Tourismus-Zoff: Jetzt bildet sich eine Front gegen die Dominanz von St. Moritz

Der Tourismus-Zoff in St. Moritz hat zum Rücktritt des Verwaltungsrats geführt. Doch nun bildet sich Widerstand gegen die Macht der Gemeinde St. Moritz und deren Präsident Christian Jott Jenny.

Vor einer Woche machte die SonntagsZeitung bekannt, dass die Gemeinde St. Moritz dem Verwaltungsrat von Engadin St. Moritz Tourismus das Vertrauen entzogen hat. Mit der Marketingorganisation wolle man unter dieser Führung nicht mehr zusammenarbeiten, so das Credo des Hauptaktionärs, der über 34 Prozent der Aktien hält (Werbewoche.ch berichtete).

Das hatte Folgen: Der Verwaltungsrat kündigte daraufhin den Rücktritt auf die Generalversammlung im April an, wie die SonntagsZeitung in der aktuellen Ausgabe schreibt. Eine Kapitulation vor der Macht des Tourismus-Aushängeschildes der Region.

 

Verbandelungen im Tal

Im Tal ist man sich aber scheinbar längst nicht einig. Zu den Aktionären von Engadin St. Moritz Tourismus gehören auch andere Gemeinden als St. Moritz. Sie waren aufgerufen, sich zu äussern, ob sie dem Verwaltungsrat das Vertrauen zusprechen. Bis auf Silvaplana, das sich enthielt, sollen sich alle anderen Gemeinde positiv zum Aufsichtsgremium der AG geäussert haben. Die Zeitung weist aber auch darauf hin, dass Interessenkonflikte im Tal bestehen: So sitzt der Eheman einer Verwaltungsrätin im Gemeindevorstand von Pontresina. Die Gemeinde hat sich in einem Schreiben an den Verwaltungsrat gewandt. «Die Verbandelungen sind zahlreich», schreibt die Zeitung.

 

«Trauerspiel erster Güte»

Dass sich der Tourismus-Streit im Oberengadin zu einer Frage «St. Moritz gegen den Rest» entwickelt hat, zeigt auch ein Kommentar in der Engadiner Post: St. Moritz habe sich mit dem Vertrauensentzug und diesen Vorwürfen weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt müsse der Gemeindevorstand mit seinem Präsidenten liefern, heisst es. «Konkret aufzeigen, warum denn die schwammig formulierte ‹Erneuerung der strategischen Führung eine grosse Chance für St. Moritz und das gesamte Oberengadin› sein soll.» Was sich in den vergangenen Tagen und Wochen abgespielt habe, sei «ein Trauerspiel erster Güte» und gefährde «die jahrelange Aufbauarbeit einer der grössten Schweizer Tourismusdestinationen.»

 

St. Moritz stört sich am starken Einfluss der Bergbahnen

Was unbestritten ist: St. Moritz ist mächtig und spielt diese Macht aus. Das missfällt den anderen Gemeinden. St. Moritz müsse sich fragen, ob es die eigenen Interessen nicht zu stark gewichtet und mit dem Verhalten den übrigen Gemeinden vor den Kopf stosse, so Noch-VR-Präsident Marcus Gschwend.

Gschwend ist Geschäftsführer der Bergbahnen Graubünden. Die Gemeinde St. Moritz will unter anderem den Einfluss der Bergbahnen zurückbinden. Der im September vom Verwaltungsrat entlassene CEO von Engandin St. Moritz Tourismus stiess deshalb mit seinem Vorhaben, das Bergangebot weniger zu bewerben, auf Widerstand. Dass auch der Finanzchef der Bergbahnen gleichzeitig für Engadin St. Moritz Tourismus tätig ist, stört die Gemeinde St. Moritz.

 

Geld für Frühlingskampagne fehlt

Derweilen deckte Markus Meili, Geschäftsführer der Bergbahnen (St. Moritz Mountains) die Marketingorganisation Engadin St. Moritz in der Zeitung Südostschweiz mit happigen Vorwürfen ein: Es sei «Geld ohne Budget abgezweigt» worden – dieses fehle nun für die Frühlings-Ski-Kampagne. Belege dafür fehlen bisher. Wie das Defizit von 600’000 Franken, das zur Entlassung von CEO Walter geführt hatte, zustande kam, ist weiterhin unklar. Der Ex-Tourismusdirektor sagte, dass er davon keine Kenntnis hatte und bis heute keine Beweise gesehen habe. Er bereitet aktuell eine Klage gegen Engadin St. Moritz vor.

Wie die SonntagsZeitung schreibt, wird die Tourismusorganisation spätestens an der Generalversammlung im April Fakten liefern müssen. Sonst drohe dem abtretenden Verwaltungsrat die Verweigerung der Decharge.

St. Moritz

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