Cherchez la femme (II)
Die Eifersucht einer First Lady als freie Mitarbeiterin: Valérie Trierweilers Twittergate wird zum französischen Sommertheater. Von Jürg Altwegg, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Genf.
Und wie geht es der schönsten Journalistin von Paris?». Auch bei Valérie Trierweiler hatte es Dominique Strauss-Kahn mit seiner plumpen Anmache versucht. Sie war seit zwei Jahren mit François Hollande liiert, als dieser im Wahlkampf 2007 den treuliebenden Lebenspartner an Ségolène Royals Seite gab. Kennengelernt hatte sie den sozialistischen Politiker als Kulturjournalistin beim Paris- Match, dessen Chefredaktor einst entlassen wurde, weil er die ehemalige Madame Sarkozy mit ihrem neuen Partner aufs Cover hievte. Im Wahlkampf wurde Trierweiler von der Illustrierten kalt gestellt – nach dem linken Triumph wurde ihr Vertrag verlängert. Ihr Büro allerdings ist im Elysée, den Sekretär bezahlt der Staat.
Ihr erster Artikel: die Rezension einer Biografie der Gattin von US-Präsident Roosevelt. Bei heiklen Interviewanfragen an den Präsidenten und zwischen den unterschiedlichen Medien würde sie entscheiden, erklärte Trierweiler im Radio. Und entfachte erneut die Debatte über die Rolle der Journalistinnen an der Seite der Politiker. In der Liebe zwischen Macht (männlich) und Medien (weiblich) lokalisiert die Republik ihr Traumpaar: Minister und Starjournalistin, verheiratet in zweiter und dritter Ehe. Sie ist eine Errungenschaft der Kaviar-Linken: DSK/Anne Sinclair waren zusammen mit Bernard Kouchner/Christine Ockrent ihre Pioniere. Auch bürgerliche Kabinettsmitglieder haben seither TVModeratorinnen gefreit. Im neuen Kabinett ist das Modell ebenfalls vertreten.
Im Elysée aber blieben die Journalistinnen bislang auf das Gerücht als mutmassliche Geliebte beschränkt. Es kursiert seit Giscard d’Estaing. L’Express-Begründer Jean-Jacques Servan-Schreiber schickte gezielt die attraktivsten Redakteurinnen in kurzen Röcken zu den Politikern. Zwischen Cecilia und Carla Bruni wurde eine Journalistin des Figaro an Sarkozys Seite geortet. «Ich dachte, die schönste Journalistin in Paris sei Anne Sinclair», soll die schlagfertige Trierweiler DSK damals abgewiesen haben. Mit ihrer Twitter-Botschaft, in der sie bei der Parlamentswahl den Gegner von Ségolène Royal unterstützte, hat sie die erste Affäre seit dem Machtwechsel ausgelöst. Der Premierminister musste die Frau seines Präsidenten zurechtweisen. «Wer ist der Chef im Elysée?», titelte L’Express.
Die Rivalität zweier Frauen wird zum Thema des anlaufenden Sommertheaters. Das Buch «Les Strauss-Kahn», dessen Autorinnen – Journalistinnen des Weltblatts Le Monde – DSKs Annäherungsversuche an die schönste Journalistin enthüllen, ist der Bestseller der Saison. «Die grossen Eifersüchtigen, die Geschichte machen», werden vom Magazin Marianne aufgelistet. «Beten für den Präsidenten» zwischen zwei Frauen wollte in einer Sonntagszeitung Starschriftsteller Philippe Sollers. Er schreibt seit Jahren für das Journal du Dimanche. Von François Hollande, der ein «normaler» Präsident sein wollte, ist aus der privaten Biografie inzwischen mehr bekannt, als man je vom extravaganten Vorgänger lesen musste. Nur Paris-Match, dessen Kerngeschäft das alles ist, sind aus Rücksicht auf die mächtige freie Mitarbeiterin die Hände gebunden. Auch das im gleichen Verlag erscheinende Journal du Dimanche übt sich erneut in Regierungstreue. Für Sarkozy war 2007 ein Artikel über seine Frau, die nicht zur Wahl ging, aus dem Blatt gekippt worden. Und jetzt wird Philippe Sollers der Laufpass gegeben. PS: Die Hälfte der mehr als dreissig Minister im neuen Kabinett sind Frauen. Nie war deren Anteil im Parlament so gross wie seit der Wahl im Juni.
