Was bedeutet eigentlich «Auslegeordnung»?
Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal nimmt er den Begriff «Auslegeordnung» unter die Lupe.
Wer die Seite wechseln, vorwärtsmachen oder sonst etwas verändern will, dem sei sie empfohlen: die Auslegeordnung. Um diesen in Zeiten von Neuorientierung sehr gefragten Begriff zu erklären, spielen wir ihn einmal durch: Gebrauch, Herkunft, Bedeutung. Zum Gebrauch meint der Duden salopp: Schweizerisch, was für empfindliche Landsleute oft etwas wertend klingt. Und zur Herkunft: Zum Zweck der Inspektion erfolgendes Auslegen aller persönlichen Ausrüstungsgegenstände auf dem Boden in vorschriftsmässiger Anordnung. Stimmt, das klingt dann doch sehr nach Schweizer Armee. Jetzt, wo wir gerade erst gelernt haben, dass militärisch-hierarchische Organisationen eben nicht das Gelbe vom Ei seien, sollen wieder Zucht und Ordnung angesagt sein? Keine Bange, zur breiteren Bedeutung meint die Bibel der deutschen Sprache: Dem (ersten, grundlegenden) Überblick dienende Zusammenstellung, zusammenfassende Darstellung aller relevanten Themenbereiche, Arbeitsergebnisse oder Ähnliches – das jedenfalls erinnert schon eher wieder nach Post-its, wie wir sie heute überall an den Fenstern der Sitzungsräume entdecken.
Zurück auf Feld eins
In Projekten, Workshops und Lab-Sessions bildet die Auslegeordnung meist den Anfang. Liegt oder klebt endlich alles da, beginnt die grosse Ratlosigkeit. In den Projekten weiss dann zwar jeder, was es überhaupt alles gibt und vielleicht sogar wieso, einen Plan zur Schlussfolgerung hat aber meist niemand. Eine andere Anwendungsform der Auslegeordnung kann auch inmitten eines Prozesses erfolgen. «Ich denke, wir sollten nochmal eine Auslegeordnung machen», heisst es dann, wenn noch immer keine Idee oder Vorstellung auf dem Tisch liegt und die Verantwortlichen sich nicht festlegen können oder die Vorgesetzten nicht mit Halbgegorenem belästigt werden wollen. Meist sind alle damit einverstanden, gewinnt man doch etwas Zeit – und unter Protest der Projektleiter werden Milestones versetzt oder Deadlines neu gezeichnet, ohne dass jemand das Gesicht verliert.
Seitenwechsel, Vorsprung, Innovation oder was immer das Ziel war, rückt in weite Ferne. Manchmal so weit, bis die Verantwortlichkeiten neu definiert werden und die neue Person erst eine Auslegeordnung vorschlägt, bevor weitergemacht wird, während ihr Vorgänger bereits an einem neuen Ort eine Auslegeordnung vorschlägt. Das erinnert ein bisschen an Schulkinder, die am Strassenrand stehen und sich nicht über die Strasse trauen, weil sie sich an die Regel halten, bis ein neues Auto am Horizont erscheint. Diese ist eigentlich einfachste Erklärung, wie vorzugehen ist, um auf die andere Strassenseite zu kommen: «Luege, lose, laufe.» Schön schweizerisch, nur bei der Umsetzung hapert’s halt manchmal.
* Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.
