Wer sucht, dem wird gefunden

Beat Muttenzer und Lukas Stuber haben die Entwicklung von Suchmaschinenmarketing in der Schweiz entscheidend mit geprägt und mit ihrer Agentur Yourposition das SEA und das SEO von der Nischenangelegenheit zu einem nicht mehr wegzudenken Pfeiler im Onlinemarketing begleitet.

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Beat Muttenzer (l.) und Lukas Stuber (Foto: pan)

Millionen «First Movers» in aller Welt würden dafür sogar ihre Grossmutter verkaufen. Die «Google Addicts» von Yourposition sind völlig gratis zu dem heissen Deal gekommen. «Do you want to use it?», hätten die Boys aus Mountain View gefragt. Der überraschende Anruf aus dem Silicon Valley kam per Skype. Dann musste alles sehr schnell gehen, erinnern sich Lukas Stuber und Beat Muttenzer. Ein Dutzend Brillen wurden per DHL vom Google- Hauptsitz in Kalifornien nach dem Geschäftssitz von Yourposition in Oerlikon verschoben. 

«Okay Glass!», war dann fünf Tage lang der meistgehörte Satz in der Zürcher Agentur für Suchmaschinen- Marketing. Die Crew von Yourposition durfte fast eine Woche lang das meistdiskutierte und am heissesten begehrte Gadget des Jahres testen: Google Glass. «Dass der Suchmaschinen-Marktführer ausgerechnet uns gefunden hat, war die schönste Anerkennung in der zehnjährigen Karriere mit unserer Suchmaschinenmarketing-Agentur», freuen sich die beiden Geschäftsführer, und der Triumph des stolzen Trendsetters steht Stuber und Muttenzer immer noch ins Gesicht geschrieben.

Was die Mitarbeitenden von Yourposition in der folgenden Woche beim Testen der Google-Brille alles erlebt haben, kann in einem spannenden Video auf Youtube beim Eingeben des Titels «Yourposition: Google Glass Hands-on Test in Switzerland» verfolgt werden.

«It works fine», können dort die Tester von Yourposition bestätigen. Im Supermarkt hat die Brille auf einen Blick wertvolle Informationen über den Nährwert einer Mayonnaise geliefert. Familienfotos konnten über Google Glass abgerufen werden. Beim Tramfahren durch die Stadt wussten die Brillenträgerinnen auf Schritt und Tritt, dass sie jetzt gerade in Zürich und nicht in Kalifornien waren. Nur auf die Befehle in deutscher Sprache hat der US-Prototyp noch nicht ganz akzentfrei reagiert.

Die Resultate des ersten Tests von Google Glass in der Schweiz waren auch der SonntagsZeitung eine grössere Geschichte wert. Der einzige Schönheitsfehler beim Tragen dieser Brille: Der Testlauf war ein Fake. Allerdings gleichzeitig eine mehr als gelungene Guerilla-Aktion von Yourposition, um auf das 10-Jahre-Jubiläum des Suchmaschinen-Marketing-Spezialisten aufmerksam zu machen.

Damals noch «Suchmaschinen-Zeugs»

Die Agentur Yourposition gehört in der Schweiz zu den Pionieren im Search-Engine-Advertising. «Bei unserem Start 2003 war diese Disziplin noch eine Nischenangelegenheit. Nur wenige Unternehmen haben mit Suchmaschinen-Marketing etwas anfangen können», erinnert sich Lukas Stuber. Heute präsentiert sich die Situation komplett anders. «Suchmaschinen- Marketing hat sich klar etabliert als zentraler Pfeiler im Onlinemarketing. Man kann es auch an den Wachstumszahlen sehen», analysiert Beat Muttenzer. Zu verzeichnen ist «nach wie vor ein zweistelliges Wachstum pro Jahr».

Neben dem Wachstum lässt sich auch eine starke Professionalisierung im Suchmaschinen-Marketing ausmachen. «In unseren zehn Jahren mit Yourposition sind schon einige Mitbewerber in der Agenturwelt dazugekommen. Bei den Kunden können inzwischen Marketingleute entscheiden, die wissen, um was es geht. Und auch die Mediaagenturen ziehen mit.» Als die grösste Veränderung in den letzten zehn Jahren möchte Stuber deshalb zusammenfassen: Aus der exotischen Spezialdisziplin ist eine der zentralen Online-Marketing-Disziplinen geworden. Er selber ist seit 2000 im Geschäft.

Angefangen hat es beim Pingpong-Spielen. Lukas Stuber war mit Markus Gabriel von Angelink im gleichen Tischtennisclub. Der Historiker und Politologe noch im Studium jobbte damals bei Orell Füssli und war für Books.ch tätig, «mit einem sehr angenehmen Vorgesetzten». Dieser hiess Beat Muttenzer und war verantwortlich für den Aufbau des Online- Buchhandels bei Orell Füssli. Stuber zog es aber mehr in die Werbung.

«Ich hatte die Idee, ich könnte meinen Lebensunterhalt als Texter verdienen», meinte der Autor eines preisgekrönten Romans – «Sechs Fussbreit über dem Boden» – sowie einer ambitiösen Lizentiatsarbeit über «Schimpfwörter». So ist Lukas Stuber bei Markus Gabriel und seiner Angelink gelandet. Hier hatte man relativ früh die Nase für das «Suchmaschinenzeugs ». Das könnte wichtig werden und Stuber solle sich das «mal anschauen», meinte Gabriel.

Das war ganz zu Beginn des neuen Jahrtausends. Drei Jahre später war das Ding bereits so gross, dass man das Suchmaschinen-Marketing bei Angelink nicht mehr alleine stemmen konnte. «Wir haben nach Lösungen gesucht und sind dazu auch mit Yourposition.ch, einem Konkurrenten, zusammengesessen. » Da beide Agenturen sich als eine ideale Ergänzung gesehen haben, hat man sich kurzerhand zur neuen Firma Angelink Yourposition verlinkt. Dieses Unternehmen ist seither «munter gewachsen ».

2005 ist auch Beat Muttenzer «zum ersten Mal eingestiegen», als Freelancer für 18 Monate. Später wollte der gelernte Buchhändler, der an der Hochschule Basel auch noch Veränderungsmanagement und Interaktionsmanagement studiert hat, sich aufgrund seines Spezialwissens für Fair Trade engagieren. Für die Fair Wear Foundation hat sich Muttenzer in der Dritten Welt für soziale Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie sowie bei der Produktion von Teppichen eingesetzt. «Ich musste aber realisieren, dass ich weniger ein Menschenrechts- Aktivist als ein Unternehmer bin», weiss Muttenzer inzwischen. Nachdem er noch eine Zeitlang beides unter einen Hut bringen wollte, ist er 2007 voll bei Yourposition als Partner eingestiegen.

Erweiterung mit Analytics

Ein Jahr später haben Lukas Stuber und Beat Muttenzer ihr Suchmaschinen-Marketing erweitert und mit dem Aufbau des Bereichs Analytics «eigentlich einen Trend vorweggenommen». Sie sahen: Tracking von Marketing-Massnahmen ist genauso wichtig wie das Suchmaschinenmarketing selber. «So haben wir angefangen, Web-Analytics zu etablieren.» Seither finden sich im Angebot von Yourposition die drei Kernbereiche: Adwords, SEA und Analytics.

Bei der Arbeitsteilung funktioniert Lukas Stuber als «Aussenminister» und ist hauptsächlich verantwortlich für Marketing und Kommunikation. Beat Muttenzer ist «Innenminister» und waltet über das Operative sowie Finanzen. Die Bereiche Innovation und Business-Development werden von beiden gemeinsam vorangetrieben. Für die Fachbereiche sind drei Teamleiter zuständig.

Angefangen hat das Start-up mit 130 Stellenprozenten. Heute sind in der Agentur über 20 Leute beschäftigt «und weitere Stellen sind offen». So richtig losgegangen mit dem Wachstum ist es 2010. «Wir merkten: Die Kunden wollen das wirklich und wir sind nicht mehr die Exoten, die mit Suchmaschinen- Marketing missionieren wollen. So gesehen waren wir vielleicht ein bisschen zu früh im Markt. Aber dafür hatten wir einen Vorsprung im Bereich Erfahrung, als es wirklich losging.»

Einsatz für den Nachwuchs

2009 dachten die beiden Geschäftsführer Stuber und Muttenzer, ein eben frisch bezogenes 200 Quadratmeter Büro in Oerlikon «bietet unglaubliche Wachstumsreserven». Dann mussten die Jungunternehmer aber schon bald «Gas geben, um aus dem bestehenden Vertrag wieder aussteigen zu können». Seit Beginn 2013 ist Yourposition im Noerd in Oerlikon mit dabei und hat jetzt mit 400 Quadratmeter «durchaus noch Wachstumspotenzial bis 30 Leute».

Zu finden waren solche Spezialisten in früheren Jahren nur mit grosser Mühe. Das ist auch ein Grund, wieso Stuber und Muttenzer beide an Fachhochschulen aktiv sind, um diesen Nachwuchs gleich selber ausbilden zu können. Die Geschäftsführer von Yourposition unterrichten an der Hochschule Luzern, der Fachhochschule Nordwestschweiz Basel und Olten und sind auch an den Universitäten St. Gallen, Bern und Fribourg immer wieder als Referenten gefragt.

Der Schriftsteller und der Buchhändler als gefragte Unternehmer. Das wäre zu Beginn ihrer Laufbahn höchstens in einem Buch mit sieben Siegeln zu lesen gewesen. Die neue Verantwortung macht Lukas Stuber und Beat Muttenzer aber offensichtlich Spass. «Alles Management ist bei uns Learning by Doing. Wir haben keine Führungsseminare besucht und brauchen auch keine Businesspläne nach Schema F. Wir haben einfach immer geantwortet, was unsere Kunden und der Markt verlangt haben, und dabei versucht, dieses Bedürfnis möglichst gut abzubilden sowie aus unserer immer breiter werdenden Markterfahrung Innovationen anzustossen. Heute sind wir denn auch in vielen Fällen Ansprechpartner nicht nur für Suchmaschinen-Marketing, sondern für digitales Marketing insgesamt.»

Gelebte Firmenkultur

Gleichzeitig haben Stuber und Muttenzer versucht, ihre Wertvorstellungen von einer Firmenkultur beibehalten zu können. Im Grossraumbüro im Noerd herrscht eine sehr kreative Arbeitsatmosphäre. Den Mitarbeitenden wird sehr viel direkter Kundenkontakt und Eigeninitiative überlassen.

Die Suchmaschinen-Pioniere Stuber und Muttenzer haben ihre heutige Situation nicht unbedingt gesucht. Sie fanden Suchmaschinen und Analytics einfach «toll» und merkten, dass man damit auch Geld verdienen kann. «Aber wenn man zum ersten Mal feststellt, dass die Lohnsumme für über zwanzig Mitarbeitende zwei Millionen pro Jahr übersteigt, kann man schon kurz erschrecken.»

Beat Muttenzer und Lukas Stuber sind aber überzeugt, dass sie auch bei den kommenden Entwicklungen ihren Durchblick bewahren können und die Technik voll im Griff haben. Auch wenn der offizielle Einsatz von Google Glass in Oerlikon noch ein paar Augenblicke auf sich warten lässt.

Andreas Panzeri

 

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