Der Pita

Der Pita oder ausgeschrieben «Pain in the ass» genannt, ist eine in gewissen Kreisen weitverbreitete Unterart des Homo sapiens. Sein natürliches Habitat sind politische Diskussionsrunden, Verbands- und Geschäftssitzungen, Jurysitzungen, Präsentationen oder ähnliche Selbstdarstellungs veranstaltungen. Man findet ihn aber auch im privaten Umfeld.

Eine Unterart des Pita lebt in den Social Media. Man nennt ihn dort Troll. Sein Verhalten unterscheidet sich aber grundsätzlich von dem des Pita. Der Troll konzentriert sich darauf, Gesprächsteilnehmer zu provozieren und vor allem keine sachbezogenen oder konstruktive Beiträge zu verfassen. Was zeichnet den Pita aus? Er weiss alles besser, hat selbstverständlich die grösste Erfahrung in allem und jedem und sieht sich als Experte. Er fühlt sich berufen, alle Anwesenden – die in seinen Augen sowieso alles Banausen sind – von seiner Meinung zu überzeugen. Egal, wie wirklichkeitsfremd oder idiotisch diese ist. Sein Eifer ist missionarisch. Er will die irrenden Schafe auf den rechten Weg zurückzubringen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Er unkt, doziert, korrigiert, kanzelt ab und geht damit allen auf die Nerven. Ihn hingegen stört das nicht im geringsten – er ist beharrlich bis zum Geht-nicht-mehr. Man kann ihn nicht bremsen, denn anderen Meinungen gegenüber ist er vollkommen immun. Sie perlen an ihm ab. Ironie ist auch nicht sein Ding. Ernsthaft muss die Diskussion sein. Ironische Gegenargumente zielen deshalb ins Leere. Totschweigen kann man ihn auch nicht, denn er wiederholt seine Argumente gebetsmühlenhaft und merkt nicht, dass diese in der xten Wiederholung nicht besser werden.
 
Die gruppendynamischen Prozesse, die er mit seinem Verhalten initiert, sind voraussehbar. Die meisten Teilnehmer resignieren, stellen die Ohren auf Durchzug und lassen ihn reden. Einige wenige versuchen diplomatisch, aber erfolglos Gegensteuer zu geben, um dann bald auch zu resignieren und zu schweigen. Auch ein offener Schlagabtausch läuft ins Leere, denn zaghafte verbale Beleidungen lassen ihn kalt. Er allein verfügt ja über das Wissen. Was kümmert es die Eiche, wenn sich die Sau daran reibt, ist seine Überzeugung. Stoppen liesse er sich wahrscheinlich nur durch Beleidungen der übelsten Art – aber wer will das schon. 

Pierre C. Meier

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