Freestyler mit klarer Linie
Einst traten sie in der Halfpipe gegeneinander an. Seit über zehn Jahren führen die beiden ehemaligen Snowboardprofis Oliver Brunschwiler und Johannes Eisenhut eine auf International Branding und Brand Communication spezialisierte Agentur. Die Wurzeln aus dem Freestyle-Sport sind bis jetzt ein tragender Pfeiler.
Als Mitte der Achtzigerjahre das Snowboarden aufkam, dachten sie, man würde einmal die Welt beherrschen. Sie waren überzeugt: Snowboarden ist so cool, dass bald niemand mehr Skifahren wird. Sie waren rebellisch. Den Zutritt zum Skilift mussten sie sich erkämpfen. Mit den Skifahrern herrschte Klassenkampf.
Aus den Rebellen von einst sind gestandene Geschäftsmänner geworden. Heute um die 40 Jahre alt, mit Hemd, sitzen Oliver Brunschwiler und Johannes Eisenhut am grossen Holztisch im Sitzungszimmer ihrer Agentur. Sie liegt zwischen zwei Bars an der Zürcher Langstrasse. Das Aufständische ist auf den ersten Blick kaum mehr erkennbar. Vielleicht in der kleinen Piratenflagge, die über dem Bildschirm schwenkt. Oder in den aufgestellten Actionhelden-Puppen, die die Agenturtruppe von sich selbst für ihre Kunden anfertigen liess. Oder im Portfolio, wo bei /Department interdisziplinär gewildert und Konventionen herausgefordert werden. Freunde und Bekannte wollen es schon früh gewusst haben, dass sich die beiden Profisnowboarder, die mit dem Freestyle-Zircus um die Welt reisten, eines Tages zusammentun. Ollie, der Praktiker, der die Grafikerlehre absolviert hatte und danach bei verschiedenen Agenturen wie Weber, Hodel, Schmid arbeitete. Johne, der Germanistik und Kommunikationswissenschaften studiert hatte und bei Burton Snowboards als Marketing Director Europe elf Länder verantwortete.
Im Jahr 2000 war es soweit. Das Internet-Modeprojekt Skim.com, das Johne zusammen mit den Freitag-Brüdern aufgebaut hatte und als Marketingleiter führte, war nach dem Platzen der Internet- Blase und dem Konkurs eines Investors plötzlich Vergangenheit. Ollie arbeitete gerade als Freelancer. Beide waren in Zürich und der Moment gekommen. «Wenn wir wirklich eine Agentur gründen, dann keine klassische», sagte Ollie. Das hätte zu den Freestylern nicht gepasst. Eine Kreations- und Strategieagentur sollte es sein, auf Branding und internationale Kommunikation spezialisiert. Denn auf dem internationalen Parkett kannten sich beide aus.
Im Action-Sport zu Hause
Gestartet wurde zu dritt und mit Vollgas. Die Kontakte aus der Sportszene erwiesen sich als wertvoll. Viele der Kollegen von früher waren unterdessen in einer kreativen Ecke oder im Marketing gelandet. Und auch der Einblick in die Produkt- und Markenwelt, die beide als Snowboardprofis erhalten hatten, war von Vorteil. Schon als Teenager standen die Sportler in direktem Kontakt mit ihren Sponsoren, entwickelten Bretter, Bindungen, Kleider – und die Werbung dafür. Kein Verband oder Manager war da, der die Vermarktung übernommen hätte. «Wir waren Selbstvermarkter.»
Mit zwei, drei Kunden im Portfolio, schrieb /Department bereits nach wenigen Monaten schwarze Zahlen. Schon im ersten Jahr wurden einige internationale Corporate-Design-Projekte umgesetzt – im Sport, im Jugendmarketing, und, die Langstrasse lässt grüssen, im «Milieu». So das Erscheinungsbild für Erotic Media, ein Beate-Uhse-Unternehmen, das den Hype um den Börsengang der Kirch Gruppe nutzen wollte, um selbst an die Börse zu gehen. Daneben waren in den Anfängen vor allem digitale Projekte ein Schwerpunkt, womit sich der Slash im Agenturnamen erklärt. Für den Mobilfunkanbieter T-Mobile realisierte die Agentur als eines ihrer ersten Projekte eine digitale Plattform für das Sportengagement des Telekomriesen. Seit Beginn betreute /Department so viele internationale Unternehmen sowie Kunden aus der Sport-Ecke. Zu den ersten gehörten auch der Schweizer Schuhhersteller Raichle oder die damals neu gegründete Firma Head Snowboards, die /Department im Markt positionierte. Und noch heute zählen viele Kunden aus dem Freestyle-Bereich auf die Kreativen. «Wir wissen, wie die Action-Sport-Branche funktioniert.»
Darauf vertraute auch der Jeanshersteller Levis, der sich mit seiner Streetwear-Kollektion bei Skatern und BMXern positionieren wollte. /Department liess das gesamte Erscheinungsbild der Jeansmarke ins Schwarze reingehen. Analog zum Asphalt, um zu verdeutlichen, dass die Kollektion für die Strasse gemacht ist. Der weltweite Hype um Action Sport gab /Department zu Beginn Schub. Freestyle wurde kulturell dominant und übertrug sich auf Mode und Gastronomie. «Eine sehr fruchtbare Ecke», erinnert sich Johne. Und /Department schickte sich an, dieses Momentum zu nutzen. Mit der Zeit wurde das Dienstleistungsspektrum jedoch breiter und die Agentur grösser. Mit 15 Mitarbeitenden und einem internationalen Netzwerk von 50 Personen versteht sich /Department heute als 360-Grad-Agentur, die von Branding und Kommunikation, Corporate Design, Positionierung bis hin zu Werbung und Event-Konzeptionen alles abdeckt. Den Klassenkampf mit den Skifahrern haben die Freestyler eingestellt. Ob Skifahren oder Snowboarden ist nicht mehr wichtig. Heute macht /Department mit Herzblut Werbung für Head Ski und hat für die Marke vor kurzem einen neun Spot kreiert, der mit Skistars wie Lindsey Vonn, Ted Ligety oder Bode Miller auftrumpft. Das Draufgängerische, das Entdeckungsfreudige und das «Coole» scheinen sich die Kreativen erhalten zu haben. Das zeigen sie in Spots, in denen Weltklasseskifahrer gegeneinander «Schere, Stein, Papier » spielen. Oder mit einer Après-Ski-Party, an der einer mit den Skischuhen den Moonwalk hinlegt.
Zwei Freestyler und ein Carver
Neben den Kunden aus dem Sportbereich betreut /Department heute viele Unternehmen, die aus anderen Ecken stammen. Die Graubündner Kantonalbank gehört seit sieben Jahren dazu. Ebenso sind etliche Kunden aus dem Bündnerland im Portfolio. Wintersportorte wie Davos Klosters oder Lenzerheide oder der Hockey Club Davos. 2013 wollen Ollie und Johne /Department noch stärker und breiter aufstellen und haben sich dazu Verstärkung geholt. Der langjährige /Department- Senior-Art-Director Toma Perret ist als Mitinhaber und Creative Director wieder an Bord. Zudem erweitern die Kreativen die Geschäftsleitung mit einem Beratungspartner und Geschäftsführer. Per Januar 2013 wechselt Jan Maurer von Wirz Wietlisbach als Mitinhaber und CEO zur Agentur. Maurer wird das Beratungs-Know-how und das klassische Agenturhandwerk einbringen. Er ist der Carver, der den Freestylern noch gefehlt hat. «Einer, der die gerade Linie fährt», wie es die beiden ausdrücken. «Mit Unikat hat Jan eine Agentur mit vergleichbarer Grösse aufgebaut und über sieben Jahre erfolgreich geführt », so Johne. Von dieser Erfahrung wollen die Kreativen profitieren. Und auch Maurer hofft, nach einer turbulenten Zeit mit einigen Stellenwechseln – zuerst bei Ikea als Marketing Manager, danach ein Versuch, eine eigene Agentur aufzubauen, und schliesslich bei Wirz Wietlisbach Dialog – bei /Department den richtigen Platz zu finden.
Breit aufgestellt zu sein, wird sich in den kommenden Monaten für die Kreativen auszahlen. Nur schon auf Grund der olympischen Kandidatur «Graubünden 2022», für die /Department für Branding, Markenbild und Kommunikation verantwortlich zeichnet. «In den nächsten zwei Monaten wird es heiss», so Ollie. Das Erscheinungsbild der olympischen Winterspiele mit dem Bündner Bock auf Schweizer Kreuz steht bereits. Als Nächstes sollen die Bündner mit einer klassischen Kampagne vom Engagement überzeugt werden. Denn bevor die Kandidatur eidgenössisch durchgewunken werden kann, müssen erst mal die Lokalen grünes Licht geben. «Du arbeitest an einer Marke, die in der Öffentlichkeit extrem präsent ist. Das macht es so spannend», so Johne. «Bei jeder Sonntagslektüre kannst du feststellen, dass du am Montag ein Problem haben wirst. Das ist Real-Time-Kommunikation.» Früher hätten sie die olympischen Spiele noch boykottiert. Die wurden schliesslich von den Skifahrern ausgerichtet. Aber eben, der Kampf ist vorbei. Johne bezwingt heute die Hänge mit Telemark-Ski. «Im Snowboarden wurde ich nur noch schlechter. Ich wollte etwas, in dem ich besser werde», so Johne. «Und etwas, womit du auffällst», schmunzelt dagegen Ollie.
Isabel Imper

In Kürze
Johannes Eisenhut, Strategie und Partner, ehemaliger Snowboardprofi, aufgewachsen in der Schweiz und den USA, studierte Germanistik/ Kommunikationswissenschaften an der Universität Fribourg und schloss 2008 mit Doktorat in Literaturwissenschaft/ Linguistik in Fribourg ab. Von 1995 bis 1998 war er als Marketing Director Europe für Burton Snowboards für elf Länder verantwortlich. Später gründete er zusammen mit Daniel und Markus Freitag die Web-1.0-Community Skim.com, für die er das Marketing übernahm. Zudem war er Herausgeber und Redaktor des Fachjournals «European Snowboard Business Magazine».
Oliver Brunschwiler, Executive Creative Director und Partner, nach Grafiklehre und Handelsdiplom hat er den klassischen Agenturweg durchlaufen. Nach seiner Karriere als Snowboardprofi und dem Launch eines eigenen Bekleidungslabels «Fuse» zusammen mit Rod-Mitinhaber Oliver Fennel ist er bei der Markenagentur Külling eingestiegen (heute: Schneiter Meier). Danach wechselte er neben verschiedenen Stationen wie Metzgerlehner zu Weber, Hodel, Schmid, (W,H,S,) und war schliesslich als Freelance-AD über die Landesgrenzen hinaus tätig.
