Veit Dengler kritisiert Markus Somm
NZZ-CEO Veit Dengler kritisiert die Aussagen von BaZ-Chefredaktor Markus Somm, der sich für redaktionelle Rücksichtnahme auf Inserenten ausgesprochen hatte. Michael Ringier hält die Diskussion für «nichts Neues», Roger Köppel stützt Somm.
Markus Somm hat eine Lawine losgetreten. In der Radio-1-Sendung «Roger gegen Markus» – der Nachfolgesendung von «Roger gegen Roger» – hat Somm für die SVP-Strategie, die fehlbaren Medien mit Inserate-Boykott abzustrafen (Werbewoche.ch berichtete), viel Verständnis gezeigt. Sein Kredo: Wer die Redaktion mitfinanziere, müsse sich von ihr nicht in die Pfanne hauen lassen. Somm hat sich allerdings etwas differenzierter geäussert, als ihm danach teilweise in der öffentlichen Diskussion, die bis nach Deutschland reichte, vorgeworfen wurde. Der BaZ-Chefredaktor hat sich explizit dafür ausgesprochen, dass die Redaktion auch kritisch über Inserenten berichten soll. Er zeigte aber Verständnis dafür, dass sich Inserenten abwenden, wenn im redaktionellen Teil einseitig und systematisch die Inhalte der bezahlten Inserate relativiert – «blöd heruntergemacht» – würden.
Nachdem diese Haltung von Verlegerpräsident Lebrument noch gestützt wurde, stellt sich nun mit Dengler der erste Vertreter eines Grossverlages gegen Somm. Dies berichtet die Schweiz am Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe. Journalistische Unabhängigkeit sei das wertvollste Gut einer Zeitung, so Dengler. Sollte eine Haltung wie diejenige Somms mehrheitsfähig werden, hätte dies dramatisch negative Folgen für die Demokratie.
Dengler gewinnt Somms Äusserungen aber auch etwas Positives ab: Sie hätten – gewollt oder ungewollt – eine Debatte über den Wert publizistischer Unabhängigkeit angestossen. Diese sei innerhalb des Verbandes Schweizer Medien zu führen, denn in dessen Statuten werde der Schutz der unternehmerischen und publizistischen Unabhängigkeit verlangt.
Ringier: «Das war schon immer so»
Im Interview mit der Schweiz am Sonntag äussert sich auch Verleger Michael Ringier zur Diskussion. Die Äusserungen Somms und Lebruments würden ihn darin bestärken, dass es «höchste Zeit war, den Verband zu verlassen». Die Aussagen seien doch nichts Neues, es habe schon immer ein Spannungsfeld zwischen Redaktion und Anzeigenkunden gegeben, so Ringier. «Manchmal haben wir Fehler gemacht, dann haben wir korrigiert. Manchmal verbittet man sich Einflussversuche und erhält keine Anzeigen mehr. Das was schon immer so.» Die Zeitung Blick würde auch weiterhin – trotz Admeira – den Lohn des Swisscom-CEOs kritisieren, sofern die Kritik gerechtfertigt sei. Ungerechtfertigte Kritik bedeute etwa, wenn der Lohn mit demjenigen eines Bundesrates verglichen werde, da der Swisscom-CEO überall mehr Geld verdienen könne.
Übrigens: Rückendeckung erhielt Somm – wenig überraschend – von seinem Radio-1-Talk-Vorgänger, Weltwoche-Verleger und SVP-Nationalrat Roger Köppel in der «Arena»-Sendung zur Revision des Asylgesetzes. Somm habe «absolut recht» – es könne doch nicht sein, dass man regelmässig «im redaktionellen Teil die Dementierung des Anzeigenteils» lese. (hae)
Köppel in der «Arena» zum Thema:
