Der Laufsteg im Internet: Mode-Blogs

Wie jedes Jahr standen auch diesen Herbst die berühmt-berüchtigte Fashion Weeks vor der Tür. Unzählige, von Mode Begeistere stürmten – natürlich so gestylt wie möglich – nach New York, London, Mailand oder Paris.

Die Besucher bestehen nicht mehr nur aus Promis, Models oder Designern, vielmehr überwiegt die Anzahl der Mode- Blogger, welche sich heutzutage an den Modeschauen die bekannte «first row» mit einflussreichen Modejournalisten teilen. Auch online laufen derzeit die Mode-Blogs auf Hochtouren, es wird geblogged, gepostet, geshared und verlinkt, was das Zeug hält. Doch diese Blogger-Invasion gilt nicht nur während der Fashion Week, denn heute regieren Mode-Blogs im Internet die Welt der Mode. Jede und jeder kann mitmachen und einen Blog eröffnen, dazu braucht es nur einen Internetzugang – und los geht’s. Es gibt unzählige, täglich kommen neue hinzu. Doch mal ehrlich: Was bringen Mode-Blogs wirklich?

Geschrieben wird über alles Mögliche, von Lifestyle, Design über Beauty bis zu Modetrends. In kurzen Beiträgen veröffentlichen die Bloggerinnen, meistens handelt es sich um junge Frauen, die neusten Trends, verkünden, was sie gerade tragen oder wo sie sich gerade aufhalten. Der angestrebte Nebeneffekt? Unternehmen und Organisationen werden auf Mode-Blogger aufmerksam und lassen ihnen Werbegeschenke zukommen, mit Hoffnung auf einen Eintrag im Blog.

Ein echter Mode-Blogger-Star ist Chiara Ferragni. Unter dem Namen «The Blonde Salad» (www. theblondesalad.com) betreibt die Italienerin einen erfolgreichen Blog. Auf Instagram (@chiaraferragni) hat sie über 1.3 Millionen Followers und auch auf Facebook zählt sie stolze 370 000 Fans aus aller Welt. Selbstverständlich gibt es auch einige international sehr erfolgreiche Blogs in der Schweizer Modeszene. Aufgefallen ist mir zum Beispiel der Blog von Sandra Bauknecht (www.sandrascloset.com). Schon seit einigen Jahren investiert die Zürcherin viel Aufwand und Zeit in ihren international bekannten Blog. Auch sie ist natürlich auf Facebook und Instagram (@sandrascloset) vertreten.

Nebst diesen, mittlerweile schon recht professionellen Players gibt es eine Fülle an selbstdarstellende Amateuren. Kleine Bühnen der Selbstinszenierung in unzähligen möglichen und unmöglichen Posen. Ein Trauerspiel der Eitelkeiten. Viele entpuppen sich als eher unbrauchbar. Jeder kann mitreden, seinen Senf dazugeben, und plötzlich werden alle zu Modekennern. Viel zu oft verlieren sich die Schreiber in zu vielen Themen, die Website wird unübersichtlich. Mal ein Artikel über Kosmetik hier, mal einer über eine Ladeneröffnung da. Hauptsache mitmachen. Das Fazit ist einfach. Qualitätsinhalte bleiben auch in den Web 2.0 Zeiten leider dünn gesät. Oder mit anderen Worten: «You,re not deep. You,re not intellectual. You,re not an artist. You,re not a critic. You,re not a poet. You just have internet access.»

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media
Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich.
www.fh-hwz.ch/smm
 

More articles on the topic