CH Media plant eine eigene Inlandagentur – Keystone-SDA droht weiterer Sparschock

CH Media baut eine eigene Inlandagentur auf. Keystone-SDA könnte dadurch einen weiteren Grosskunden verlieren. CH Media sieht nicht nur wirtschaftliche, sondern auch publizistische Chancen bei den Plänen.

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Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik CH Media, treibt den Aufbau einer eigenen Inlandagentur voran. Der entsprechende Vertrag mit Keystone-SDA würde zwar nicht geschreddert, aber im kommenden Jahr nicht mehr erneuert.

 

Wie SRF am Mittwoch zuerst berichtete, sucht CH Media derzeit per Jobinserat Journalisten für einen Newsdesk. Dieser soll im Stile einer Nachrichtenagentur Meldungen schreiben für alle Redaktionen des Joint-Ventures von AZ Medien und NZZ-Mediengruppe.

Klar ist: Mit der geplanten Inlandagentur will man im Teich von Keystone-SDA fischen – und dabei viel Geld sparen. Laut SRF sollen 1,5 Millionen Franken sein, die CH Media durch das Selbsterbringen von Agenturleistungen künftig pro Jahr sparen will. Zwar bezieht das Joint-Venture pro Jahr Leistungen von 4 Millionen Franken von Keystone-SDA, der Millioneneinschnitt dürfte die wirtschaftlich ohnehin angeschlagene Nachrichtenagentur aber empfindlich treffen. «Falls CH Media tatsächlich einen Grossteil der Textdienste selbst produzieren und die Leistungen nicht mehr bei Keystone-SDA beziehen würde, wäre das ein grosser Verlust», gibt Keystone-SDA gegenüber SRF zu Protokoll.

 

Von schnellen News-Meldungen bis zum Kommentar

Die Inlandagentur soll dabei das Online-Desk sowie die 50-köpfige Zentralredaktion in Aarau unterstützen und die schnelle Berichterstattung – schwergewichtig in den Ressorts Inland und Wirtschaft – sicherstellen. «Das neue Nachrichtenteam wird in enger Vernetzung mit den Lokalredaktionen, dem Bundeshausbüro und den Korrespondenten sicherstellen, dass die Zeitungen und Portale von CH Media über alle relevanten Nachrichten in der Schweiz jederzeit aktuell mit eigenen Quellen berichten können», sagt  Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik bei CH Media, gegenüber Werbewoche.ch. «Damit decken wir alle Geschwindigkeiten ab: Von der schnellen News-Meldung über den einordnenden Bericht bis zu Hintergrund und Kommentar.»

 

Am 1. Januar 2020 geht’s los

Der Vertrag von CH Media mit Keystone-SDA läuft am 31. Dezember 2019 aus. Dann will CH Media loslegen, wie Hollenstein gegenüber Werbewoche.ch verrät: «Wir können mit dem Newsdesk am 1. Januar starten, auch wenn wir die Sollgrösse des Teams dann noch nicht erreicht haben.»

Zwar befinden sich CH Media und Keystone-SDA derzeit noch in Verhandlungen. Die durch schwindende Abo- und Werbeerträge ebenfalls unter wirtschaftlichen Druck stehenden Verlage wollen die Beträge, welche sie der Nachrichtenagentur bezahlen müssen, so weit wie möglich drücken. Seit Jahren. Dies wiederum bringt Keystone-SDA immer mehr in Bedrängnis. Nach mehreren erheblichen Sparmassnahmen kündigte das Unternehmen im September an, weitere 800’000 Franken einsparen zu müssen (Werbewoche.ch berichtete). Weitere Stellen werden abgebaut und der Kostendruck auf die Arbeitnehmenden erhöht. Beim Personal führen die Spar- und Abbaumassnahmen zu immer mehr Unverständnis: Ein weiterer Stellenabbau wäre mit dem Qualitätsanspruch nicht zu vereinbaren, das Sparpotential längst ausgeschöpft, so das Credo.

Sollten sich CH Media und Keystone-SDA nun nicht einig werden, wird sich der einzusparende Betrag nochmals merklich erhöhen. Für CH Media gilt dabei: entweder oder. Ein Nebeneinander von Newsdesk und Keystone-SDA kommt nicht in Frage. Oder wie es Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik bei CH Media, gegenüber SRF auf den Punkt bring: «Doppelt zahlen würden wir nicht.»

 

«Wer Geld für Jounalismus verlangt, darf keinen Einheitsbrei liefern»

Hollenstein sieht bei der geplanten Inlands-Emanzipation von Keystone-SDA nebst der wirtschaftlichen- durchaus auch publizistische Chancen. «Wenn Sie etwas verkaufen wollen, müssen Sie etwas herstellen, das man bei anderen nicht gratis kriegt.» Mit anderen Worten: Weg vom publizistischen Einheitsbrei, der der heutigen Medienlandschaft immer wieder angekreidet wird. «Wir wollen Vielfalt gewähren und uns auch in der Nachrichtenberichterstattung abheben», sagt Hollenstein gegenüber Werbewoche.ch. Das sei nicht nur medien- und demokratiepolitisch sinnvoll, es sei auch Erfordernis des Marktes. «Für eine Nachricht, die es identisch auf allen Kanälen und auch gratis gibt, ist kaum ein Leser bereit zu bezahlen. Wer Geld für Journalismus verlangt, der darf keinen Einheitsbrei liefern.»

Apropos Einheitsbrei: Wäre es gar möglich, dass CH Media die Leistungen der geplanten Agentur auch Dritten zur Verfügung stellt und so zum direkten Konkurrenten von Keystone-SDA wird? «Denkbar ist vieles. Konkrete Pläne haben wir in dieser Hinsicht aber nicht», sagt Hollenstein auf Nachfrage von Werbewoche.ch. Nichts muss, alles kann. Zumindest aus Sicht von CH Media.
 

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