur einmal Gold erhält? Diese Abwägung muss von der Jury zusammen abgestimmt werden. Und das ist live einfach viel besser machbar. Unser neues Jury-Tool hätte aber im Notfall auch eine Online-Jurierung zugelassen.

 

Apropos Jury-Tool: Die Swissfilm Association hat extra für die Online-Jurierung eine Software entwickelt.

Damit die Jurierung möglichst objektiv und gerecht ausfällt, müssen einige Parameter eingehalten werden. Bei einer Live-Jurierung ist sichergestellt, dass die Jurymitglieder die Filme, welche sie bewerten, auch wirklich gesehen haben. Auch Absprachen während dem Prozess sind eher schwierig. Mit dem neuen Tool haben wir eine handliche Lösung gefunden, die nicht nur benutzerfreundlich ist, sondern auch unseren Ansprüchen an den Prozess genügt.

 

Sie schalten am Montag – im Zuge der Shortlistveröffentlichung – ihre neue Website auf. War die bisherige veraltet?

Edinet.ch ist die vielleicht älteste noch funktionierende Website der Welt. Wir haben sie bereits 2001 veröffentlicht und seither lediglich marginal angepasst. Das Grossartige daran ist das Archiv, das alle Shortlist- und Gewinnerfilme seit Beginn im Jahr 2000 zur Verfügung stellt. Für den Edi. Wettbewerb jedoch, der den Massstab im Schweizer Auftragsfilmschaffen darstellt, war dieser Auftritt schon ein sehr grosses «Understatement». Es war an der Zeit, dies zu ändern.

 

Gab es Überraschungen bei den eingereichten Filmen?

Das Gesamtniveau der eingereichten Filme ist, was die handwerkliche Qualität betrifft, schon seit einigen Jahren sehr hoch. Wie jedes Jahr gibt es auch 2020 herausragende und grossartige Produktionen. Es wird aber immer schwieriger, bei den eingereichten Filmen die grossen Überflieger zu finden. Die grösste Chance haben gute Geschichten und gute Ideen. Gutes Handwerk allein reicht heute nicht mehr.

 

Wegen der Pandemie wird der Edi. dieses Jahr nicht – wie sonst – ein live-get-together der besten Agenturen, Produktionsfirmen und Auftraggeber, sondern ein dezentraler Event. Wie wollen sie die Atmosphäre des Schiffsbaus in die Wohnzimmer der Gäste transportieren?

Wir wollten nicht alles ins Netz verlegen, sondern versuchen, das zu retten, was die Edi. Preisverleihung zusätzlich zum Wettbewerb ausmacht: Der persönliche Kontakt und das gemeinsame Feiern. Da dies in grossen Gruppen nicht möglich ist, motivieren wir unsere Gäste, die Preisverleihung mit ihren Teams, Kunden und Freunden mitzuverfolgen. Dazu liefern wir die Zutaten nach dem Motto: Real, dezentral und ein bisschen digital.

Der Edi.20 findet am 5. November 2020 im Rahmen eines «Real-Dezentral-Digital»-Anlasses statt. Die geladenen Gäste erhalten von Swissfilm Association eine von 500 Apéro-Boxen sowie einen persönlichen Zoom-Login. Die Show wird auch im Live-Stream übertragen und für alle Interessierten zugänglich sein. Die Edi.20-Shortlist wurde am Montag bekanntgegeben (Werbewoche.ch berichtete). 

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