Sinkende Titanic auf Twitter
Der Untergang der Titanic ist wahrscheinlich das bekannteste Schiffsunglück der Geschichte. Vor genau 102 Jahren stach die RMS Titanic von Southhampton aus in See. Ihr nie erreichtes Ziel: New York.
Das Schiff rammte einen Eisberg und ging wenige Stunden später unter. Mehr als 1500 Menschen kamen dabei ums Leben. Spätestens seit der Verfilmung im Jahr 1997 mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet kennt jeder diese tragische Geschichte. Zum 100. Jahrestag der Titanic spielte der englische Buchverlag The History Press das Unglück nach – in Echtzeit, auf Twitter. «Experience Titanic’s epic journey with minute-by-minute tweets as if from on board the ship itself.» So lautet die Beschreibung des Titanic-Accounts @TitanicRealTime, welcher aktuell bereits über 69'000 Follower zählt. Auch dieses Jahr wurde die Aktion wiederholt. Gut einen Monat vor dem Jahrestag der Katastrophe wurde der erste Tweet abgesetzt. In den nächsten Wochen folgten zahlreiche weitere Nachrichten. Je nach Verfasser des Tweets wurden verschiedene Hashtags so wie etwa #captain, #crew oder #engineer verwendet. Alle Tweets basieren auf Zeugenaussagen von Überlebenden. Neben der Besatzung kamen natürlich auch die Passagiere zu Wort, wie zum Beispiel die #firstclass, welche über den prachtvollen Kronleuchter, das köstliche Essen oder das schöne Wetter schwärmten: «Woken up to yet another marvellous morning. The weather truly has been kind to us this far.»
Selbstverständlich konnten wir, dank dem originellen Live-Feed, auch den dramatischen Untergang der «Unsinkbaren» hautnah miterleben. Nach der Eisbergkollision um 23h40 kam der erste verzweifelte Tweet des #captains: «Just been woken by a tremendous crashing sound, what is going on out there?». Danach folgten weitere der #crew: «How can this be happening? This ship is unsinkable!» und der #thirdclass: «Water is beginning to build up, this is not looking good! Where is my wife?» bis zum bewegenden #bandmaster: «Gentlemen, the end I fear is fast approaching, what to play next… Nearer My God To Thee, I think.»
Seit dem Start im Jahr 2011 zählt der Account mittlerweile knapp 70 000 Followers. Dabei nutzt @ TheHistoryPress diesen Kanal zwischendurch auch zur Crosspromotion weiterer Produkte. Die Followers akzeptieren das. The History Press, ein verstaubter Verlag alter Schule, zeigt uns mit diesem Projekt einmal mehr, dass jeder eine Berechtigung hat, auf Social Media aktiv zu sein, denn das einzige, was man braucht, ist die passende (glaubwürdige) Idee.
Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm
