Der Motz von Butz: TV-Spots – glanzlos bis in die Haarspitzen

Die Werbung wird in den Fachzeitschriften wie auch in dieser wohlwollend hochgejubelt. Die Realität jedoch zeigt das Gegenteil.

Um was es hier geht: Schauen wir uns mal auf den Sendern RTL bis Kabel 1 einen Krimi an, dann müssen wir uns bei einem 90-Minuten- Film 30 Minuten Werbung zu Gemüte führen. Eine Tortur. Wo ist die gelobte und geliebte Werbung? 90 Prozent ist unglaubwürdig und durch die Wiederholung abgedroschen und negativ befrachtet. Ein katastrophales Urteil. Aber es entspricht der Realität. Was macht die Werbung falsch?

Meine Theorie: Gewisse Branchen bekämpfen sich um Marktanteile. Dazu gehören die Haarfärbeund Haarpflegeprodukte. Die dafür werbenden TVSpots treten besonders in Sendungen zu später Stunde auf. Wann gehen denn die Frauen zu Bett? In einem Block erscheinen manchmal bis zu drei dieser Haar-Beauty-Stories. Das Problem: Diese lassen sich vor allem für Männer nach 20 Sekunden kaum unterscheiden. Aber auch von meiner Frau nicht. Sie beginnen alle mit einer Lifestyle-Situati- on, zeigen die mikroskopische Wirkung (die ich nicht nachvollziehen kann) und enden mit einer tollen Haarpracht. Allen diesen Filmen liegt – wie mir scheint – dasselbe Briefing zugrunde. Und daraus resultiert auch dieselbe Lösung. Somit sind sie auf gleicher Höhe oder Tiefe angesiedelt und werden in der nächsten Werbeunterbrechung nochmals wiederholt.

Ein ähnliches Phänomen ist auch bei den Autooder Uhren-Spots anzutreffen. Da singt doch so einer: «Da, da, da – da, da, da.» Idiotisch gestylt, in einem Auto sitzend. Also was jetzt, frage ich mich? Aha, die Antwort ist, dass er abgeschleppt wird von einem Citroën. Dass es sich um einen Citroën handelt, ist nur meiner intensiven Recherche nicht entgangen. Übrigens, die Szene, wo einer in einem Auto sitzt und der Betrachter später feststellen kann, dass es sich um ein Auto handelt, welches gerade abgeschleppt wird, habe ich mindestens schon in drei Varianten gesehen. Hier bei Citroën aber nicht herausgefunden, warum dieser alte Film-Gag benützt wird.

Bei Breitling müssen zwei Piloten sofort zur Landung ansetzen, weil ihre Bräute auf sie warten. Beide Girls tragen denselben Namen und sehen sehr gleich sexy aus. So ein Scheiss kann ja wohl nicht bei einem Publikum, die eine Uhr für mehrere 1000 Stutz kaufen soll, ankommen. Die Suzuki-Wetterfee hat mir anfänglich gefallen. Jetzt aber geht sie mir auf den Wecker. Der Kinder- Schoko-Bon ist einer der doofsten Spots, den ich pro Abend mindestens dreimal über mich ergehen lassen muss.

Motz Schluss. Ach, da ist noch das Dummy von der Suva, welches bei der Arbeit abstürzt. Es fällt nämlich nicht auf den Boden der Fabrikhalle, sondern zu Hause bei seiner geliebten Frau auf den Gartentisch. Um diese Pointe zu begreifen, war die lästige Wiederholung vielleicht nötig. Bei mir jedenfalls. Liebe Kreative, ich werde das Gefühl nicht los, dass Ihr zu wenig mit den Kunden sprecht und zu viel den Beratern überlässt. Mein Aufsteller der Woche war das Mittagessen mit vielen ehemaligen GGK-Kolleginnen und -Kollegen, die mit Paul Gredinger zusammen gearbeitet haben, der leider mit 86 vor kurzem verstorben ist.

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Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]
 

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