«Profilneurosen kommen mir nicht ins Büro»
Gabriel Peisker, Creative Director und Mitgründer von Erdmannpeisker, verrät in unserer Serie «13 Fragen an...», wem er geschworen hat, nie Grafiker zu werden – und welche Berufe er sich nebst Schreiner sonst noch hätte vorstellen können.

1. Für was würden Sie einen Monat gratis arbeiten?
Wohltätige Einrichtungen, die mit viel Einsatz und wenig Mitteln die Welt verbessern wollen.
2. Gab es in Ihrem Leben einen Moment, als Sie dachten: Wow. Das ist super. Und es ist von mir!
Am stärksten war dieses Gefühl nach einer nächtlichen Protestaktion an der Kunstgewerbeschule Basel. Die heftige Debatte unter Schülern und Schulleitung führte dazu, das Wandbild als Ausdruck der 1980er-Bewegung stehen zu lassen.
3. Das beste Testimonial, das es je gegeben hat?
Spontan kommt mir da die legendäre Vitra-Kampagne aus den 1980er in den Sinn – ich meine, da sassen Miles oder Louise Bourgeois für Reklame auf einen Stuhl.
4. Was denken Sie persönlich über die Wirkung von Werbung?
Die Gesellschaft ist heute eindeutig werbeerfahren. Wirksame Werbung weiss das und wirbt im Einvernehmen mit der Zielgruppe, in dem sie nicht nur fordert, sondern auch gibt. Diese Auseinandersetzung verankert eine Marke.
5. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?
Profilneurosen. Sehr anstrengend.
6. Wären Sie nicht Werber geworden – was dann?
Da der Zufall in meinem Leben eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, gebe ich Ihnen ein paar Berufe zur Auswahl: Regisseur, Schriftsteller und Schreiner.
7. Stimmt für Sie die kolportierte Meinung, dass man in Agenturen nicht alt werden kann, oder ist das ein Vorurteil?
Unsinn. Natürliche Neugier und eine sportliche Grundhaltung wirken Wunder.
8. Hat sich Ihr Medienverhalten in den letzten drei Jahren geändert?
Ich versuche mein beruflich bedingt sprunghaftes Medienverhalten wieder mehr zu fokussieren. Zum Wohle aller – Familie, Mitarbeiter und mir.
9. Was ist für Sie die momentan grösste Herausforderung für die Werbung?
Basis ist immer noch eine starke Big Idea. Diese muss heute jedoch in immer neuen Kanälen mediengerecht kommuniziert werden, um so die fraktale Wahrnehmung der Marke gezielt zu steuern.
10. Worauf können Sie unmöglich verzichten?
Kunst und Sport. Das Fehlen von beiden lässt mich schnell ungeniessbar werden – auch wenn ich dies nur schlecht zugeben kann.
11. Was halten Sie von Owned Media?
Viel. Hier kann durch spannendes Storytelling eine Marke zu mehr Profil und Tiefe geführt werden. Aber auch wenn dies schwer programmierbar ist, das Ziel sollte immer auch Earned Media sein.
12. Wer oder was hat Sie inspiriert, in die Werbe-/Kommunikationsbranche einzusteigen?
Mein Vater. Nach der Schnupperlehre in einer Agentur habe ich ihm geschworen, nie Grafiker zu werden. Er lachte.
13. Wofür würden Sie unter keinen Umständen werben?
Zigaretten und die SVP.
1999 gründete Gabriel Peisker zusammen mit Sybille Erdmann die Agentur Erdmannpeisker. Kennen und schätzen gelernt haben sich die beiden bei Smart in Biel. Was klein begann, ist heute immer noch klein, aber mit grossen Marken und preisgekrönten Arbeiten. Für den Bergsportartikel-Hersteller Mammut kreiert die Bieler Kreativagentur zusammen mit Hunderten von Bergsteigern irritierende Bilder in den Alpen. Diese Involvement-Kampagne gewann 2012 nicht nur beim Effi Gold, sondern auch bei der Marketing Trophy, wo sie zudem gleich noch den Publikumspreis erhielt. Zu den weiteren Kunden der Agentur gehören Unternehmen wie Rivella, Smart, Swisslos und Darvida.
Die «13 Fragen» erscheinen sowohl Online wie auch in der Printausgabe der Werbewoche.
