Zu guter Letzt: SRG kämpft mit Maulkörben gegen Tratsch
Obwohl laufend Informationen – und Gerüchte – über die geplante Konvergenz von Radio und Fernsehen durch undichte Lücken des SRG-Systems an die Medien durchsickern, scheint sich die Abteilung SRG Deutschschweiz nach wie vor vehement gegen eine öffentliche Diskussion zu wehren. Jetzt werden sogar Maulkörbe verteilt.
Interessant ist vor allem der Zeitpunkt des E-Mails: Die Nachricht wurde nur wenige Stunden nach Erscheinen eines Interviews der Berner Zeitung mit Dieter Niedermann versandt, in dem der SRG-Ostschweiz-Präsident scharfe Kritik am Vorgehen der nationalen SRG übte. Dabei schien er einen wunden Punkt getroffen zu haben. Niedermann kritisierte unter anderem, dass der SRG-Generaldirektor seine Macht bis an die Grenzen ausspiele. Jetzt kann der angegriffene Armin Walpen aufatmen, auch er erhielt – zur Kenntnisnahme – die Maulkorb-Nachricht.
Das Tratschen geht weiter – trotz Redeverbot
Trotz Maulkorb scheint die SRG vor bösen Kommentaren nicht gefeit. Das Redeverbot gilt schliesslich nicht für Ehemalige der SRG. Davon machte Ex-TV-Direktor Peter Schellenberg Gebrauch, als er sich in einem Gespräch mit dem Zofinger Tagblatt äusserst kritisch über die Kommunikationspolitik der SRG – diejenige von Armin Walpen im Speziellen – äusserte: «Es ist für mich vollkommen unerklärlich, wie man so vorgehen kann.». Das liege vor allem an der Struktur der SRG, der Generaldirektor habe einfach zu viel Macht, so Schellenberg weiter. «Die SRG ist das einzige bedeutende publizistische Unternehmen, das keine Trennung von Geld und Geist kennt.»
Allzu lang geht es ja nicht mehr, bis zur Entscheidung des SRG-Verwaltungsrats. Dann ist hoffentlich Schluss mit Redeverbot und Geheimniskrämerei. Gut kommuniziert, ist halb gewonnen – oder doch nicht?
