Deloitte-Studie: Gen Z Millennials Schweiz unter Druck
Wohnkosten beeinflussen Karriere und Lebensplanung: Eine neue Deloitte-Studie zeigt, wie Gen Z und Millennials in der Schweiz wichtige Lebensentscheidungen verschieben – und warum sie trotzdem weniger karriereorientiert sind als ihre globalen Altersgenoss:innen.

Gen Z und Millennials in der Schweiz verschieben Lebenspläne
Wohnraum zu finden, den man sich auch leisten kann – für Gen Z und Millennials in der Schweiz ist das längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Die 15. Ausgabe der jährlichen Generationenstudie von Deloitte, für die weltweit 22’595 Personen aus 44 Ländern befragt wurden, darunter 400 aus der Schweiz, zeigt: Finanzielle Sorgen prägen die Lebens- und Karriereplanung junger Menschen hierzulande stärker als anderswo.
78 Prozent der Schweizer Gen Z und 67 Prozent der Millennials geben laut der Studie an, dass Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Wohnraum ihre beruflichen Entscheidungen sowie die Wahl ihres Arbeitsortes und Lebensmittelpunkts stark beeinflussen – deutlich über dem globalen Durchschnitt. 54 Prozent der Gen Z und 53 Prozent der Millennials sagen, sie seien nicht in der Lage, sich ein Eigenheim zu leisten. Auch dieser Wert liegt über dem internationalen Vergleich (51 Prozent Gen Z, 40 Prozent Millennials).
Fast die Hälfte der Befragten gibt an, von Lohnzahlung zu Lohnzahlung zu leben – ein Wert, der leicht über dem globalen Durchschnitt liegt. Knapp ein Drittel der Gen Z (31 Prozent) und gut zwei Fünftel der Millennials (41 Prozent) fühlen sich finanziell nicht abgesichert.
Lebensentscheidungen auf Eis gelegt
46 Prozent der Gen Z und 60 Prozent der Millennials in der Schweiz haben laut Studie wichtige Lebensentscheidungen – wie Heirat, Familienplanung oder eine Ausbildung – aufgrund ihrer finanziellen Situation aufgeschoben. Das zeigt, wie weit die Auswirkungen der angespannten Wohnlage reichen.
Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz, ordnet dies als gesellschaftliches Signal ein: «Die Schweiz ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit hohen Löhnen. Doch selbst junge Menschen mit guter Ausbildung und stabilem Job haben es zunehmend schwer, sich ein Eigenheim leisten zu können. Das ist nicht nur ein persönliches Problem, es ist auch ein Warnsignal für den Wirtschaftsstandort: Wenn wir Talente anziehen und halten wollen, muss die Politik die angespannte Lage auf dem Schweizer Immobilienmarkt gezielt adressieren.»
Work-Life-Balance schlägt Karriereambitionen
Trotz des finanziellen Drucks rückt Karriere bei Gen Z Millennials Schweiz nicht in den Vordergrund. 23 Prozent der Gen Z und 20 Prozent der Millennials nennen «die Aufrechterhaltung einer guten Work-Life-Balance» als primäres Ziel – noch vor einem Karriereaufstieg. Jeweils fast ein Fünftel der Befragten arbeitet nicht in Vollzeit oder in einer Festanstellung.
Im internationalen Vergleich fällt der Karriereehrgeiz hiesiger Junger deutlich geringer aus: Nur 33 Prozent der Schweizer Gen Z und 26 Prozent der Millennials streben einen «stetigen beruflichen Fortschritt» an – global sind es 44 Prozent beziehungsweise 45 Prozent. Eine Führungsrolle würden 48 Prozent der Gen Z und 57 Prozent der Millennials annehmen – aber nur, wenn die Vergütung stimmt. Entscheidend für eine Beförderung sind für sie ausserdem flexible Arbeitsmodelle, Unterstützung der mentalen Gesundheit sowie Führungstrainings und Coaching.
Dazu sagt Tiina Pokkinen, Human Capital Partner bei Deloitte Schweiz: «Der Fokus allein auf ‹Titel und Gehalt› ist heutzutage nicht mehr ausreichend, um Talente zu halten. Arbeitgeber müssen Sinn, Flexibilität und wirksame Unterstützung bieten.»
Mentale Gesundheit: Offenheit nimmt zu
Bei der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz zeichnet sich ein positiver Trend ab: 78 Prozent der Gen Z und 70 Prozent der Millennials glauben, dass ihre Arbeitgeber psychische Gesundheit ernst nehmen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024 (59 Prozent Gen Z, 58 Prozent Millennials). Auch die Bereitschaft, offen mit Vorgesetzten über mentale Belastung zu sprechen, ist gestiegen: 75 Prozent der Gen Z und 70 Prozent der Millennials trauen sich, das Thema anzusprechen.
KI als Werkzeug, nicht als Bedrohung
Ein weiteres zentrales Thema der Studie ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Die Einschätzung fällt bei Gen Z und Millennials in der Schweiz überwiegend positiv aus: 81 Prozent der Gen Z und 77 Prozent der Millennials sehen KI als positiven Einfluss auf ihr Arbeitsleben; für das Privatleben gilt dies für 87 Prozent der Gen Z und 80 Prozent der Millennials – jeweils deutlich über dem globalen Durchschnitt. 73 Prozent der Gen Z und 67 Prozent der Millennials nutzen KI bereits für ihre tägliche Arbeit.
Michael Grampp kommentiert: «Rund um die künstliche Intelligenz dominiert oft die Sorge, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Unsere Studie zeigt aber, dass KI für diese Generationen nicht einfach eine Bedrohung für den Arbeitsplatz, sondern ein Werkzeug ist. Sie sehen darin die Chance, repetitive Aufgaben zu automatisieren und sich auf sinnvolle Arbeit zu konzentrieren.»
Die vollständige Studie ist verfügbar unter: https://www.deloitte.com/ch/de/about/press-room/gen-z-millennial-survey.html
