Im Zeitalter von Internet werden immer noch Millionen von Telefonbüchern verteilt

In der Schweiz werden jährlich 8 Millionen Kilogramm Papier für Telefonbücher bedruckt. Bestellt diesen Unsinn sofort ab, sonst geht die Waldrodung nächstes Jahr automatisch weiter.

Meine Grossmutter hatte auf dem Klo im Treppenhaus zerschnittene, gelochte und mit einer Schnur an der Wand befestigte Telefonbuchseiten zum Benützen als Klopapier. Dies wäre heute noch immer die einzig richtige Verwendung dieser Bücher.

Um was es hier geht: Es gibt 24 Telefonbücher, nummeriert von 1 bis 25. Die Nr. 19 existiert nicht. Diese 24 Undinger beinhalten je auf 1000 Seiten à 500 Einträgen insgesamt etwa 500 000 Einträge. Laut Swisscom benutzen 80 Prozent der Eingetragenen ein solches Buch. 80 Prozent von einer halben Million sind 400 000. Diese Benutzer, multipliziert mit 24 Büchern, ergeben 9,6 Millionen Benutzer.

Rechnen wir, dass das Buch Nr. 2 von Lausanne weniger dick ist und ziehen 20 Prozent ab, dann sind noch immer 7,68 Millionen übrig. Gehen wir davon aus, dass ich zwei Bücher für zwei Seiteneinträge und meine Frau ohne Bucheintrag ein Buch erhalten hat und dass grössere Firmen mehr als ein Buch pro Eintrag benötigen, dann zähle ich noch was dazu. Sagen wir also 8 Millionen Bücher. Im Schnitt ist ein Buch 2 cm dick und A4 gross. Ein Buch misst also ca. 1250 cm3. Multipliziert mit 8 Millionen, ergibt das 10 000 m3. Das ist ein 10×10 m und 100 m hoher Turm. Mein Zürcher Buch wiegt 1,35 kg. Um keine bösen Statistiker- Leserbriefe zu erhalten, gehe ich auf 1 kg pro Buch, mal 8 Mio. = 8000 t Papier oder Holz. Um sich diesen Umweltunsinn noch besser vorzustellen, sind das genau 200 Vierzigtönner-Lastwagen von je 20 m Länge, hintereinander ergibt das eine Kolonne von 4 km. Meine Theorie: Ich nehme an, dass auch Sie, lieber Leser zu Hause oder im Büro, ein solches 1000-seitiges Buch haben. Aber mal ehrlich, wann haben Sie dieses das letzte Mal benutzt? Wir haben erstens all unsere wichtigen Nummern im Handy oder auf dem Compi gespeichert oder können via Local.ch oder andere Connect Services diese Unbekannten herausfinden. Dazu benutzt sicher fast niemand mehr dieses umständliche und schwere Telefonbuch. Die Firma Local.ch der Swisscom Directories AG bietet zwar auf Seite 3 im Buch für aufmerksame Leser eine Abbestellmöglichkeit an. So wie das Buch ja nie genutzt wird, geht auch dieser Talon vergessen. Und schon haben Sie für einen solchen Schunken 12.– Franken plus Zustellgebühr von 2.90 Franken pro Buch bezahlt.

Ich schlage der Swisscom vor, eine Umweltschutzaktion zu starten und die Abonnenten per TV-Spot, Brief oder E-Mail aufzufordern, diesen Umweltunsinn sofort abzubestellen. Dies würde dem Image der Swisscom nur gut tun. Ich bin auch davon überzeugt, dass nächstes Jahr dann nur noch 20 Prozent ein Telefonbuch benötigen. Wenn überhaupt. Mein Aufsteller: Bubba Watson hat im US Golf Masters im Stechen den Ball genial blind aus dem Wald aufs Green geschlagen und dafür das grüne Jacket bekommen.

Theophil Butz, einst Starwerber (Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

Unbenannt-2_1
 

More articles on the topic