Swiss-Press-Hauptpreis für Parmelin-Recherche im Blick

Christoph Lenz und Joël Widmer haben für ihre Recherche zu Bundesrat Guy Parmelins Rolle in der Bauland-Affäre den Swiss Press Award in der Kategorie Print gewonnen. Ihre Enthüllungen erschienen im Blick.

swiss-press-award-2017

Das Steuergeschenk an die Bauern gab an sich schon zu reden: Der Nationalrat beschloss ein Bodenprivileg, wonach keine Bundessteuern mehr anfallen, wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen als viel wertvolleres Bauland verkauft werden. Als der Autor dann auch noch publik machte, warum sich ein Mitglied der Landesregierung mit einem Bericht für die Gesetzesänderung eingesetzt hatte, obwohl für sein Departement kein Handlungsbedarf bestand, war der Skandal perfekt: Bundesrat Guy Parmelin musste sich den Vorwurf gefallen lassen, im Familieninteresse agiert zu haben. Sein Bruder besitzt ein vom Steuerprivileg betroffenes, exklusives Grundstück in Bursins VD. Seinen eigenen Anteil am Rebberg an bester Lage übertrug Parmelin rückwirkend auf seinen Bruder – drei Tage nach Einreichen des ominösen Berichts.

Die Auszeichnungen der Fondation Reinhardt von Graffenried sind am Mittwochabend in Bern verliehen worden. Print-Preisträger Lenz arbeitet inzwischen für den Tages-Anzeiger.

Im Bereich Online setzte sich Sylvain Besson gegen die Konkurrenz durch. Auf dem Portal der Westschweizer Zeitung Le Temps zeigte er das Geschäft mit dem Schweröl auf – dem «dreckigen Blut der
Globalisierung», wie er es nennt.

Von den nominierten Radiobeiträgen ist der Beitrag «Leben um jeden Preis» von Pauline Vrolixs bei der Jury am besten angekommen. Für das Westschweizer Radio RTS hat sie ein streng konservatives katholisches Paar mit sechs Kindern porträtiert, das Abtreibungen kategorisch ablehnt – und im Laufe der Gespräche mit der Journalistin zugibt, dass Ideologie und Realität im Alltag nicht ganz übereinstimmen.

Die Sieger des Swiss Press Awards sind: Christoph Lenz (Swiss Press Print), Sylvain Besson (Swiss Press Online), Pauline Vrolixs (Swiss Press Radio), Alain Rebetez (Swiss Press Video), Carlo Silini (Swiss Press Local) und Zalmaï (Swiss Press Photo).

Jedem der sechs Preisträger wurde der Diamant für seine herausragende Arbeit und der Betrag von 20’000 Franken überreicht. Die 2. und 3. Preise im Print, Online, Radio und Video erhielten je 1’000 und die Kategoriengewinner des Swiss Press Photo erhielten je 2’000 Franken.

Alle Gewinner und ihre prämierten Beiträge finden Sie auf Swisspressaward.ch.

Die verlagsunabhängige Fondation Reinhardt von Graffenried wurde mit dem Ziel gegründet, den schweizerischen Journalismus zu fördern.

Zum dritten Male erscheint der viersprachige Swiss Press Award Katalog mit den Arbeiten der preisgekrönten Journalistinnen und Journalisten zusammen mit dem traditionellen Jahrbuch Swiss Press Photo, das dieses Jahr zum zwanzigsten Male herauskommt und im Buchhandel erhältlich ist. Die nationale Wanderausstellung «Swiss Press Photo 17» startet am 4. Mai 2017 im Schweizerischen National Museum in Zürich (4.5. – 2.7.), bevor sie weiter ins LAC in Lugano (4.7. – 21.8.), ins Kornhausforum in Bern (22.9. – 22.10.) und ins Château de Prangins (2.11.17 – 4.3.18) zieht. (SDA/hae/pd)

More articles on the topic