Droht Keystone-SDA der nächste Kahlschlag?

Dem Medienunternehmen Keystone-SDA könnten die nächsten Sparmassnahmen drohen. Grund dafür ist, dass Tamedia die Sportmeldungen nicht mehr von der Nachrichtenagentur bezieht.

tadam

Das berichtet das St. Galler Tagblatt am Freitag und wurde von der Tageswoche schon vergangene Woche thematisiert. Demnach saugt die Tamedia-Recherche-Software Tadam neu Sportresultate von Internetquellen ab und bereitet sie für die Redaktion so auf, dass diese mit wenig Aufwand daraus Meldungen erstellen können. Selbst Zitate von Spielern und Trainern in den sozialen Medien sollen halbautomatisiert miteinfliessen. Laut Tageswoche sei man bei Tamedia vor der Wahl gestanden, entweder weiterhin auf Keystone-SDA zu setzen und dafür eigene Sportredaktoren zu entlassen, oder aber in Zukunft verstärkt auf Tadam zu setzen. Während man in der Konzernleitung teilweise davon ausgeht, das Tool könne bald schon Journalisten ersetzen, heisst es auf Redaktionsebene, davon sei man noch «meilenweit entfernt». Tadam sei lediglich eine «praktische Hilfe».

Dieses Vorgehen von Tamedia hat empfindliche Folgen für Keystone-SDA, denn das Medienhaus hat bisher rund die Hälfte aller Sportmeldungen von der Nachrichtenagentur bezogen. In Zahlen ausgedrückt sollen dadurch 1,7 Millionen Franken Ertrag wegfallen, was gemessen am Vorjahresergebnis 5,1 Prozent entspricht. Noch ist laut St. Galler Tagblatt nicht klar, welche Auswirkungen dieser Vertragsverlust haben wird. Der Verwaltungsrat soll im September darüber entscheiden, wie die Zukunft der heute 26-köpfigen Sportredaktion aussieht.

Aktuell ist Keystone-SDA immer noch mit der Umsetzung der letzten Entlassungswelle beschäftigt, bei der 36 von 150 Stellen abgebaut werden. Die Nachrichtenagentur SDA wollte vor einem Jahr neue Tarife aushandeln, welche auch die Onlinenutzung berücksichtigen, statt nur die sinkenden Auflagen der Zeitungen. Als Miteigentümer waren die Medienhäuser damit einverstanden, als Kunden jedoch nicht, da sie selbst unter erhöhtem wirtschaftlichen Druck stehen. Die SDA musste einen Rabatt offerieren, fusionierte mit Keystone und kündigte die damit verbundenen Sparmassnahmen an. Dieser hat besonders auf Textmeldungen einen erheblichen Einfluss – einer Stichprobe zufolge sollen im Juli fast 30 Prozent weniger publiziert worden sein. (hae)

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