Bundesliga auf Al Dschasira

Katar greift nach dem französischen Fussball – auch im Fernsehen. Und die Frauen sollen bald mit Kopftuch spielen dürfen. Frankreich wird zum Übungsplatz vor der WM in der Wüste. Gastbeitrag von Jürg Altwegg, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Genf.

Die Entlassung des Trainers war noch seltsamer als jene von Fischer in Zürich: Nach langen Jahren der Krise hatte Antoine Kombouaré den Pariser PSG an die Spitze geführt. Doch für den Herbstmeister gab es weder Erfolgsprämie noch Gnadenfrist. Kombouaré ist nicht sexy genug, kein Selbstdarsteller, kein rhetorischer Showman für die Medienkonferenzen. Deshalb wurde er in die Wüste geschickt, aus der die Ölscheichs kamen, die den PSG kurz zuvor ausgekauft hatten.

Die neuen Eigentümer aus Katar holten den smar¬ten Italiener Carlo Ancelotti. Während Wochen wurde das Engagement von David Beckham angekündigt. Der dann doch nicht kam, was dem Spiel des PSG so wenig gebracht hätte wie es von Ancelotti verbessert wurde. Offensichtlich hatte Beckham eine Garantie für eine minimale Spielzeit in jedem Match gefordert. Aber der Transfer soll auch gar nicht daran gescheitert sein. Denn ebenso wichtig wie die Siege und Zuschauerzahlen im Prinzen-parkstadion sind die Einschaltquoten in China, die Beckham verbessert hätte. Das Kürzel PSG steht für die zweite globale «Pariser Spass-Gesellschaft» neben Euro-Disney.

Der Offensive aus dem Morgenland ist der Fernsehsender CFoot zum Opfer gefallen. Die Liga hatte ihn aufgebaut, um nicht verkaufte Rechte selber verwerten zu können. Mit der Krise der National¬mannschaft in Südafrika und dem Wegfall von Orange Sport war das Pay-TV-Programm Canal+ der einzige Kandidat und nicht mehr bereit, die horrenden Summen zu bezahlen. Im Februar konnte CFoot abgeschaltet werden: Al Dschasira hat achtzig Pro¬zent aller Spiele der französischen Meisterschaft erworben für die Verwertung in Frankreich! Zuvor schon kaufte der Sender aus Katar 133 Matches der Champions League, praktisch die gesamte Europa-Liga und mehrere ausländische Landesmeister¬schaften zur Ausstrahlung in Frankreich. Bundesliga, Spanien, Italien. Die Konkurrenz ist ein Segen für Verbände und Klubs, die statt der befürchteten Einbussen satte Gewinnsprünge verbuchen. In Frankreich geht sie zu Lasten von Canal+, der nicht mehr mithalten kann, und des grössten europäi¬schen Privatsenders TF1, für den der frei empfangbar Fussball ein Verlustgeschäft geworden ist.

Die Schlacht gegen Canal+ hat Katar nicht davon abgehalten, bei der Muttergesellschaft Vivendi einzusteigen. Und bei Lagardère mit dem grössten Magazinverlag der Welt, Hachette. Lagardère hat seine Aktivitäten in den Bereich des Sports diversifiziert, Katar ist bereits der grösste Aktionär.

Die Vergabe der Weltmeisterschaft wurde mit der Ausweitung des Einflussbereichs begründet. Zu den unerschlossenen Kontinenten der planetarischen Sportart schlechthin gehören auch die Frauen: In Frankreich will man erreichen, dass sie mit Kopftuch spielen dürfen. Für die Vereinigten Staaten hat Al Dschasira die Rechte der spanischen Liga gewon¬nen. Frankreich ist lediglich die Startrampe für die Expansion in andere europäische Länder. Die Spiele werden nicht auf Al Dschasira gezeigt, noch ist man in Paris mit dem Aufbau zweier Sender beschäftigt. Be in sport B werden sie wohl heissen. Aber gekauft wird weiter. Die Rechte für die im Juni beginnende Europameisterschaft wurden für Frankreich nicht vergeben, der Uefa waren die von TF1 gebotenen 50 Millionen nicht genug. Dieser Tage soll endlich die Entscheidung fallen. Al Dschasira soll ein Angebot von 120 Millionen Euro eingereicht haben.
 

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