Economiesuisse analysiert Kampagne gegen Abzocker-Initiative
Economiesuisse geht wegen der Abzocker-Initiative über die Bücher: Der Wirtschaftsdachverband will sich «selbstkritisch, gründlich und offen mit der Kampagnenführung und dem vorangegangenen politischen Entscheidungsprozess auseinandersetzen».
Der Vorstandsausschuss habe eine erste Lageanalyse nach der Abstimmung vorgenommen, teilte er am Dienstag mit. Economiesuisse wollte auf Anfrage nicht kommentieren, ob die Ergebnisse veröffentlicht werden und welche konkrete Fragestellungen sie sich bei der Analyse selber stellen.
Am 3. März hatte das Schweizer Stimmvolk mit 67,9 Prozent für die Initiative des Schaffhauser Ständerats Thomas Minder gestimmt und damit der millionenschweren Gegenkampagne von Economiesuisse eine herbe Niederlage zugefügt. Nach dem eindeutigen Verdikt der Stimmberechtigten nehme das Leitungsgremium die gegenwärtige Debatte sehr ernst, hiess es in der Mitteilung. Gleichzeitig macht sich der Wirtschaftsdachverband Gedanken über sein Image, seine Rolle und Verantwortung. Die nötigen Konsequenzen würden gezogen, teilte Economiesuisse mit, ohne konkret zu werden.
Das Image des grössten Wirtschaftsverbands der Schweiz hat unter anderem gelitten, als publik wurde, dass ein Werbebüro Studenten dafür bezahlt hatte, auf Online-Portalen Kommentare gegen die Abzockerinitiative zu schreiben. Das Werbebüro hat für Economiesuisse die Plakate und Inserate für die Kampagne gegen die Initiative gestaltet.
Dann pfiff Economiesuisse auch den Kampagnenfilm von Regisseur Michael Steiner zurück (Werbewoche.ch berichtete). Der Film hatte überspitzt dargestellt, welche Auswirkungen bei Annahme der Initiative der Schweiz drohen würden.
Zu Reaktionen führten auch Aussagen von Präsident Rudolf Wehrli in der «Rundschau» des Schweizer Fernsehen SRF. Wegen der Annahme der Initiative hätten mehrere internationale Unternehmen ihre Pläne zum Wegzug aus der Schweiz bereits ausgearbeitet, sagte er.
Die Organisation fühlt sich falsch verstanden: Das medial transportierte Bild von Economiesuisse werde der breiten Abstützung des Verbandes nicht gerecht, hiess es in der Mitteilung vom Dienstag. Unter seinem Dach vereint der Wirtschaftsverband 20 kantonale Industrie- und Handelskammern, 100 Branchenverbände und rund 100'000 Unternehmen. (SDA)
