Der Motz von Butz: Konfi tüürer!

Auf der Suche nach einer nachvollziehbaren Erklärung für die Gastro-Abstimmungswerbekampagne.

Nach langem, anstrengendem Hirnen, was die Initianten, die gegen eine Einheitsmehrwertsteuer auf der Take-away-Basis mit diesem Konfischnitten essenden Buben mir im Einsekunden- Zeitraum auf dem Plakat vermitteln wollen, konnte ich bis jetzt nur eine Erklärung (siehe Headline) finden. Zu Hause eine Konfischnitte zu essen, soll bei einem Ja teurer werden. Das heisst, die «Konfi wird tüürer». Bis hier ein Scherz von mir. Aber nun, welches Irrhirn hat sich diese Werbeidee einfallen lassen? Meine letzte Konfischnitte habe ich vor 50 Jahren gegessen. Gibt’s denn heute noch so etwas? Da besteht doch alles aus Kelloggs, Kindermilchschnitte oder so. Ach ja, bei Nutella existiert diese Brotaufstrich-Tradition noch.

Nun seriös: Warum finde ich diese Kampagne motzenswert? 1. Bei der Abstimmung über die verschiedenen Mehrwertsteuersätze beginnt für den Wähler schon ein kompliziertes Gebilde. Essen im Restaurant gegen Take-away. Das ist doch der Fakt.

Nun kommen aber die Gegner und erzählen mir, dass der Food aus meinem Kühlschrank teurer wird. Mit Peter Lesch zusammen haben wir über die Komplexität diskutiert und herausgefunden, was uns die Kampagne eigentlich tatsächlich erzählen will. Ich denke, kein Schwein guckt hin, auch kein Schwein versteht diesen verdrehten Gedanken. Wir haben uns folglich gedacht, wird die Mehrwertsteuer reduziert, dann werden sich die Produktpreise möglicherweise nicht senken. Im Gegenteil: Wir bezahlen für die Konfischnitte mehr.

Dass es sich nicht einfach gestaltet, diese komplizierten Gedanken brillant zu lösen, ist mir auch klar. Nur, diese Lösung wird die Ja-Wähler nicht wirklich umstimmen. Übrigens sollten wir auch viel weniger essen, sonst werden wir ebenso grausig fett wie eine Überzahl der Amis.

2. Werbung mit Kindern. Auch der Konfischnitten essende Bube wird nicht wie erwartet die Verständlichkeit dieser Kampagne fördern. Im Gegenteil. Ein «Jö-Effekt» wird er beim modernen Konsumenten nicht mehr in diesem Masse auslösen wie anno 1950. Beim oberflächlichen Betrachten des Plakats, was etwa 90 Prozent der Passanten tun, sieht die Werbung aus wie Werbung für Kinderschokolade, Nutella rot oder Hero-Konfitüre. Quintessenz: Ich glaube, keiner versteht die Message. Und so resultiert daraus: viel Geld für wenig Wirkung.

(Freitags geschrieben) Der Aufsteller der Woche war der überraschende Sieg am Goldbach-Medien-Golfturnier im Texas Scramble mit Andreas Durisch, Peter Lesch und Rolf Staub.

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Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

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