Charlie Hebdo erst am Donnerstag in der Schweiz
Die Spezialausgabe von Charlie Hebdo wird in der Schweiz erst am Donnerstag erhältlich sein. In der Deutschschweiz wird die Auslieferung sogar bis Freitag auf sich warten lassen, wie die zuständigen Stellen am Dienstag auf Anfrage bekannt gaben.
In Frankreich erscheint die Zeitschrift bereits am Mittwoch, genau eine Woche nach dem Attentat. Wegen der grossen weltweiten Nachfrage werden insgesamt drei Millionen Exemplare gedruckt. Aus der Westschweiz gingen 5000 Bestellungen ein, sieben Mal mehr als sonst. Ein Sprecher des Kioskbetreibers Naville Presse bestätigte eine entsprechende Meldung des Westschweizer Radio- und Fernsehens RTS. Zahlreiche Kunden hätten am Kiosk bereits ein Heft reserviert. In der Deutschschweiz wurden tausend Exemplare bestellt, wie der Pressevertrieb 7Days Media Services mitteilte. Der Händler habe allerdings nur die Lieferung von 800 Heften zugesagt.
Sonderausgabe mit Mohammed-Karikaturen
Eine Woche nach dem Anschlag meldet sich das Satire-Magazin mit einer Mohammed-Zeichnung auf der Front zurück. Der Verlag kündigte für diesen Mittwoch eine Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren an – rund 60'000 Exemplare waren es sonst. Das vorab veröffentlichte Titelbild des Satire-Magazins zeigt eine Zeichnung des Propheten Mohammed, der trauernd und mit einer Träne im Auge ein Schild mit der Aufschrift «Je suis Charlie» in den Händen hält. Über der Zeichnung steht «Tout est pardonné» (Alles ist vergeben).

Scharfe Kritik aus Ägypten
Ägyptische Islam-Gelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die angekündigte neue Ausgabe des Magazins. Diese «ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit» werde eine neue Welle des Hasses in der französischen und in westlichen Gesellschaften auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo. Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) drohte im Internet mit weiteren Angriffen auf Frankreich. Es zahle den Preis für die Besetzung von muslimischem Land in Mali und Zentralafrika und die Bombardierung von Muslimen im Irak und in Syrien, hiess es weiter.
Muslimische Geistliche aus Frankreich forderten ihre Gemeinden auf, Ruhe zu bewahren und die Meinungsfreiheit zu achten. Manche äusserten sich über die Mohammed-Darstellung, die nach Ansicht vieler Muslime generell verboten ist, aber beunruhigt. «Jeder verantwortungsbewusste Muslim kann das nur schwer hinnehmen. Aber wir sollten das nicht verbieten», sagte Abdelbaki Attaf, der für eine Moschee in Gennevilliers bei Paris verantwortlich ist. Das Gebetshaus wurde auch von einem der Charlie Hebdo-Attentäter, Chérif Kouachi, gelegentlich besucht.
Branchenverbände ruft zu Gedänkanlässen auf
Die Schweizer Journalistinnen und Journalisten, vertreten durch ihre Branchenverbände, organisieren am Mittwoch, 14. Januar 2015 um 11:30 Uhr in verschiedenen Städten der Schweiz Gedenkanlässe. Genau eine Woche nach den Attentaten auf das Satiremagazin Charlie Hebdo sollen die Anlässe daran erinnern, welch bedeutenden Wert die Pressefreiheit und die Meinungsäusserungsfreiheit für die demokratische Gesellschaft haben, wie es in einer Mitteilung vom Journalistenverband Impressum heisst. Der Gedenkanlass in Bern findet um 11:30 Uhr auf dem Waisenhausplatz statt, weitere Anlässe in Lausanne (Place de l’Europe, 11:30 Uhr) und in Sion (Place de la Planta, 11:20 Uhr). In einigen Redaktionen werden zudem Schweigeminuten abgehalten. (SDA/hae)
Seems world leaders didn't „lead“ #CharlieHebdo marchers in Paris but conducted photo op on empty, guarded street pic.twitter.com/bhhXgAhqDR
— Borzou Daragahi (@borzou) 12. Januar 2015
